food future Story

Alle Unternehmen auf Grün

Immer mehr Unternehmen aus der Agrar- und Food-Branche stellen sich nachhaltig auf. Beispiele dafür gibt es entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. (Grafik: Christina Helmer)

Sie hält nach, ist von Dauer, für die Zukunft. Sie wird gepriesen, gepredigt und gelebt. Von manchen mehr, von anderen weniger. Sie ist jedenfalls präsenter denn je: Nachhaltigkeit boomt. Auch immer mehr Unternehmen aus der Agrar- und Food-Branche stellen sich nachhaltig auf. Beispiele dafür gibt es entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Dabei unterscheiden sich die Gründe und Motivationen für eine nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens ebenso, wie die Herangehensweisen an das Thema. f3 hat sich die Strategien ausgewählter Unternehmen und die Trends und Treiber genauer angeschaut.

Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

70 % der Verbraucher halten Nachhaltigkeit für wichtig. Das zeigte 2017 die Studie „Sustainability Image Score“ vom Marktforschungsunternehmen „Facit Research“ und „Serviceplan Berlin“. Mit steigender Tendenz beeinflusst Nachhaltigkeit auch das Image von Unternehmen. Ob sich der Verbraucherruf auch im tatsächlichen Kaufverhalten widerspiegelt, bleibt fraglich.

Treiber der Veränderungen

Nachhaltigkeit gilt aber mindestens als Treiber für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Unternehmenssparten. „Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an“, sagt etwa Prof. Dr. Stefanie Bröring, Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement im Agribusiness an der Universität Bonn. „Wenn sich beispielsweise im Bereich Pflanzenproduktion bestimmte politische Einflüsse durchsetzen und chemische Pflanzenschutzmittel nach und nach verboten werden, dann wird sich die gesamte Branche anpassen müssen.“

So können politische Entscheidungen ebenso Treiber für Veränderungen und innovative Entwicklungen sein, wie sich ändernde Konsumentengewohnheiten. Das betrifft derzeit insbesondere den Konsum von Fleisch. Für die eigene Gesundheit, aus Tierwohl- und Klimabedenken oder einfach, weil es Trend ist, verzichten immer mehr Menschen darauf. Vielleicht auch, weil es vermehrt pflanzliche Fleischersatzprodukte auf dem Markt gibt. Hier kann das Angebot erst die Nachfrage schaffen. Jedenfalls stagniert der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch laut Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) in Deutschland.

Für die Zukunft wirtschaften

Hierzulande zeichnet sich der Trend Flexitarismus ab: Fleisch kommt seltener auf den Speiseplan und wird immer öfter durch pflanzliche Alternativen ersetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass neben Start-ups auch etablierte Fleischkonzerne wie Rügenwalder Mühle, Danish Crown und Smithfield Foods ihr Sortiment um Produkte auf Pflanzenbasis erweitern. Sie wollen vom wachsenden Veggiemarkt profitieren. Auch die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, reagiert auf die steigende Nachfrage nicht-tierischer Alternativen. So sicherte sie sich zunächst die Vertriebsrechte in Deutschland für die pflanzlichen Burger-Patties des US-amerikanischen Unternehmens „Beyond Meat“.

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Recycelbare Verpackungen, pflanzliche Fleischalternativen, nachhaltige Lebensmittel oder digitale Systeme für die Vermarktung von Landmaschinen: Immer mehr Unternehmen rüsten sich für die Zukunft und setzen in punkto Nachhaltigkeit auf Start-ups.

Sie hält nach, ist von Dauer, für die Zukunft. Sie wird gepriesen, gepredigt und gelebt. Von manchen mehr, von anderen weniger. Sie ist jedenfalls präsenter denn je: Nachhaltigkeit boomt. Auch immer mehr Unternehmen aus der Agrar- und Food-Branche stellen sich nachhaltig auf. Beispiele dafür gibt es entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller. Dabei unterscheiden sich die Gründe und Motivationen für eine nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens ebenso, wie die Herangehensweisen an das Thema. f3 hat sich die Strategien ausgewählter Unternehmen und die Trends und Treiber genauer angeschaut.

Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

70 % der Verbraucher halten Nachhaltigkeit für wichtig. Das zeigte 2017 die Studie „Sustainability Image Score“ vom Marktforschungsunternehmen „Facit Research“ und „Serviceplan Berlin“. Mit steigender Tendenz beeinflusst Nachhaltigkeit auch das Image von Unternehmen. Ob sich der Verbraucherruf auch im tatsächlichen Kaufverhalten widerspiegelt, bleibt fraglich. Nachhaltigkeit gilt aber mindestens als Treiber für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Unternehmenssparten. „Der ganze Nachhaltigkeitstrend ist ein großes Ding und stößt Veränderungen an“, sagt etwa Prof. Dr. Stefanie Bröring, Professorin für Technologie- und Innovationsmanagement im Agribusiness an der Universität Bonn. „Wenn sich beispielsweise im Bereich Pflanzenproduktion bestimmte politische Einflüsse durchsetzen und chemische Pflanzenschutzmittel nach und nach verboten werden, dann wird sich die gesamte Branche anpassen müssen.“

Treiber der Veränderungen

So können politische Entscheidungen ebenso Treiber für Veränderungen und innovative Entwicklungen sein, wie sich ändernde Konsumentengewohnheiten. Das betrifft derzeit insbesondere den Konsum von Fleisch. Für die eigene Gesundheit, aus Tierwohl- und Klimabedenken oder einfach, weil es Trend ist, verzichten immer mehr Menschen darauf. Vielleicht auch, weil es vermehrt pflanzliche Fleischersatzprodukte auf dem Markt gibt. Hier kann das Angebot erst die Nachfrage schaffen. Jedenfalls stagniert der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch laut Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) in Deutschland.

Hierzulande zeichnet sich der Trend Flexitarismus ab: Fleisch kommt seltener auf den Speiseplan und wird immer öfter durch pflanzliche Alternativen ersetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass neben Start-ups auch etablierte Fleischkonzerne wie Rügenwalder Mühle, Danish Crown und Smithfield Foods ihr Sortiment um Produkte auf Pflanzenbasis erweitern. Sie wollen vom wachsenden Veggiemarkt profitieren. Auch die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, reagiert auf die steigende Nachfrage nicht-tierischer Alternativen. So sicherte sie sich zunächst die Vertriebsrechte in Deutschland für die pflanzlichen Burger-Patties des US-amerikanischen Unternehmens „Beyond Meat“.

Für die Zukunft wirtschaften

Ende dieses Jahres startet PHW in Deutschland mit dem Vertrieb von veganem Flüssigei, Anfang des kommenden Jahres mit dem Vertrieb eines milchfreien Mozzarellas auf Mandelbasis. Der Wiesenhof-Mutterkonzern investierte außerdem in das israelische FoodTech-Start-up „Supermeat“, das Fleisch künstlich im Labor erzeugen will. Ebenso beteiligte sich das Unternehmen an „Enterra Feed Corporation“, einem kanadischen Start-up, das Insektenproteine als Alternative zu Soja im Geflügelfutter herstellen will.

Burger-Patties und Flüssig-Ei auf Pflanzenbasis: Die PHW-Gruppe investiert in Start-ups aus den USA (Fotos: Beyond Meat, JUST Inc.)

Mit den Investitionen will sich das Unternehmen in Zukunft nicht mehr „nur“ als Fleischlieferant, sondern als Anbieter alternativer Proteinquellen aufstellen. Das bestätigt Marcus Keitzer, Mitglied im PHW-Vorstand, gegenüber f3: „Unsere Aufgabe als Lebensmittelhersteller ist es, für den Verbraucher viele verschiedene und überzeugende Angebote zu schaffen. Wir sehen das Wachstum des pflanzenbasierten Lebensmittelsektors nicht als Bedrohung für unser Kerngeschäftsfeld, sondern als Chance.“

Ökonomische Interessen

Dabei stehen ökonomische Interessen im Vordergrund. Ob sie sich auch ökologisch auszahlen, ist aktuell noch nicht einzuschätzen. Es wird sich erst noch zeigen, ob zum Beispiel In-vitro-Fleisch gesünder für den Menschen ist und auch ressourcenschonender hergestellt werden kann. Wissenschaftler der britischen Oxford University stellten in einem Klimacheck infrage, dass In-vitro-Fleisch eine bessere Klimabilanz aufweise als herkömmliches Rindfleisch. Auch das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik untersuchte den ökologischen Fußabdruck von pflanzlichen Proteinen wie Soja oder Lupine, Biomasse aus Algen, aus Insekten und Pilzen.

