digital farm Story

App-gesichert

Stabile Milchpreise dank börslicher Milchpreissicherung - das möchten die Kuhdo-Gründer den deutschen Milcherzeugern mit einer Web-App näherbringen. (Grafik: Christina Helmer)

Im unberechenbaren Milchmarkt lockt ausgerechnet die Börse mit Planungssicherheit. Das Kieler Start-up "Kuhdo" unterstützt Landwirte bei der Milchpreissicherung über den Warenterminmarkt – und hat dabei nicht weniger im Sinn, als ein neues Marktverständnis zu etablieren.

Bis 2007 war die (Milch-)Welt in Ordnung. Abgesehen von saisonalen Schwankungen konnten die Milcherzeuger mit einem Milchpreis um die 30 ct/l planen. Seit 2007 ist das vorbei: Die Preisausschläge am Milchmarkt erreichen ungewohnte Höhen und Tiefen (siehe unten: „Der Milchmarkt im Wandel“). Drei Milchpreiskrisen gab es allein in den vergangenen zehn Jahren. Das, was in anderen Agrarbereichen längst Alltag ist, erreichte auch die Milcherzeuger: die Launen des freien Marktes.

Frederik Karnath und Jonathan Weingang haben die Web-App "Kuhdo" entwickelt. (Foto: Schildmann)

„Besser wird es nicht“, sagt Frederik Karnath. „Eher im Gegenteil: Hoch- und Tiefpreisphasen kommen in immer kürzeren Abständen.“ Frederik Karnath, gelernter Industriekaufmann und studierter Agrarier, will die Landwirte gegen die Launen des Marktes wappnen. Gemeinsam mit Studienkollege Jonathan Weingang entwickelte er „Kuhdo“ - eine Web-App, die die börsliche Milchpreissicherung praxisnah begleitet. Denn, da sind sich die beiden Kuhdo-Gründer und Geschäftsführer sicher, privates Risikomanagement wird für Milcherzeuger immer wichtiger. Der Wissensstand über die Börse ist bei eben diesen allerdings noch gering. Während Weizen, Mais und Raps schon seit langem an europäischen Warenterminbörsen gehandelt werden, ist der Terminhandel mit Milch eine vergleichsweise neue Entwicklung. Und nicht gerade selbsterklärend.

Absichern statt spekulieren

Grundsätzlich geht es bei der börslichen Milchpreissicherung darum, sich zum aktuellen Zeitpunkt ein Milchpreisniveau bis maximal 18 Monate in die Zukunft zu sichern. Der Handel an der Börse – genauer: an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig – läuft dabei als reines Finanzgeschäft ab. Es werden nur Verkaufs- und Einkaufspreise für einen bestimmten Zeitpunkt abgesichert. Die Milch wird weiterhin an die Molkerei geliefert (mehr zur Funktionsweise des Warenterminmarktes gibt es hier).

Es geht nicht ums Zocken. Nicht der höchste Milchpreis ist das Ziel, sondern ein stabiler.

Frederik Karnath

Gerade für Wachstumsbetriebe sei dies wichtig, erklärt Jonathan. „Wer Pachtland und Darlehen bedienen und seine Mitarbeiter entlohnen muss, braucht verlässliche Einnahmen. Der Milchpreis allein reicht dafür nicht mehr aus.“ Frederik ergänzt: „Es geht nicht ums Zocken. Nicht der höchste Milchpreis ist das Ziel, sondern ein stabiler.“ Was in der Theorie schon kompliziert anmutet, ist für die Landwirte auch in der Praxis zeitaufwendig. Marktinformationen müssen eingeholt, priorisiert und mit der eigenen Betriebs- sowie Kostenstruktur abstimmt werden. Und das kontinuierlich, denn Warentermingeschäfte sind mehr Dauerlauf als Sprint.

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Im unberechenbaren Milchmarkt lockt ausgerechnet die Börse mit Planungssicherheit. Das Kieler Start-up „KUHdo“ unterstützt Landwirte bei der Milchpreissicherung über den Warenterminmarkt – und hat dabei nicht weniger im Sinn, als ein neues Marktverständnis zu etablieren.

