digital farm Story

Amazon für Hühnerhalter

Ein Webshop, der 150.000 € im Monat mit Eierschachteln umsetzt? Den hat Meik Klose aufgebaut. (Foto: pexels.com)

Eierkartons, Hühnerfutter und was Hobbyzüchter sonst so brauchen, verkauft Meik Klose auf „eierschachteln.de“. 2008 war er noch Vorreiter beim Internethandel. Heute weiß er, worauf seine Kunden achten. Eine lohnende Nische.

"Ich hätte nie gedacht, dass jemand Eierschachteln im Internet kaufen würde.“ Das sagt der heute 28-jährige Online-Unternehmer Meik Klose, der seit seinem 18. Lebensjahr genau das tut: Er verkauft Eierschachteln im Netz. Leere Schachteln wohlgemerkt – ohne Eier drin. Und das erfolgreich.

Meik Klose hat einen Web-Shop "in der Nische" etabliert. (Foto: Piepenbrock)

Monatlich versendet der Landwirtssohn aus Nümbrecht bei Köln im Schnitt 4000 Pakete an Hobbyhalter und Direktvermarkter. Damit setzt er im Monat rund 150.000 € um. Das macht einen Durchschnittsbestellwert von weniger als 40€. Sein Internetshop "eierschachteln.de" hat sich zu so etwas wie das Amazon für Hühnerhalter gemausert.

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Eierkartons, Hühnerfutter und was Hobbyzüchter sonst so brauchen, verkauft Meik Klose auf „eierschachteln.de“. 2008 war er noch Vorreiter beim Internethandel. Heute weiß er, worauf seine Kunden achten. Eine lohnende Nische.

„Ich hätte nie gedacht, dass jemand Eierschachteln im Internet kaufen würde.“ Das sagt der heute 28-jährige Online-Unternehmer Meik Klose, der seit seinem 18. Lebensjahr genau das tut: Er verkauft Eierschachteln via Web-Shop. Leere Schachteln wohlgemerkt – ohne Eier drin. Und das erfolgreich.

Meik Klose hat einen Web-Shop „in der Nische“ etabliert. (Foto: Piepenbrock)

Monatlich versendet der Landwirtssohn aus Nümbrecht bei Köln im Schnitt 4000 Pakete an Hobbyhalter und Direktvermarkter. Damit setzt er im Monat rund 150.000 € um. Das macht einen Durchschnittsbestellwert von weniger als 40€. Sein Internetshop „eierschachteln.de“ hat sich zu so etwas wie das Amazon für Hühnerhalter gemausert.

Idee aus Eigenbedarf

Alles fing im Jahr 2008 damit an, dass er selbst sein erster eigener Kunde wurde. „Ich habe zu Hause ein paar Ökowachteln gehalten, deren Eier mir der örtliche Supermarkt abnehmen wollte“, erzählt Meik, dessen Eltern einen Biohof mit rund 2500 Hühnern bewirtschaften. „Ich brauchte aber noch passende Eierkartons.“ Im Internet fand der damals 18-jährige Abiturient auch welche. Allerdings viel zu viele.

Noch vor ein paar Jahren haben die Kunden eine Woche auf die Ware gewartet und waren glücklich. Heute rufen sie nach zwei Tagen an und fragen, wo ihre Bestellung bleibt.

Meik Klose, Gründer von eierschachteln.de
Im Webshop finden sich mittlerweile nicht mehr nur Kartons. Das Sortiment wurde extrem erweitert.

„Die Mindestabnahmemenge waren vier Paletten, also 15.000 Verpackungen für über 90.000 Eier“, erinnert er sich. Aber egal – er brauchte die Schachteln, um seine Wachteleier zu vermarkten. Meik bestellte die Paletten und lagerte die übrigen Kartons auf dem elterlichen Hühnerbetrieb. Kurz danach nahmen ihm Bekannte kleine Mengen Schachteln für den Eigenbedarf ab. Meik wurde klar, dass alle Hobbyhalter das Problem mit den Mindestabnahmemengen haben.

Erste Kunden über eBay

Das galt auch für Hühnerfutter, das es nur als Siloware zu kaufen gab. Unpraktisch für Hobbyzüchter, die nur wenige Tiere zu versorgen haben. „Spaßeshalber habe ich etwas Futter bei meinen Eltern abgezapft und es in kleineren Portionen bei eBay angeboten.“ Auch damit gewann er erste Kunden.

Als die Nachfrage stieg, meldete sich der Landwirtssohn bei einem kostenlosen Online-Shop an. Der war schlicht gehalten und bot auch keinerlei Service. Das wäre heute nicht mehr möglich. „Noch vor ein paar Jahren haben die Kunden eine Woche auf die Ware gewartet und waren glücklich. Heute rufen sie nach spätestens zwei Tagen an und fragen, wo ihre Bestellung bleibt.“

Dann: der Webshop in Vollzeit

Meik Klose betreibt sein Online-Angebot nun bereits im zehnten Jahr. Am Anfang geschah das „so nebenher“. Selbst als er 2011/2012 ein Jahr im Ausland verbrachte, lief der Shop am Rande weiter. Damals stieg sein heutiger Geschäftspartner Daniel Debus ins Geschäft ein. Er war Büroleiter auf dem Betrieb von Meiks Eltern und packte in Meiks Abwesenheit die Pakete.

