farm food Story

Auf die Süßkartoffel gekommen

Bis vor kurzem war Simon van der Veer noch Lehrer. Nun will er sich voll auf Süßkartoffeln und weitere innovative Nischenprodukte konzentrieren. (Foto: Müller)

Seit vier Jahren bauen zwei Schweizer Landwirte Süßkartoffeln an. Nicht nur der Anbau an sich ist eine Herausforderung. Auch Ernte und Lagerung erfordern Geschick. Und wer weiß, wann sich der Süßkartoffel-Boom dem Ende zuneigt?

Dieser Beitrag erschien zuerst im Schweizer LANDfreund, Ausgabe 11/2018.

2014 pflanzten die Schweizer Simon van der Veer und Christian Hurni die ersten Süsskartoffeln in die Seeländer-Erde. Obwohl es die Knolle gerne warm hat - optimale Wachstumsbedingungen herrschen bei einer Temperatur von 24 °C - fühlt sie sich offentsichtlich auch in der kühleren Schweiz wohl. Mittlerweile haben die Schweizer Süßkartoffeln unter der Marke Batati GmbH den Sprung in die Ladenregale geschafft. 13 Produzenten bauen für van der Veer und Hurni Süsskartoffeln an.

Das ist beim Anbau wichtig

Süsskartoffeln sind keine Nachtschattengewächse wie unsere herkömmlichen Kartoffeln, sondern gehören zu den Windengewächsen. Je mehr Sonne und Wärme, umso besser gedeihen sie. Trotz Klimawandel und Temperaturanstieg ist der Anbau allerdings risikoreich. «Es läuft nicht immer wie diesen Sommer, wo die grössten Knollen bis zu 2 kg schwer waren», sagt van der Veer. Der Pflanzzeitpunkt ist entscheidend. Kälte und Frost verträgt die Kultur nicht. «Nicht vor den Eisheiligen pflanzen, so ist man einigermassen vor Frost sicher», sagt van der Veer.

Der heiße Sommer kam den Süßkartoffelanbau dieses Jahr sehr entgegen. Bis zu zwei Kilo schwer waren die größten Knollen. (Fotos: van der Veer)

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Seit vier Jahren bauen zwei Schweizer Landwirte Süßkartoffeln an. Nicht nur der Anbau an sich ist eine Herausforderung. Auch Ernte und Lagerung erfordern Geschick. Und wer weiß, wann sich der Süßkartoffel-Boom dem Ende zuneigt?

Dieser Beitrag erschien zuerst im Schweizer LANDfreund, Ausgabe 11/2018.

2014 pflanzten die Schweizer Simon van der Veer und Christian Hurni die ersten Süsskartoffeln in die Seeländer-Erde. Obwohl es die Knolle gerne warm hat – optimale Wachstumsbedingungen herrschen bei einer Temperatur von 24°C – fühlt sie sich offensichtlich auch in der kühleren Schweiz wohl. Mittlerweile haben die Schweizer Süßkartoffeln es unter der Marke Batati GmbH  in die Ladenregale geschafft. 13 Produzenten bauen für van der Veer und Hurni Süßkartoffeln an.

Das ist beim Anbau wichtig

Süsskartoffeln sind keine Nachtschattengewächse wie unsere herkömmlichen Kartoffeln, sondern gehören zu den Windengewächsen. Je mehr Sonne und Wärme, umso besser gedeihen sie. Trotz Klimawandel und Temperaturanstieg ist der Anbau allerdings risikoreich. „Es läuft nicht immer wie diesen Sommer, wo die größten Knollen bis zu 2 kg schwer waren“, sagt van der Veer. Der Pflanzzeitpunkt ist entscheidend. Kälte und Frost verträgt die Kultur nicht. „Nicht vor den Eisheiligen pflanzen, so ist man einigermaßen vor Frost sicher“, sagt der Landwirt.