Beim Entwickeln neuer Geschäftsmodelle haben Start-ups mit ihrer Innovationskraft und frischen Ideen gegenüber den Etablierten einen Vorteil.

Prof. Dr. Stefanie Bröring

Es verglich den Energie-, Land- und Wasserverbrauch sowie das „Global Warming Potential“ in Relation zu ihrem Nährwert und kam zu dem Ergebnis, dass in ihrem derzeitigen Entwicklungsstand noch keine der Proteinquellen wettbewerbsfähig mit der Herstellung von Hühnerfleisch sei. Und dennoch investieren die traditionellen Fleisch- und Geflügelunter-
nehmen zu Recht in Technologien und Start-ups, die diese Entwicklungen vorantreiben. Denn nur durch Anpassungen an sich wandelnde Konsumentengewohnheiten und Verbraucherwünsche haben sie eine Chance, auch in Zukunft erfolgreich zu wirtschaften.

Über den eigenen Branchenrand blicken

Um Trends frühzeitig aufspüren zu können, setzen Unternehmen in allen Bereichen des Agrar- und Food-Business auf die Zusammenarbeit mit Entrepreneuren. So sucht etwa der Chemiekonzern Evonik für seinen Bereich „Animal Nutrition“ Start-ups, die das bestehende Geschäft gut ergänzen. „Wir suchen zukunftsweisende Technologien oder innovative Geschäftsmodelle“, sagt Dr. Mark Redshaw, Investment Director bei Evonik Venture Capital zu f3. Evonik investierte kürzlich in das niederländische Start-up „In Ovo“, das mit der Massenspektroskopie eine Methode zur frühzeitigen Geschlechtsbestimmung im Ei entwickelt hat.

Dass sich mithilfe von Investitionen in Start-ups auch neue Märkte jenseits der eigenen Branche eröffnen können, zeigt der Süßwarenhersteller Katjes. Mit der Schwestergesellschaft „Katjesgreenfoods“ investiert die Gruppe in Start-ups, die nachhaltige und pflanzenbasierte Lebensmittel herstellen. Der Fokus liegt dabei ganz bewusst außerhalb des Süßwarenmarktes, was zu einem breiten Produkt- und Markenportfolio führt. Etablierte Unternehmen können auf diese Weise von Start-ups profitieren. Das sagt auch Prof. Dr. Stefanie Bröring: „Beim Entwickeln neuer Geschäftsmodelle haben Start-ups mit ihrer Innovationskraft und frischen Ideen gegenüber den Etablierten einen Vorteil.“

Start-ups als Horchposten am Markt

Das funktioniert auch im Technikbereich. So schuf die Grimme-Gruppe mit der „Schmiede.ONE“ einen „Horchposten“ im eigenen Haus, um Technologien und Märkte abseits des Kerngeschäfts zu suchen. „Wir konnten bereits über ein Dutzend Software-Lösungen für Grimme, aber auch für andere Kunden aus der Land- und Baumaschinenbranche entwickeln. Unsere Produkte sind beispielsweise bei der Vermarktung oder Bewertung von Gebrauchtmaschinen im Einsatz“, erklärt Alexander Langer, Geschäftsführer der Schmiede.ONE.

Die Schmiede.One wurde als Horchposten, unter anderem für die GRIMME Gruppe, gegründet. (Foto: stock.adobe.com/photoschmidt)

Ein anderes Beispiel ist das „Seedhouse“ in Osnabrück. Es versteht sich als Accelerator, der regionale Unternehmen und Start-ups aus dem Agrar- und Food-Bereich zusammenbringt. Die derzeit 28 etablierten Unternehmen sind in einer Beteiligungsgesellschaft organisiert, können in Start-ups investieren und sie durch Mentoring unterstützen. Auf diese Weise kommen viele Ideen in die Region und stärken sie nachhaltig, beschreibt das Seedhouse seinen Ansatz. Durch die lebendige Start-up-Szene steige die Attraktivität der ganzen Umgebung – auch für Fachkräfte, die dringend gebraucht werden.