Auch als der Ideengeber nach dem Auslandsjahr nach Würzburg zog, um Onlinemarketing zu studieren, war das nicht das Ende der Geschäftsidee. „Daniel packte die Kartons, ich hab von Würzburg aus den Kundenservice geregelt.“ Den elterlichen Hof wollte Meik übrigens nie übernehmen.

Seit 2014 betreiben die Gründer den Web-Shop in Vollzeit. 15 Mitarbeiter sind angestellt.

Im Jahr 2014 wurde der Webshop dann zur Vollzeitaufgabe ernannt. Meik gab sein Studium auf. „Ich hatte mit dem Shop was angefangen“, sagt er, „das wollte ich weiter nach vorn bringen.“ Zu diesem Zeitpunkt war er 24 Jahre alt und verhandelte mit Lieferanten in Frankreich, pflegte die Beziehungen zu einer wachsenden Kundschaft, die auch persönliche Beratung fordert, und war dafür verantwortlich, Mitarbeiter zu rekrutieren.

Gleichzeitig Ahnung von Geflügel und Design zu haben, ist selten

Insgesamt beschäftigen Meik und Daniel heute 15 Mitarbeiter, sechs davon im Lager. Das findet sich seit einigen Jahren nicht mehr auf dem elterlichen Betrieb, sondern in einer ehemals leer stehenden Lagerhalle in Nümbrecht. „Mein Vater sagte irgendwann, dass er die Scheune ja nicht für uns gebaut hätte“, schmunzelt Meik.

Mein Vater sagte irgendwann, dass er die Scheune ja nicht für uns gebaut habe.

Meik Klose

Die Mitarbeitersuche gestaltet sich teilweise schwierig: „Es ist selten, dass jemand gleichzeitig Ahnung von Geflügel und von Design hat.“ Seit drei Jahren bietet das Start-up nämlich die Gestaltung von Werbematerialien und Eierschachtel- Etiketten mit an. „50% unserer Kunden sind Direktvermarkter, die Kartons kaufen. Dazu brauchen sie das passende Etikett“, erklärt Meik. „Dabei fällt vielen dann auf, dass sie gar kein Logo haben.“ Das Amazon für Hühnerhalter beinhaltet also eine eigene kleine Werbeagentur.

Eine kluge Erweiterung des Geschäftsmodells: eierschachteln.de übernimmt nun auch die Gestaltung der Etiketten, inkl. Logo des Direktvermarkters. (Foto: Piepenbrock)

Heute können Internetnutzer fast alles im Netz kaufen. Selbst Lebensmittel erobern den Markt. Doch Meik Klose hat die Entwicklung des Internethandels in den vergangenen zehn Jahren durch seinen eigenen wachsenden Kundenservice live miterlebt. „Ich hab mir damals die Domain gesichert, etwas Zeit investiert und es einfach ausprobiert. Es gab noch kein Widerrufsrecht und man konnte seinen eBay-Shop noch Angela Merkel nennen, wenn man wollte“, erinnert er sich.

Ihr könnt Geld in die Hand nehmen und das nächste Zalando aus dem Boden stampfen. Oder ihr fangt klein an und findet eure Nische.

Meik Klose

Heute erwarten die Kunden laut Geschäftsführer im Internet dieselbe Servicequalität wie im Einzelhandel. Und zwar kostenlos. „Wir verkaufen Nischenprodukte für eine Nischenzielgruppe, die Beratung erwartet. Dadurch sind wir den Kunden extrem nah – nicht wie andere Online-Plattformen wie Amazon.“

4000 Pakete werden pro Monat aus Nümbrecht verschickt. Beratung inklusive. (Foto: Piepenbrock)

Gründung dank Betrieb im Rücken

Wie funktioniert Werbung für die Nische? Paywall

Er ist froh, dass er erst nach und nach investieren musste. Vor allem durch den elterlichen Geflügelbetrieb hatte er früh logistische Möglichkeiten: Die erste Palette Schachteln hätten seine Eltern aufbrauchen können. Er durfte ihr Lager nutzen, das Futter abzwacken und sogar ihren Mitarbeiter abwerben. Ihn kostete sein erster Shop eigentlich nur Zeit.

Die heutige Version des Webshops spielt in einer anderen Liga. Die Entwicklungskosten dafür dürften inklusive Personal- und Agenturkosten bei rund 100.000 € liegen. Daher legt Meik den Gründern von heute nahe, kleine Schritte zu machen.

„Ihr könnt Geld in die Hand nehmen und das nächste Zalando aus dem Boden stampfen. Oder ihr fangt klein an und findet eure Nische.“