Bis 2007 war die (Milch-)Welt in Ordnung. Abgesehen von saisonalen Schwankungen konnten die Milcherzeuger mit einem Milchpreis um die 30 ct/kg planen. Seit 2007 ist das vorbei: Die Preisausschläge am Milchmarkt erreichen ungewohnte Höhen und Tiefen (siehe unten: „Der Milchmarkt im Wandel“). Drei Milchpreiskrisen gab es allein in den vergangenen zehn Jahren. Das, was in anderen Agrarbereichen längst Alltag ist, erreichte auch die Milcherzeuger: die Launen des freien Marktes.

Frederik Karnath und Jonathan Weingang haben die Web-App „Kuhdo“ entwickelt. (Foto: Schildmann)

„Besser wird es nicht“, sagt Frederik Karnath. „Eher im Gegenteil: Hoch- und Tiefpreisphasen kommen in immer kürzeren Abständen.“ Frederik Karnath, gelernter Industriekaufmann und studierter Agrarier, will die Landwirte gegen die Launen des Marktes wappnen. Gemeinsam mit Studienkollege Jonathan Weingang entwickelte er „Kuhdo“ – eine Web-App, die die börsliche Milchpreissicherung praxisnah begleitet. Denn, da sind sich die beiden Kuhdo-Gründer und Geschäftsführer sicher, betriebliches Risikomanagement wird für Milcherzeuger immer wichtiger. Der Wissensstand über die Börse ist bei eben diesen allerdings noch gering. Während Weizen, Mais und Raps schon seit langem an europäischen Warenterminbörsen gehandelt werden, ist der Terminhandel mit Milch eine vergleichsweise neue Entwicklung. Und nicht gerade selbsterklärend.

Absichern statt spekulieren

Grundsätzlich geht es bei der börslichen Milchpreissicherung darum, sich zum aktuellen Zeitpunkt ein Milchpreisniveau bis maximal 18 Monate in die Zukunft zu sichern. Der Handel an der Börse – genauer: an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig – läuft dabei als reines Finanzgeschäft ab. Es werden nur Verkaufs- und Einkaufspreise für einen bestimmten Zeitpunkt abgesichert. Die Milch wird weiterhin an die Molkerei geliefert (mehr zur Funktionsweise des Warenterminmarktes gibt es hier).

Es geht nicht ums Zocken. Nicht der höchste Milchpreis ist das Ziel, sondern ein stabiler.

Frederik Karnath

Gerade für Wachstumsbetriebe ist dies wichtig, erklärt Jonathan. „Wer Pachtland und Darlehen bedienen und seine Mitarbeiter entlohnen muss, braucht verlässliche Einnahmen. Der schwankende Milchpreis allein reicht für die notwendige Stabilität nicht mehr aus.“ Frederik ergänzt: „Es geht nicht ums Zocken. Nicht der höchste Milchpreis ist das Ziel, sondern ein stabiler.“ Was in der Theorie schon kompliziert anmutet, ist für die Landwirte auch in der Praxis zeitaufwendig. Marktinformationen müssen eingeholt, priorisiert und mit der eigenen Betriebs- sowie Kostenstruktur abstimmt werden. Und das kontinuierlich, denn Warentermingeschäfte sind mehr Dauerlauf als Sprint.

Die Accelerator-App

Hier kommt Kuhdo ins Spiel. Die App verknüpft die aktuellen Entwicklungen am Warentermin- und Milchmarkt mit den individuellen Betriebs- und Kostendaten. „Die Landwirte können auf einen Blick sehen, ob sich eine Absicherung für ihren Betrieb gerade lohnt“, beschreibt Jonathan die Idee hinter Kuhdo. Dazu müssen einmalig die Betriebsdaten und in geringem Maß auch die Kostenstruktur hinterlegt werden. Neben Kuhanzahl, Fettgehalt, Molkereizugehörigkeit und verkaufter Milchmenge sind das Daten wie Vollkosten, Nebenerlöse, Faktorkosten und die Cash-Schwelle. „Eigentlich hat der Betriebsleiter alle Daten zur Hand“, sagt Jonathan. Für den Fall, dass dennoch Fragezeichen aufploppen, haben die Kuhdo-Gründer die App mit einer Vielzahl an Infotexten gefüttert.