Der heiße Sommer kam den Süßkartoffelanbau dieses Jahr sehr entgegen. Bis zu zwei Kilo schwer waren die größten Knollen. (Fotos: van der Veer)

Zudem empfiehlt van der Veer, zertifiziertes Pflanzgut zu nutzen: „Es ist zwar teuer, aber auf die 18 wichtigsten Viren geprüft – und das zählt.“ Sei das Feld einmal verseucht, sei ein Anbau auf Jahre hinaus verunmöglicht. Der größte Feind der Süßkartoffeln sind Drahtwürmer. Wenn möglich sollten Landwirte deshalb eine gebeizte Zwischenkultur säen.

Hacken, hacken, hacken

Insektizide und Fungizide verwendet die Batati GmbH keine. Gegen Unkräuter verwenden die Produzenten einmal das Herbizid Centium sofort nach der Pflanzung. Ansonsten ist Handarbeit angesagt. Herkömmliche Hackgeräte funktionieren kaum, da die Ranken der Süßkartoffeln flach über den Boden wachsen. Die Erdbewegungen der Hackgeräte würden die Ausläufer oder die ganze Pflanze überdecken.

Pflanzen, hacken, ernten: Beim Süßkartoffelanbau ist noch viel Handarbeit gefragt. (Fotos: van der Veer, Malpezzi)

Eine moderate Düngung mit Stickstoff, Kalium und wenig Phosphor zur Pflanzung ist sinnvoll. Die Pflanzen holen sich aber viele Nährstoffe selbst. Beim Bewässern ist der Landwirt sparsam. „Wasser wirkt immer auch kühlend. Das vertragen die Süßkartoffeln nicht.“ Wichtig ist das Angießen nach der Pflanzung. Im Sommer muss situativ entschieden werden, ob es Wasser braucht.

Wichtig ist, dass Schweizer Süßkartoffeln qualitativ einwandfrei beim Kunden ankommen. Nur so können wir uns gegen die Importkonkurrenz behaupten.

Simon van der Veer

Die Ernte beginnt im September. Mindestens fünf bis sieben Tage vor der Ernte muss das Kraut mechanisch  vernichtet werden. Für die Ernte hat die Batati GmbH einen Roder angeschafft, der die Süßkartoffeln schonend aus dem Boden hebt. Der Traktorspur folgen die Erntehelfer. Sie reißen die Stauden von den Knollen, lesen die Knollen von Hand zusammen und nehmen eine erste Sortierung vor.

Innovation nicht um jeden Preis

Aufwendig ist die Lagerung: Ungefähr zehn Tage bleiben die Knollen in einem Zwischenlager bei tropischen Temperaturen (30°C, 85% Luftfeuchtigkeit). Dabei wird die Reststärke in Zucker umgewandelt und die Schale fertig ausgebildet. Dann geht’s ab ins zweite Zwischenlager (12  bis 15°C). Im Anschluss werden die Süßkartoffeln gewaschen und via Terralog und GES an den Einzelhandel geliefert. „Wichtig ist, dass Schweizer Süßkartoffeln qualitativ einwandfrei den Konsumenten zur Verfügung stehen, denn nur so können wir uns gegen die Importkonkurrenz behaupten“, hält van der Veer fest. 

Funktioniert es nicht, sollte man sich auch von lieb gewonnenen Ideen so rasch wie möglich verabschieden und etwas Neues ausprobieren.

Simon van der Veer
Unter Algen free

Simon van der Veer und Christian Hurni verfolgen die Marktentwicklung aufmerksam. An Ideen für neue Nischenprodukte fehlt es den Jungunternehmern nicht. „Ich orientiere mich immer an den drei Aspekten: Produktion, Aufbereitung und Vermarktung“, erklärt van der Veer. Klappe es bei einem der drei nicht, mache es keinen Sinn, an einer Innovation festzuhalten.

„Wir wollten beispielsweise Buchweizen für die Salatkörnerproduktion herstellen. Produktion und Vermarktung hatten wir in Griff. Was nicht zufriedenstellend funktionierte, war die Aufbereitung.“ Jede seiner Ideen testet der Landwirt drei Jahre lang. „Funktioniert es nicht, sollte man sich auch von lieb gewonnenen Ideen so rasch wie möglich verabschieden und etwas Neues ausprobieren“, rät van der Veer.