digital farm Gründerwerkstatt

Agrarsoftware: Schluss mit der Zettelwirtschaft

Farmdok-Gründer Peter Prankl zeigt die App anhand der Wirtschaftsdüngerausbringung. (Foto: Altmann)

Die digitale Ackerschlagkartei „Farmdok“ will Landwirten eine Alternative zur Zettelwirtschaft bieten. Was die österreichische App kann. Und noch im Köcher hat.

Der Artikel ist zuerst erschienen in top agrar Österreich 4/2020.

"Unsere 90 ha Acker setzen sich aus rund 70 Feldstücken zusammen“, erzählt Wolfgang Dietl aus Strengberg in Österreich. „Die Dokumentation aller ackerbaulichen Maßnahmen kostet viel Zeit.“ Oft war es für den Landwirt nach einem langen Arbeitstag schwer nachzuvollziehen, auf welchem der vielen kleinen Feldstücke er welche Dünge- oder Pflanzenschutzmaßnahme durchgeführt hatte. Wolfgang Dietl war die Zettelwirtschaft leid. Deshalb kam ihm das Angebot von Landwirtskollege Peter Prankl sehr gelegen. Der Tüftler hat gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Andreas sowie Franz Heinzlmaier eine Farm Management Software und digitale Ackerschlagkartei entwickelt. Damit können Landwirte per Smartphone und mobiler App alle Maßnahmen am Feld aufzeichnen.

Die drei Brüder Peter, Andreas und Johann Prankl (v.l.) sowie Franz Heinzlmaier wollen die Zettelwirtschaft im Ackerbau beenden. (Foto: Altmann)

Peter Prankl hatte 2009 den elterlichen Mutterkuh-Betrieb mit knapp 30 ha Fläche übernommen. Schnell kam ihm die Idee, die Dokumentation am Feld zu vereinfachen. „Zu dieser Zeit führte ich immer noch ein Büchlein am Traktor mit, in das ich die jeweiligen Arbeiten eingetragen habe", so der Landwirt. „Aber davon vergisst man auch viel oder man muss ewig suchen.“ Prankl dachte deshalb über die Möglichkeit nach, alle Arbeiten am Handy aufzeichnen zu können.

Der Prototyp ersetzte Bleistift und Papier. Es war bereits möglich, alle Tätigkeiten am Feld und die eingesetzten Betriebsmittel aufzuzeichnen.

Andreas Prankl

So machte sich das interdisziplinäre Team 2014 an die Arbeit. Der Zeitpunkt passte, erinnert sich Andreas Prankl, der zuvor bei IT-Projekten eines Automobilunternehmens gearbeitet hatte: „Als wir mit der Entwicklung der Smartphone-App begannen, hatten bereits 60 % der Landwirte ein Smartphone.“

GPS: Auswertung des Fahrmusters

Nach einer Pionierphase mit einer simplen App tüftelten die vier Unternehmer mit zehn Testbetrieben weiter an der Software. Im März 2016 ging der erste Prototyp als Test an den Markt. „Die App ersetzte Bleistift und Papier“, erzählt Andreas Prankl. „Mit ihr war es bereits möglich, alle Tätigkeiten am Feld und sämtliche eingesetzten Betriebsmittel aufzuzeichnen.“ Aus dem Prototyp entstand bis Juni 2017 die fertige Farmdok-App.

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Die digitale Ackerschlagkartei „Farmdok“ will Landwirten eine Alternative zur Zettelwirtschaft bieten. Was die österreichische App kann. Und noch im Köcher hat.

Der Artikel ist zuerst erschienen in top agrar Österreich 4/2020.

„Unsere 90 ha Acker setzen sich aus rund 70 Feldstücken zusammen“, erzählt Wolfgang Dietl aus Strengberg in Österreich. „Die Dokumentation aller ackerbaulichen Maßnahmen kostet viel Zeit.“ Oft war es für den Landwirt nach einem langen Arbeitstag schwer nachzuvollziehen, auf welchem der vielen kleinen Feldstücke er welche Dünge- oder Pflanzenschutzmaßnahme durchgeführt hatte. Wolfgang Dietl war die Zettelwirtschaft leid. Deshalb kam ihm das Angebot von Landwirtskollege Peter Prankl sehr gelegen. Der Tüftler hat gemeinsam mit seinen Brüdern Johann und Andreas sowie Franz Heinzlmaier eine Farm Management Software und digitale Ackerschlagkartei entwickelt. Damit können Landwirte per Smartphone und mobiler App alle Maßnahmen am Feld aufzeichnen.

Die drei Brüder Peter, Andreas und Johann Prankl (v.l.) sowie Franz Heinzlmaier wollen die Zettelwirtschaft im Ackerbau beenden. (Foto: Altmann)

Peter Prankl hatte 2009 den elterlichen Mutterkuh-Betrieb mit knapp 30 ha Fläche übernommen. Schnell kam ihm die Idee, die Dokumentation am Feld zu vereinfachen. „Zu dieser Zeit führte ich immer noch ein Büchlein am Traktor mit, in das ich die jeweiligen Arbeiten eingetragen habe“, so der Landwirt. „Aber davon vergisst man auch viel oder man muss ewig suchen.“ Prankl dachte deshalb über die Möglichkeit nach, alle Arbeiten am Handy aufzeichnen zu können.