Alles auf einen Blick. Kuhdo macht’s möglich. (Foto: Schildmann)

Kuhdo verknüpft die eingepflegten Daten 15-minütlich mit den aktuellen Börsenkursen des Milchterminmarktes. Aufgedröselt in einem Diagramm bekommt der Landwirt eine Entscheidungshilfe an die Hand: Wenn ich jetzt zu Zeitpunkt x einen Teil meiner Milch absichere, komme ich dann über die Cash-Schwelle und meine Liquidität ist gesichert? Oder sind sogar meine Vollkosten gedeckt? Der Absicherungsprozess an sich ändert sich durch Kuhdo nicht. Diesen führt weiterhin ein Broker im Auftrag des Landwirts aus.

Wer Pachtland und Darlehen bedienen und seine Mitarbeiter entlohnen muss, braucht verlässliche Einnahmen. Der Milchpreis allein reicht für die notwendige Stabilität nicht mehr aus.

Jonathan Weingang

Und die Kuhdo-Jungs haben noch mehr im Sinn: Ähnlich einem Start-up-Accelerator, der die Marktreife neuer Geschäftsideen beschleunigt, wollen sie ein neues Selbstverständnis von Preisabsicherung bei den Milchviehhaltern vorantreiben. Dabei haben sie nicht nur die Landwirte als Zielgruppe im Visier. Doch von Beginn an.

Den richtigen Riecher

Mit ihrer App beackern die Kieler Gründer ein Themenfeld, das in Wissenschaft und Praxis derzeit enormen Aufwind erhält. So empfiehlt das Thünen-Institut den deutschen Milchhaltern in einer aktuellen Studie, von der börslichen Milchpreisabsicherung zunehmend Gebrauch zu machen. Durch die Einführung eines Flüssigmilch-Futures an der EEX im August 2018 ist die Milchpreisabsicherung zudem für kleinere Betriebe zugänglicher geworden. Zuvor konnte Milch nur indirekt über eine Kombination aus Butter und Magermilchpulver abgesichert werden. Die Hürden waren nicht nur durch die umständliche Umrechnung höher. Eine Mindestgröße von umgerechnet etwa 100 000 kg Milch erschwerte den Zugang gerade für kleinere Betriebe. Der neue Flüssigmilch-Future ist mit einer Größe von 25 000 kg deutlich kleiner. Passend zu diesen Entwicklungen ging Anfang 2019 die Kuhdo-App nach knapp zweijähriger Entwicklungsphase live.

Der Gründer-Spürsinn der Jungs fusst dabei auf einem handfesten Realitätsschock: Zur Studienvorbereitung jobbte Frederik auf einem Milchviehbetrieb. Gerade in großem Stil in neue Ställe investiert, schlitterte dieser direkt in die erste Milchpreiskrise. „Das hat mich, der ich nicht aus der Landwirtschaft komme, total schockiert“, berichtet Frederik. „Das der keine Planungssicherheit hatte für sein riesen Investment.“

Von anderen lernen

Als 2015 die Absicherung von Milch an der EEX möglich wurde, sah Frederik die Chance der Milchbauern gekommen. Auf der Suche nach Erfahrungswerten verschlug es ihn 2015 in die USA. Dort ist die börsliche Milchpreisabsicherung schon seit 20 Jahren möglich – und gehört selbst bei kleineren Betrieben zum Risikomangament dazu. „An solch einem Selbstverständnis fehlt es in Deutschland“, beschreibt Frederik eine Erkenntnis seines USA-Aufenthaltes. Die andere: Erfahrungswerte und Kenntnisstand wachsen nicht über Nacht. „Wenn wir die Milchpreisabsicherung auch in Deutschland anschieben wollen, brauchen wir eine Vereinfachung und Beschleunigung.“

