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Alte Praxis neu bezahlt?

Die Wetterextreme der vergangenen zwei Jahre mit den dazugehörigen Dürreperioden haben den Klimawandel angezeigt. Wenn Landwirte weiter stabile Ernten einfahren wollen, führt kein Weg an einer veränderten Bewirtschaftung ihrer Ackerböden vorbei. Denn nur ein gesunder Boden kann dem Klimawandel trotzen. Foto: Pexels / Markus Spiske

„Regenerative Landwirtschaft" rückt den bodenfördernden Ackerbau in den Mittelpunkt. Doch vieles, was Böden für den Klimawandel rüstet, gehört zur langjährigen Tradition guter Landwirtschaft. Die Investitionen in die „Gemeinwohlleistung gesunder Boden“ sollten endlich honoriert werden.

Prof. Dr. Katharina Helming, Prof. Dr. sc. agr., Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

Der Klimawandel kommt. Dürreperioden und Starkniederschläge treten häufiger auf und in vielen Regionen Deutschlands verschieben sich die Niederschläge in den Winter, sodass zur Vegetationszeit weniger Wasser zur Verfügung steht. Je größer die Ausschläge zwischen Trockenperioden und Starkniederschlägen sind, umso wichtiger ist die Speicherfähigkeit der Böden, damit Niederschlagswasser aufgenommen, Oberflächenabfluss und Erosion vermieden werden kann. Nur so kann das Wasser im System gehalten und langsam an die Pflanzenwurzeln abgegeben werden.

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„Regenerative Landwirtschaft“ rückt den bodenfördernden Ackerbau in den Mittelpunkt. Doch vieles, was Böden für den Klimawandel rüstet, gehört zur langjährigen Tradition guter Landwirtschaft. Die Investitionen in die „Gemeinwohlleistung gesunder Boden“ sollten endlich honoriert werden.

Prof. Dr. Katharina Helming, Prof. Dr. sc. agr., Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

Der Klimawandel kommt. Dürreperioden und Starkniederschläge treten häufiger auf und in vielen Regionen Deutschlands verschieben sich die Niederschläge in den Winter, sodass zur Vegetationszeit weniger Wasser zur Verfügung steht. Je größer die Ausschläge zwischen Trockenperioden und Starkniederschlägen sind, umso wichtiger ist die Speicherfähigkeit der Böden, damit Niederschlagswasser aufgenommen, Oberflächenabfluss und Erosion vermieden werden kann. Nur so kann das Wasser im System gehalten und langsam an die Pflanzenwurzeln abgegeben werden.

Das Porensystem kann das Wasser gegen die Schwerkraft halten. Es ist Speichermedium für Nährstoffe und Lebensraum für Mikroorganismen, die den Stoffumsatz vorantreiben und die Bodennährstoffe pflanzenverfügbar machen. Organische Substanz (Humus) belebt und stabilisiert das Porensystem. Deshalb kommt angesichts des Klimawandels gerade dem aktiven Aufbau und der Pflege der humusreichen Bodenstruktur eine besondere Bedeutung zu.

Nischen als Perspektive

Eine möglichst ganzjährige Bodenbedeckung, bodenschonende Bearbeitung und vielfältige Fruchtfolgen sind die wichtigsten Maßnahmen für einen bodenfördernden Ackerbau. Die Fruchtartenwahl sollte sowohl humusfördernde Kulturen (Leguminosen) enthalten wie auch solche mit verzweigten und insbesondere tiefreichenden Wurzelsystemen. Sie bringen Nährstoffe und Organische Substanz in den Unterboden und nutzen das pflanzenverfügbare Bodenvolumen.

Eine ganzjährige Bodenbedeckung, bodenschonende Bearbeitung und vielfältige Fruchtfolgen sind die wichtigsten Maßnahmen für einen bodenfördernden Ackerbau.