Der Prototyp ersetzte Bleistift und Papier. Es war bereits möglich, alle Tätigkeiten am Feld und die eingesetzten Betriebsmittel aufzuzeichnen.

Andreas Prankl

So machte sich das interdisziplinäre Team 2014 an die Arbeit. Der Zeitpunkt passte, erinnert sich Andreas Prankl, der zuvor bei IT-Projekten eines Automobilunternehmens gearbeitet hatte: „Als wir mit der Entwicklung der Smartphone-App begannen, hatten bereits 60 % der Landwirte ein Smartphone.“

GPS: Auswertung des Fahrmusters

Nach einer Pionierphase mit einer simplen App tüftelten die vier Unternehmer mit zehn Testbetrieben weiter an der Software. Im März 2016 ging der erste Prototyp als Test an den Markt. „Die App ersetzte Bleistift und Papier“, erzählt Andreas Prankl. „Mit ihr war es bereits möglich, alle Tätigkeiten am Feld und sämtliche eingesetzten Betriebsmittel aufzuzeichnen.“ Aus dem Prototyp entstand bis Juni 2017 die fertige Farmdok-App.

Die App organisiert per GPS die Feldarbeit, um Saat, Düngung und Pflanzenschutz zu dokumentieren. Die Daten können über mehrere Jahre hinweg analysiert werden. Zwar gibt es etliche andere Firmen, die Smartphone-Apps anbieten, wie z. B. Farmfacts, Plantivo, 365 Farmnet, Feld 24, Helm etc. Laut Andreas gibt es aber einen Unterschied von Farmdok zu den anderen am Markt erhältlichen Lösungen: „Während andere Lösungen einzelne GPS-Punkte betrachten, erfolgt bei unserer Methode eine automatische Buchung auf Basis der Auswertung des gesamten Fahrmusters. Damit ist unser System robuster als andere.“

Kernumfang Schlagkartei

Die Karten können für alle Flächen einer Kultur generiert werden. Die Zonen werden auf Basis des Biomassewachstums definiert. Nach Auswahl des Düngers und Eingabe der auszubringenden Menge verteilt Farmdok die Menge je Zone automatisch.

Andreas Prankl beschreibt die Funktionen: „Die App zeichnet GPS-Daten auf, ein Algorithmus wertet die Daten aus und gibt Fahrtzeit, Arbeitszeit und die bearbeitete Fläche aus. Weiters zählt sie z. B. automatisch die Fuhren an Dünger bzw. Wirtschaftsdünger und zeigt an, auf wie viel Fläche welche Düngermengen ausgebracht werden.“ Daneben kann laut Prankl die Anbau- und Fruchtfolgeplanung vorgenommen werden.

Auch der Pflanzenschutz lässt sich dokumentieren. Peter Prankl erklärt: „Zuerst schaue ich mir am PC an, welche Mittel beispielsweise für die Unkrautbekämpfung in Mais notwendig sind und plane die Maßnahmen. Danach kaufe ich die Pflanzenschutzmittel und sende die geplanten Arbeiten als Auftrag zum Smartphone. Am Acker angekommen, öffne ich den Auftrag und starte die GPS-Anwendung. Über die App werden bearbeitete Fläche, Arbeitszeit und Gesamtzeit angezeigt und automatisch eine Maßnahme gebucht.“

Kostenrechnung und mehrere Betriebe

Die Premiumversion enthält neben der vollen Schlagkartei auch eine Kostenrechnung für den Betrieb. „Darin pflegen wir die durchschnittlichen Preise, Mittel- und Maschinenkosten ein. Daraus können der Deckungsbeitrag sowie die direktkostenfreie Leistung ermittelt werden“, sagt Andreas Prankl. Diese Version bietet zudem die Möglichkeit, mehrere Betriebe zu bewirtschaften und jedem Mitarbeiter Aufträge zu übermitteln.

Die Software wird laufend weiterentwickelt und verbessert. „Der Pflanzenschutz Live-Check überprüft bei der Buchung einer Pflanzenschutzanwendung Indikation, maximale Aufwandsmenge, Wartezeiten sowie maximale Anzahl an Anwendungen“, sagt Andreas. „Wird eine Regel verletzt, zeigt die App eine Warnung an.“


Die Kosten

Die einfache Farmdok-Version für Einzelnutzer kostet 80 € brutto pro Jahr. Die Premiumfassung liegt bei jährlich 1,49 € je Hektar, Mindestbestellmenge 100 ha (Mindestpreis 149 € je Betrieb). Die Premiumversion kostet 600 € pro Jahr (bis zu 200 ha).