Die Kuhdo-Idee war geboren – und konkretisierte sich erstmals in Frederiks prämierter Bachelor-Arbeit. Auf Excel-Basis entwickelte er ein Preissicherungstool für den Milchmarkt. Gemeinsam mit Jonathan dachte er die Idee weiter: Wie wäre es, aus dem Tool ein Geschäftsmodell zu entwickeln? Eine App, mit Hilfe derer sich die Milchbauern ein Stück weit von alten Abhängigkeiten emanzipieren können? Mit einem Konzept aber ohne ausreichende Informatik-Skills in der Tasche, zogen die beiden auf die Suche nach einem Programmierer, der das Excel-Tool in eine Web-App umbaut. Fündig wurden sie in Arne Bartelt, gelernter Fachinformatiker und Informatikstudent. Parallel zur Personalsuche stürzten sich Frederik und Jonathan in den Dokumentendjungel und bewarben sich auf das Existenzgründungsprogramm EXIST. Im August 2017 war es dann soweit: Mit der einjährigen Exist-Förderung konnte die Umsetzung von Kuhdo beginnen.

Unsere App leistet einen wichtigen Beitrag, Transparenz im Milchmarkt zu schaffen.

Jonathan Weingang

Mittlerweile ist mit Webentwickler Eduard Malyj der vierten Kopf im Kuhdo-Boot und auch die Finanzierung nach Auslaufen des EXIST-Programms ist gesichert: Seit August 2018 wird Kuhdo für zwei Jahren von der Landwirtschaftlichen Rentenbank und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Programm „dip Agrar“ gefördert. Im Anschluss der Förderung soll sich die Web-App selbst tragen. Mit mehr als 500 aktiven Nutzern kalkulieren die Gründer. Aktuell kostet die Kuhdo-Nutzung monatlich 12,50 €, wobei die ersten drei Monate kostenlos sind. Ob sie diesen Preis auch nach Auslaufen der Förderung halten können, ist noch offen.

Black Box öffne dich

Neben dem monetären Ziel – von ihrer Idee in absehbarer Zeit leben zu können – verfolgen die Kuhdo-Jungs noch eine andere Mission. „Unsere App leistet einen wichtigen Beitrag, Transparenz im Milchmarkt zu schaffen“, erklärt Jonathan nicht frei von Idealismus. Was er damit meint, ist Folgendes: Wenn Milcherzeuger ihre Milch abliefern, wissen sie in der Regel nicht, was ihre Milch zum Zeitpunkt der Lieferung „wert“ ist. Die Preisermittlung erfolgt rückwirkend, denn sie bemisst sich am Verkaufspreis der verarbeiteten Milchprodukte. Für die Landwirte bedeutet das zweierlei: Eine intransparente Preisbildung ebenso wie eine eingeschränkte Reaktionsfähigkeit auf sich wandelnde Marktsituationen. Preisermittlung in einer statischen Black Box quasi.

Raus aus der Black Box! Die Kuhdo-Gründer wollen Durchblick in den Milchmarkt bringen. (Foto: Schildmann)

Mit der Absicherung von Milch an der EEX gibt es nun ein Instrument, sich von dieser Black Box ein Stück weit zu emanzipieren. Auch dabei unterstützt Kuhdo. „Wir wollen den Landwirten aber auch ganz grundsätzlich ein Gefühl für den Markt vermitteln und ihr Basiswissen in Sachen Milchpreisbildung stärken“, erläutert Jonathan. Dafür liefert Kuhdo seinen Nutzern einmal wöchentlich ein Update zu aktuellen Entwicklungen des Milchmarktes. Die Börsenmilchwerte stammen vom Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (ife). Exklusiv bietet die App darüber hinaus einen wöchentlichen Marktausblick, den das Start-up vom ife-Insitut kauft.

