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AgTech: Baustein für die Zukunft der Landwirtschaft free

Innovative Agrartechnik wird die Zukunft der Landwirtschaft beeinflussen, unterstreicht eine Studie aus Irland. Schon heute im Einsatz ist z.B: ein System von "Dairymaster", das die Geschwindigkeit von Melkkarussellen optimiert. (Foto: EnterpriseIreland)

Inwieweit können AgTech-Innovationen helfen, die Landwirtschaft der Zukunft zu gestalten? Wie kann der Landwirt entlastet, Ressourcen geschont und Erträge gesteigert werden? Eine irische Studie gibt Einblicke – auch in die Probleme, die Technologien großflächig zu etablieren.

Fehlende Fachkräfte, alternde Landwirte, mehr Nachfrage nach Lebensmitteln bei gleichzeitiger Ressourcenknappheit und steigende Auflagen im Tier- und Umweltschutz: Die Landwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Ob leistungsstarke Agrartechnik helfen kann, diese zu lösen, untersucht das kürzlich veröffentlichte Whitepaper „Agritech: The Future of Profitable Farming“. Die Studie stammt von Analysten der Unternehmensberatung Frost and Sullivan. Sie wurde von der irischen Organisation zur Wirtschaftsförderung Enterprise Ireland in Auftrag gegeben. Eine These: Die Akzeptanz agrartechnischer Lösungen wird künftig stark zunehmen. Aber wer sie großflächig etablieren will, muss mehrere Hürden überwinden.

Vor diesen Problemen steht die Branche

  • Die Weltbevölkerung wächst. Die Food and Agriculture Organization (FAO) erklärt, dass im Jahr 2050 rund 70% mehr Nahrungsmittel produziert werden müssten. Dem gegenüber stehen begrenzte Ressourcen, die den Druck auf die Agrarindustrie erhöhen.
  • Landwirtschaftlich genutzte Fläche ist umkämpft. Die Studie zitiert Zahlen der Weltbank, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, wonach die landwirtschaftlich genutzte Fläche weltweit gleichbleiben oder eher abnehmen wird. Grund dafür sei die zunehmende Urbanisierung. Die FAO geht davon aus, dass der Anteil der urbanen Fläche von heute 49 % auf 70 % in 2050 steigen wird.
  • Wassermanagement verbessern. Die Erzeugung von Lebensmitteln verbraucht auf der ganzen Welt viel Wasser. Zu viel, wenn es nach den Studienmachern geht. Ein nachhaltiges und effizientes Wassermanagement in der Landwirtschaft sei dringend nötig. 
  • Fehlende Arbeitskräfte: Arbeitskräftemangel werde zunehmend zum Problem, vor allem in entwickelten Ländern wie den USA, Kanada und Großbritannien, so die Studie. Ein Grund sei die Überalterung der vorhandenen Landwirte und Landwirtinnen sowie Nachwuchssorgen und der Fachkräftemangel. 

Diese Lösungen stehen bereit

Ultraschallsensor an Anbaugeräten sind bereits auf dem Markt. Doch nicht jedermanns Sache. (Foto: Wobser)

Die Studie greift Technologien auf, die bereits heute das Leben der Landwirte im Alltag verändern. So werden zum Beispiel Melk- und Futterroboter, präzise Techniken zur Ausbringung von Dünger oder Erntetechnologien vorgestellt, die geerntetes Gras oder Getreide direkt auf ihren Nährwert untersuchen. Aber die Studie präsentiert auch noch nicht großflächig angewandte Technologien der Zukunft als Lösungsbausteine:

  • Eine Schlüsseltechnologie gehe mit der smarten Nutzung von Daten einher, mit deren Hilfe Landwirte und Landwirtinnen die Effizienz ihrer Betriebe steigern könnten. Zugang zu diesen ermöglicht zum Beispiel Farm-Managementsoftware, die Betriebsleitern und Betriebsleiterinnen Entscheidungshilfe bietet. In Kombination z.B. mit Sensoren, die per Halsband oder tragbarem Gerät am Tier befestigt werden, könnten Krankheiten innerhalb des Viehbestands frühzeitig erkannt werden.
  • Sensor- und Satellitendaten ermöglichen die teilflächenspezifische Bearbeitung von Ackerflächen, was wiederum zu Ertragssteigerungen bzw. zur gezielteren Ausbringung von Düngemitteln führen kann. 
  • Auch die Maschinenleistung könne dank Echtzeit-Monitoring genau überwacht und ggf. gesteuert werden. Schäden würden frühzeitig erkannt oder sogar vermieden. 

Was die Praxis ausbremst

Das Ende der Skepsis? free

Schön und gut – die Lösungen sind laut Studienmacher schon weit fortgeschritten. Dennoch stehen einige Hürden im Weg, die die flächendeckende Einführung solcher Technologien ausbremst.

  • Investitionskosten: Gerade Betriebe, denen es wirtschaftlich nicht gut geht, tun sich schwer mit den Investitionskosten, die für neue Technologien aufgebracht werden müssen. 
  • Preisschwankungen: Da Preisschwankungen (von z.B. Futtermitteln) große Auswirkungen auf den gesamten Betrieb haben, bremst diese Unsicherheit zusätzlich die Investitionsbereitschaft, sagt die Studie. Es gibt bereits Möglichkeit sich abzusichern. Doch sind solche Tools ausgerechnet für kleinere und weniger gut dastehende Betriebe unerschwinglich (z.B. Risikomanagementprogramme, Ernteversicherungen, Vorhersagen).
  • Technische Expertise: AgTech-Anbieter sollten benutzerfreundliche Lösungen anbieten und die Zielgruppe der Landwirte so ansprechen, dass sie sofort den Nutzen der Anwendung verstehen. Gegebenenfalls müssen Schulungen und Trainings mit angeboten werden, um die Einstiegshürde niedriger zu setzen.
  • Interpretation von Big Data: Selbst wenn auf dem einzelnen Betrieb bereits Daten gesammelt und analysiert werden, kommt der große Nutzen erst, wenn eine Menge Daten zusammenkommen und betriebsübergreifende Analysen gefahren werden können. Hier besteht großer Handlungsbedarf.
  • Individualisierte Lösungen: Jeder Betrieb ist unterschiedlich. Das sollte in den Anwendungen bedacht werden, die von AgTech-Anbietern erarbeitet werden. Hier bedarf es personalisierte Lösungen, die die jeweils vorherrschenden Rahmenbedingungen miteinbeziehen.

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