Gründerwerkstatt Invest

AgTech: Schneller, kollaborativer und mit viel mehr Geld free

K+S will am Standort Sigmundshall Algen züchten. Dort soll die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und Start-up-Szene gefördert werden. (Foto: Harry Soremski)

Algen statt Kalisalz: K+S hat den Startschuss für den „Innopark“ am Standort Sigmundshall gegeben. Und es wurde diskutiert, was das deutsche AgTech-Ökosystem braucht: neben Geld, Geld und Geld auch noch Offenheit.

Wo früher Mineralien abgebaut wurden, sollen jetzt neue Innovationen gehoben werden: K+S gab beim „Food Frontiers InnoDay“ am vergangenen Donnerstag am Standort Sigmundshall bei Hannover den Startschuss für den Aufbau des „Innoparks“. Dort sollen künftig Partner aus Industrie, Forschung und Start-up-Szene einen Ort finden, an dem sie gemeinsam Ideen für eine Landwirtschaft und Ernährung von Morgen entwickeln können. Bereits heute werden in kleinen Pilotanlagen Mikro- und Makroalgen kultiviert sowie Vertical Farming betrieben. Ziel sei aber, die großen Innovationen zu denken und dem Ökosystem eine Austauschplattform zu bieten.

Algen können wertvolle Proteine, Fettsäuren und Polysaccharide liefern. Im K+S Innopark soll weiter daran geforscht werden. (Fotos: Piepenbrock)

Zu Beginn der Veranstaltung sprachen Dr. Burkhard Lohr, Vorsitzender des Vorstands der K+S Aktiengesellschaft, und Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung über die Herausforderungen des Strukturwandels. Mangelnde digitale Infrastruktur, lange Genehmigungsverfahren, keine ausgeprägte „Fehlerkultur“ und insgesamt zu wenig Tempo bei Innovationsprozessen seien Stolpersteine auf dem Weg zu einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. So sagte Burkhard Lohr: „Nicht die Generierung von Ideen, sondern deren Umsetzung ist das schwierige.“ Minister Althusmann stimmte überein, hob aber auch die starke, niedersächsische Start-up-Szene hervor, deren zehn Start-up-Zentren mit insgesamt 2,4 Mio. € gefördert würden.

Algen und Aquakultur im Innopark

Der Innopark von K+S soll auch das AgTech-Ökosystem stärken.

Dann stellten Prof. Dr. Andreas Gransee und Jan-Michael Dierkes von K+S die Pläne für den Innopark vor. Dort sollen in Zusammenarbeit mit Partnern neue Anbautechnologien entwickelt, neue Ideen für mehr Pflanzengesundheit erdacht und alternative Quellen für Lebens- und Futtermittel erforscht werden. Dafür sollen Labore und Anbauflächen zur Verfügung stehen, darunter auch Indoor- und Aquakultur-Farmen.

K+S sei als „Pflanzenernährer“ prädestiniert, neue und effiziente Düngeformen zu entwickeln und dabei zu helfen, dass der Ackerbau auch in Zeiten des Klimawandels und des Trockenstress erfolgreich bleibe.

Forderung: Mehr Geld durch gemeinsamen Fonds

Von rechts nach links: f3-Redakteurin Eva Piepenbrock diskutierte mit Dr. Julia Köhn, Alexa Hergenröther und Borris Förster über die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Industrie. (Foto: K+S)

Auch in der Podiumsdiskussion am Nachmittag wurde deutlich, dass es eben diese Offenheit und einen kollaborativen Geist braucht, um das deutsche AgTech-Ökosystem als ganzes nach vorn zu bringen. Darüber diskutierten unter der Moderation von f3-Redakteurin Eva Piepenbrock die Pielers-Gründerin Dr. Julia Köhn, AgTech-Experte Borris Förster und die Geschäftsführerin der K+S Minerals and Agriculture GmbH, Alexa Hergenröther.

Es seien Initiativen notwendig, in denen sich mehrere Unternehmen zusammentun, um mit Start-ups zu kooperieren. Denkbar wäre etwa ein großer, gemeinsamer Fonds finanziert von Unternehmen aus der Land- und Ernährungswirtschaft, der AgriFood-Start-ups in der Frühphase fördert, schlug etwa Gründerin Dr. Julia Köhn vor. „In der frühen Phase will ich mich als Start-up doch noch gar nicht an ein einzelnes Unternehmen binden“, so die Gründerin. In der Phase bräuchten Gründerteams Freiheiten und die Chance, auch Fehler machen zu dürfen.

Unternehmen haben oft einen zu großen Kontrolldrang und ersticken Start-up-Ideen damit ungewollt im Keim.

Alexa Hergenröther

Industrievertreterin Alexa Hergenröther stimmte mit der Gründerin überein. Sie sagte: „Unternehmen haben oftmals einen zu großen Kontrolldrang und ersticken Start-up-Ideen damit ungewollt im Keim.“ Hergenröther will mit einer Initiative allerdings nicht auf die Politik warten. Der Innopark kann durchaus als Gesprächsangebot für weitere Partner verstanden werden.

Borris Förster hatte Zahlen parat, die belegen, wie sehr das deutsche AgTech-Ökosystem im internationalen Vergleich der Investitionen hinterherhinkt. „Allein das US-amerikanische Start-up „Indigo Ag“, das eine Plattform zur CO2-Speicherung im Boden aufbauen will, sammelte schon über 609 Mio. Dollar ein. Das ist weit mehr, als deutsche Unternehmen 2018 insgesamt in Deutschland in Start-ups investiert haben.“ So seien auch die 2,4 Mio. € Start-up-Förderung des Landes Niedersachsen lange nicht genug – oder „geradezu lächerlich“.

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