Wir wollen den Landwirten ganz grundsätzlich ein Gefühl für den Markt vermitteln und ihr Basiswissen in Sachen Milchpreisbildung stärken.

Jonathan Weingang

Frei verfügbar, allerdings kaum bekannt und auf englisch, ist der Milk Market Observatory der EU-Kommission. Kuhdo übersetzt diese Informationen für seine Nutzer. Just angelaufen sind zudem Schulungen und individuelle Coachings für Landwirte – auch in Kooperation mit dem ife-Institut.

Ein Tool für einen Markt

So funktioniert der Warenterminmarkt

Das Kieler Start-up hat aber nicht nur die Landwirte als Zielgruppe im Visier. „Wir glauben, dass zukünftig mehr Molkereien Festpreise anbieten werden“, richtet Frederik den Blick auf einen weiteren Akteur im Markt. „Und die müssen bei der Abwicklung von Festpreismodellen relativ schnell und digital mit ihren Erzeugern kommunizieren. “Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben oftmals aber keine eigenen Mitgliederportale. „Da läuft die Kommunikation mit den Erzeugern teils noch per Papierzettel am Tankwagen“, ergänzt Jonathan. Genau für diese Molkereien hält Kuhdo eine Lösung parat. „Die Molkereien brauchen ein digitales Portal, wollen oftmals aber nicht selbst in die Programmierung investieren“, so der Gründer. „Wir liefern ihnen eine blanko-Lösung als Lizenzmodell.“ Derzeit bieten zwei deutsche Mokereien Festpreise an. Eine der beiden – die Osterhusumer Meierei aus Witzwort – nutzt für die Mitgliederkommunikations und Festpreisabwicklung die Kommunikationsplattform des Kieler Start-ups.

Und wenn es nach den Kuhdo-Gründern geht, ist hier noch lange nicht Schluss. In den kommenden zwei Jahren wollen sie die App Schritt für Schritt erweitern. Die Börsenposition soll integriert, die Defintion der Cash-Schwelle individueller gestaltet werden. Langfristig haben die Kuhdo-Gründer aber auch den Futtermitteleinkauf im Blick: „Wenn ich meinen Milchpreis absichere, gleichzeitig aber der Futterpreis durch die Decke schießt, dann geht die Rechnung nicht mehr auf“, erklärt Frederik und umreißt die Kuhdo-Vision: Ein Tool für einen Markt, mit dem sowohl die größten Positionen auf Einkaufsseite, als auch die Verkaufsseite fest gemacht werden können.


Milchmarkt im Wandel

In der Vergangenheit war der europäische Milchmarkt quasi abgeschottet. Entwicklungen am Weltmarkt waren dank hoher Importzölle und Exportsubventionen weit weg, die Milchmenge war durch die Quote begrenzt. Im Zuge der Liberalisierung der Milchmarktordnung wurden die Sicherungs- und Abschottungsmaßnahmen sukzessive zurückgefahren – mit allen Vor- und Nachteilen. So ist die internationale Nachfrage extrem angestiegen, schwankt jedoch in Abhängigkeit der Wirtschaftslage großer Importländer. Auch politische Ereignisse wirken auf den Milchmarkt ein, wie die aktuelle Brexit-Diskussion eindrucksvoll zeigt. Wo wirtschaftliche und politische Großwetterlagen die Nachfrageseite beeinflussen, steigt und fällt das Angebot hingegen mit den zunehmenden reelen Wetterextremen.
Dieser launenhafte Milchmarkt trifft nun auf eine Landwirtschaft, die Mitten im Strukturwandel steckt. „Wachse oder weiche“ gibt als Leitsatz vielerorts den Ton an. Um bestehen zu können, investieren die Betriebe: in Fläche, Gebäude, Arbeitskraft. Mit den Betrieben wächst so auch der Einsatz fremder Faktoren und die Notwendigkeit, Einnahmen verlässlich zu planen. Womit wir wieder beim Warenterminmarkt wären.