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Agrar-Innovationen für das rheinische Revier

Braunkohle ist nicht mehr: Mitten in der rheinischen Metropolregion sollen 60 ha Ackerland wieder nutzbar gemacht werden. Landwirte und Start-ups können dort zusammenarbeiten. Hier ein denkbares Szenario. (Foto: Matti Wirth/RWTH Aachen)

Wo früher Bergbau betrieben wurde, soll jetzt ein Innovations-Areal für agrarische Geschäftsmodelle entstehen. Das Ziel: die Landwirtschaft vor den Toren der Großstädte näher an den Verbraucher bringen. Ein Projektverbund sucht jetzt Start-ups und innovative Landwirte. Sie erhalten Fläche, Beratung und Marktzugang.

Es geht um rund 60 ha Jülicher Börde-Boden, die in den nächsten Jahren wieder landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden sollen. Wie? Dafür sucht das Verbundprojekt "Setup Food Strip" nun innovative und möglichst nachhaltige Ideen. Projektpartner sind die FH Südwestfalen, der Ernährungsrat Köln, die RWTH Aachen und Partner aus Verwaltung und Wirtschaft. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sollen in den nächsten zwei Jahren Ideen für neue Wertschöpfung in den Braunkohlerevieren entwickeln werden. Das Ziel: Mit landwirtschaftlichen Innovationen Antworten auf Flächenkonkurrenzen, Umweltherausforderungen und neue Märkte finden. f3 hat mit Projektmitarbeiterin Clara Dorn über das Vorhaben gesprochen:


Das Interview dazu

f3 - farm. food. future: Was für Start-ups und innovative landwirtschaftliche Betriebe sucht ihr genau? Was müssen sie mitbringen?

Clara Dorn, Ernährungsrat Köln (Foto: privat)

Clara Dorn: Der anstehende Strukturwandel im Rheinland wird sich auf die Landwirtschaft im Revier auswirken. Hier braucht es Vordenker, die die Land- und Ernährungswirtschaft neu und regional mit uns denken und mit ihren Ideen Kreisläufe in der Region schließen. Die Ideen können noch in den Kinderfüßen stecken oder schon umsetzungsbereit sein – da sind wir offen! Interessierte Start-ups und Landwirte sollten vor allem die Bereitschaft mitbringen, sich auf Neues einzulassen und auf die sich verändernden gesellschaftlichen Anforderungen zu reagieren.

Letztlich suchen wir kreative Köpfe mit Herz und Ideen für den Agrar- und Food-Bereich vom Acker bis zum Teller, die bereits im Rheinischen Revier beheimatet sind oder sich dort ansiedeln möchten. Alles andere entwickeln wir gemeinsam weiter.

Zugang zu 15 Mrd. € Strukturfördermitteln

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Im alten Braunkohlerevier soll jetzt ein Innovations-Areal für agrarische Geschäftsmodelle entstehen. Das Ziel: die Landwirtschaft vor den Toren der Großstädte näher an den Verbraucher bringen. Ein Projektverbund sucht jetzt Start-ups und innovative Landwirte. Sie erhalten Fläche, Beratung und Marktzugang.

Es geht um rund 60 ha Jülicher Börde-Boden, die in den nächsten Jahren wieder landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden sollen. Wie? Dafür sucht das Verbundprojekt „Setup Food Strip“ nun innovative und möglichst nachhaltige Ideen. Projektpartner sind die FH Südwestfalen, der Ernährungsrat Köln, die RWTH Aachen und Partner aus Verwaltung und Wirtschaft. Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sollen in den nächsten zwei Jahren Ideen für neue Wertschöpfung in den Braunkohlerevieren entwickeln werden. Das Ziel: Mit landwirtschaftlichen Innovationen Antworten auf Flächenkonkurrenzen, Umweltherausforderungen und neue Märkte finden. f3 hat mit Projektmitarbeiterin Clara Dorn über das Vorhaben gesprochen:


Das Interview dazu

f3 – farm. food. future: Was für Start-ups und innovative landwirtschaftliche Betriebe sucht ihr genau? Was müssen sie mitbringen?

Clara Dorn, Ernährungsrat Köln (Foto: privat)

Clara Dorn: Der anstehende Strukturwandel im Rheinland wird sich auf die Landwirtschaft im Revier auswirken. Hier braucht es Vordenker, die die Land- und Ernährungswirtschaft neu und regional mit uns denken und mit ihren Ideen Kreisläufe in der Region schließen. Die Ideen können noch in den Kinderfüßen stecken oder schon umsetzungsbereit sein – da sind wir offen! Interessierte Start-ups und Landwirte sollten vor allem die Bereitschaft mitbringen, sich auf Neues einzulassen und auf die sich verändernden gesellschaftlichen Anforderungen zu reagieren.

Letztlich suchen wir kreative Köpfe mit Herz und Ideen für den Agrar- und Food-Bereich vom Acker bis zum Teller, die bereits im Rheinischen Revier beheimatet sind oder sich dort ansiedeln möchten. Alles andere entwickeln wir gemeinsam weiter.

Zugang zu 15 Mrd. € Strukturfördermitteln

f3: Das Projekt wird insgesamt mit 200.000 € gefördert. Davon fließt sicher nicht viel an die Projektteilnehmer. Was bietet ihr ihnen stattdessen?