Nicht alles ist gut und grün

Entwicklungs- und Innovationsprozesse an Start-ups „auszugliedern“ macht für AgTech-Experte und Leiter Digital Innovation & Venturing bei „eccelerate“, Borris Förster, Sinn. Er sagt: „Diverse Versuche etablierter Unternehmen, Innovationen und neue Produkte, die nicht ihren Kernkompetenzen entsprechen, in den Markt zu bringen und erfolgreich zu etablieren, sind gescheitert. Oder sie hängen auch nach Jahren noch am finanziellen Tropf der Muttergesellschaft.“

Die Unternehmen denken Innovation wie in klassischen Produktentwicklungsprozessen, und nicht in Experimenten. Scheitern ist keine eingeplante Option in den meisten Unternehmen

Borris Förster

Das Problem sei die Gefangenschaft in den eigenen Konzernprozessen: „Die Unternehmen denken Innovation wie in klassischen Produktentwicklungsprozessen, und nicht in Experimenten. Scheitern ist keine eingeplante Option in den meisten Unternehmen“. Dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Start-ups nicht immer zufriedenstellend ist, bekräftigt eine kürzlich erschienene Studie der Boston Consulting Group. Demnach sind nur 45 % der Start-ups und 55 % der Großkonzerne mit der Zusammenarbeit zufrieden.

Ohne die Großen geht es nicht

Für beide Seiten gilt es abzuklären, worauf die Zusammenarbeit ausgelegt ist und was erwartet wird. So testete McDonalds kürzlich das „Bee-Paper Basic“ des schwäbischen Start-ups „Apomore“ als Verpackung für ihre Burger. Dabei handelt es sich um ein nachhaltiges Graspapier, welches durch eine spezielle Veredelung fettdicht ist. Apomore-Gründer Daniel Birkhofer erzählt: „Für uns war es zunächst keine leichte Entscheidung, beim Experiment von McDonalds mitzumachen. Wir leben zu 100 % vom Thema Nachhaltigkeit. Wenn dann ein solcher Konzern auf uns zukommt, dann gibt es sicherlich Kunden, die uns das negativ auslegen würden.“

McDonalds testete in einem Live- Experiment zehn Tage lang nachhaltige Verpackungen. (Grafik: Christina Helmer).

Schlussendlich muss jedes Start-up selbst entscheiden, ob es eine solche Kooperation eingeht. Daniel Birkhofer kam zu dem Schluss: „Ich habe in vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen herausgefunden, dass sie das Thema Nachhaltigkeit ernst nehmen und sich nicht einfach nur ein grünes Mäntelchen umlegen wollen.“ Im „Better M Store“ in Berlin führte McDonalds zehn Tage lang ein Live-Experiment mit alternativen Verpackungen durch. So wurden unter anderem Strohhalme aus Papier, Ketchup aus Waffeln und Löffel aus Holz von Mitarbeitern und Gästen getestet.

Grüner Anstrich reicht nicht

„Wir konnten Verpackungsalternativen im Restaurantalltag testen, Gäste zu ihren Wünschen befragen und erste Erkenntnisse bekommen, was sich eventuell in Zukunft eignet, um es in die große Breite zu überführen“, sagt eine Sprecherin von McDonalds. Die Ergebnisse werden intern ausgewertet. Ob sich das „Bee-Paper“ von Apomore für einen Einsatz in allen Filialen eignet, steht nicht fest.

Was fest steht: Durch recycelbare Verpackungen, die Erweiterung des Sortiments um pflanzliche Fleischersatzprodukte oder die Entwicklung von digitalen Software-Lösungen allein ist sicherlich noch kein Unternehmen nachhaltig. Die Unternehmensbeispiele zeigen Ansätze für eine nachhaltige Ausrichtung – im ökologischen oder ökonomischen Sinne. Wie glaubhaft an einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie gearbeitet wird, kann schlussendlich nicht bewertet werden. Fest steht allerdings auch: Kleine Schritte in Richtung Nachhaltigkeit sind besser als keine. Denn ohne die etablierten Unternehmen wird es keinen Wandel geben.