Prof. Helming

Hier kann uns der Klimawandel sogar entgegenkommen, da sich die Anbaugrenzen wie z. B. bei Soja oder Lupine nach Norden verschieben. Neue Absatzwege eröffnen ebenfalls neue Möglichkeiten der Fruchtfolgeerweiterung. So bietet z. B. Hanf, der  zunehmende Beliebtheit in der Kosmetik und Ernährung erfährt, eine bodenfördernde und unkrautregulierende Abwechslung in der Fruchtfolge. Nischen entdecken und Vermarktung diversifizieren ist daher ein Eckpfeiler der bodenfördernden Bewirtschaftung.

Die Maßnahmen sollten aber an den Schlaggrenzen nicht Halt machen. Vielfältig strukturierte Landschaften, Schlagformen, die dem Landschaftsrelief angepasst sind, und Hecken oder Baumreihen fördern das Mikroklima. Sie tragen zum Schutz gegen Wasser- und Winderosion bei und haben verdunstungshemmende Wirkung.

Präzisionsarbeit gefragt

Ob Apps, Roboter oder Drohnen, die Digitalisierung nimmt in der Landwirtschaft immer weiter zu. Foto: Adobe Stock

Das Schlagwort der Regenerativen Landwirtschaft stellt den bodenfördernden Ackerbau ins Zentrum und deckt viele der genannten Praktiken ab. Sie gehören zur langjährigen Tradition einer guten Landwirtschaft, verlangen aber in der Praxis auch einiges an Können, da die Umsetzung stets gute Standortkenntnisse und Erfahrungen voraussetzt.

Moderne Verfahren der digitalisierten Landwirtschaft helfen hier zunehmend. Mittels neuer Sensoren werden Daten erhoben und mit Computermodellen in Entscheidungsunterstützungssysteme überführt. Sie machen Vorschläge zur Fruchtarten- und Sortenwahl und ermöglichen an den jeweiligen Boden- bzw. Pflanzenzustand angepasste Applikationen.

Das praktische Erfahrungswissen der Landwirte kann so mit wissenschaftlichen Daten unterfüttert und vertieft werden. Zwar sind diese Systeme überwiegend noch in der Entwicklung, aber eine enge Kooperation zwischen Praxis und Forschung kann hier zügig hilfreiche Lösungen voranbringen.

Die Verbesserung der Bodenqualität ist ein langsamer Prozess und damit eher eine Zukunftsinvestition als ein kurzfristiger Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg.

Prof. Helming

Honorar noch offen

Eines allerdings ist unveränderbar: Die Verbesserung der Bodenqualität ist ein langsamer Prozess und damit eher eine Zukunftsinvestition als ein kurzfristiger Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Gleichzeitig erfüllt ein gesunder Boden aber vielfältige Funktionen, die als sogenannte Gemeinwohlleistungen der ganzen Gesellschaft zugute kommen.

Klimaschutz, Hochwasserschutz, Habitat für Biodiversität sind nur einige davon. Die Honorierung dieser Gemeinwohlleistungen sollte in der Novellierung der Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik prominenter berücksichtigt werden und bietet auch Möglichkeiten für marktbasierte Lösungen. Verbraucher, Politik und Praxis müssen so gemeinsam dazu beitragen, dass die Böden und damit ganze Landschaften fit für den Klimawandel werden.


Digitales f3-Scheunengespräch zum Thema „Regenerative Landwirtschaft“

Zu diesem Thema bringen wir wieder Menschen zusammen, mit deren Hilfe wir zu Beginn die drängendsten Fragen zur ackerbaulichen Praxis beantworten. Danach teilen wir uns auf digitale „Einzelräume“ auf, in denen die Zuschauer und Zuschauerinnen ihre Fragen persönlich stellen können. Seid dabei beim neu konzipierten Netzwerk-Event von f3 am 28. Oktober ab 18 Uhr.

Das digitale Scheunengespräch wurde vollkommen neu konzipiert: Nach einer moderierten Talkrunde folgenden mehrere 5-Minuten-Pitches aus Gründer- und aus Landwirtssicht. Im Anschluss teilen sich die Zuhörer auf verschiedene Räume auf. Dort können sie selbst aktiv werden und mit den Pitchenden auf Augenhöhe weiterdiskutieren, ihre Fragen stellen und neue Kontakte knüpfen.

Hier geht es zur Anmeldung.