Clara: Wir können den Teilnehmern tatsächlich weniger finanzielle Benefits bieten. Wir konzentrieren uns vielmehr auf eine umsetzungsorientierte Verwebung neuer, kurzer Wertschöpfungsketten, den gemeinsamen Aufbau von Vermarktungsstrukturen, fachliche Beratung zum Beispiel bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und letztendlich auch Zugang zu und Unterstützung bei der Erschließung von Finanzierungsmöglichkeiten, z.B. im Rahmen der Strukturfördermittel. Rund 15 Mrd. € an Strukturhilfe fließen in den nächsten 20 Jahren in das Rheinische Revier.

60 ha Acker wieder nutzen

f3: Und ihr habt einen Ackerstreifen von rund 60 ha zu vergeben. Davon sind allerdings noch nicht alle Flächen arrondiert. Derzeit sondiert ihr erstmal, welche Akteure bereits aktiv und welche Ideen schon vorhanden sind. Aber was erwartet die Bewerber konkret als ersten Schritt, wenn sie sich jetzt melden? Wann könnten sie loslegen und den Acker wirklich bewirtschaften?

Rund 60 ha Ackerfläche stehen für das Projekt zur Verfügung. (Foto: Matti Wirth/RWTH Aachen)

Clara: Naja, prinzipiell wäre es möglich, schon morgen auf dem Acker loszulegen, wenn das die Frucht zulässt. Das Areal wird in kleinen Teilen jetzt schon von Landwirten bestellt und wartet nur darauf, dass weitere dazukommen. Wer also schon umsetzbare Ideen hat, möge sich möglichst schnell bei uns melden.

Gleichzeitig geht es uns aber um eine langfristigere Planung, die sämtliche Schritte in der Wertschöpfungskette einschließt. Wir wollen in enger Absprache mit den bereits aktiven Landwirten auf der Fläche erarbeiten, wie die Schläge angelegt und aufgeteilt werden sollen, mit welchem Betriebsmodell der Food Strip wirtschaftlich sein kann oder welche Vermarktungswege aufgebaut werden können.

Noch in diesem Herbst ist die erste Vermarktung-Pilotaktivität geplant.

Clara Dorn

Ende April / Anfang Mai findet dazu die Auftaktveranstaltung des Beteiligungsprozesses statt. Dort werden wir diese Fragen mit allen Akteuren unter Berücksichtigung der vielfältigen Bedürfnisse erarbeiten. Weitere Workshops folgen im Laufe des Jahres. Dann soll es recht bald in die Umsetzung gehen: noch in diesem Herbst ist die erste Vermarktung-Pilotaktivität geplant.

Alte Hallen zur Verarbeitung oder Lagerung nutzbar

f3: Neben Ackerfläche stehen auch alte Lagerhallen und andere Gebäude leer. Welche Möglichkeiten bieten sich dort für Start-ups?

Clara: Dazu stehen wir gerade in enger Abstimmung mit Stadt, Stadtplanung und bestehenden Betrieben. Wir müssen klären, welche der vorhandenen Bauten für unsere Zwecke nutzbar sind. Diese sollen noch in der Projektlaufzeit festgenagelt werden, so dass sie zeitnah genutzt werden können. Bei der Nutzung kommt es darauf an, was die künftigen Betreiber brauchen: soll darin die Weiterverarbeitung stattfinden oder braucht es eher eine Logistikhalle zur Lagerung und / oder Verpackung? Bietet es sich an, dass sich die unterschiedlichen Betreiber zu einer Art Coworking zusammentun? Ist es erstmal wichtiger, eine Hofstelle einzurichten? Die sinnvolle, gemeinsame Nutzung dieser Bauten soll mit den potentiellen Betreibern in einem Planungsworkshop erarbeitet werden.

Regionale Versorgung versuchen

f3: Um die Flächen herum wohnen in Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach mehrere Millionen Verbraucher. Euch schwebt vor, mehr Nähe und Austausch zwischen Stadt und Land zu erreichen. Was bedeutet das für die Ideen, die ihr sucht?

Clara: Eine Metropolregion wie das Rheinland mit seinen 8,6 Mio. Menschen künftig regional zu ernähren wird kein Kinderspiel und wird auch nicht von heute auf morgen passieren. Aber ich denke, die Zeiten stehen gut, erste Schritte nach vorn zu wagen und mit guten Beispielen Menschen mitzuziehen. Das heißt, dass unsere Ideen einen gewissen Pioniergeist mitbringen sollten.

Eine Akteursbörse soll z.B. den Getreideanbauer mit dem Start-up vernetzen, das pflanzliche Milchalternativen herstellt.

Clara Dorn

Wenn wir Stadt und Land näher zusammenbringen wollen, heißt das auch, dass sich beide Seiten aufeinander zu bewegen müssen. Dass Landwirte und Start-ups bereit sein müssen, sich nach außen zu öffnen und ihre Produktion transparent zu machen. Und dass sie mit ihrem Angebot auch auf das reagieren, was der regionale Markt braucht. Durch intelligente Vermarktungsstrategien können sie dann im Gegenzug das Vertrauen und die (finanzielle) Wertschätzung der Konsumenten gewinnen.

f3: Wie wollt ihr die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und praktischen Landwirten gestalten?

Clara: Wir haben festgestellt, dass Start-ups und Landwirte als völlig unterschiedliche Zielgruppen wahrgenommen werden und Veranstaltungen häufig nur an eine der beiden adressiert sind. Das ändern wir. Wir wollen sie eng miteinander verweben. Eine Akteursbörse soll die möglichen Betreiber des Food Strips miteinander vernetzen, z.B. den Getreideanbauer mit dem Start-up, das pflanzliche Milchalternativen herstellt. Diese werden dann im Laufe des Projekts ausgebaut und in die planerische Gestaltung miteinbezogen.