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Aus Sch**** Gold machen?

Die Abgabe von Gülle kann in manchen Regionen für den Landwirt teuer werden. Die Aufbereitung oder Weiterverarbeitung bietet Chancen, die Kosten zu senken. (Foto: shutterstock/ NUM LPPHOTO)

Dämmung, Pferdefutter, Wasser – Wer hätte gedacht, dass sich all das aus Gülle herstellen lässt? Doch gerade in Regionen mit Nährstoffüberschüssen entwickeln Landwirte und etablierte Unternehmen Lösungen. Not macht erfinderisch.

Gülleabgabepreise von über 15 €/m3 zwingen Landwirte und Biogasbetreiber in Regionen mit Nährstoffüberschüssen dazu, sich nach Alternativen fernab der Separation oder des Exportes umzuschauen. Im deutschsprachigen Raum bieten Entwickler bereits Gülleaufbereitungsanlagen an. Die Techniken sind schon länger in den Niederlanden und Teilen Belgiens im Einsatz. Die Unternehmen investieren viel Geld und melden auch Patente an - ein Durchbruch steht noch bevor. Denn in der Regel sind die Techniken erst bei höheren Gülleabgabepreisen in Regionen wie dem Münsterland oder im Raum Weser-Ems für den Landwirt oder Biogasbetreiber rentabel. Machbarkeitsstudien zu den einzelnen Verfahren sind rar gesät.

In den Aufbereitungsanlagen entstehen die unterschiedlichsten Produkte aus Gülle oder Gärrest. f3 stellt eine Auswahl vor: Das kann Phosphatsalz für die chemische Industrie sein oder Pelletdünger für den Hobbygärtner von nebenan. Bei den meisten Techniken steht zu Beginn die Separation des Ausgangsmaterials an. Im Anschluss folgt ein bunter Strauß an Verarbeitungsschritten über Trocknungsanlagen, Techniken mit Umkehrosmose oder Verbrennungs-anlagen.

Für die Chemiker

Phosphor, Ammonium, Schwefel und Kalium – all diese chemischen Stoffe stecken in der Gülle. Dabei nicht zu unterschätzen: Teilweise sind die Stoffe in der chemischen Industrie gefragt. Aufbereitungsanlagen zersetzen Gülle oder Gärreste daher in ihre Bestandteile und machen sie wieder nutzbar. Entwickelt hat eine solche Technik etwa das Unternehmen „Geltz Umwelttechologie“. Deren Anlage bedient sich der sog. Phosphatfällung und der sog. Ammoniakstrippung. Am Ende kommt ein Phosphatsalz und Ammoniumsulfatlösung (ASL) dabei heraus. Phosphatsalz findet sich unter anderem in Korrosionsschutzmitteln wieder. ASL dient in der chemischen Industrie etwa zur Herstellung von Feuerlöschpulver.

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Dämmung, Pferdefutter, Wasser – Wer hätte gedacht, dass sich all das aus Gülle herstellen lässt? Doch gerade in Regionen mit Nährstoffüberschüssen entwickeln Landwirte und etablierte Unternehmen Lösungen. Not macht erfinderisch.

Gülleabgabepreise von über 15 €/m3 zwingen Landwirte und Biogasbetreiber in Regionen mit Nährstoffüberschüssen dazu, sich nach Alternativen fernab der Separation oder des Exportes umzuschauen. Im deutschsprachigen Raum bieten Entwickler bereits Gülleaufbereitungsanlagen an. Die Techniken sind schon länger in den Niederlanden und Teilen Belgiens im Einsatz. Die Unternehmen investieren viel Geld und melden auch Patente an. Auch das BMEL fördert Umwelttechnologien im Bereich der Gülleaufbereitung.

In den Aufbereitungsanlagen entstehen die unterschiedlichsten Produkte aus Gülle oder Gärrest. f3 stellt eine Auswahl vor: Das kann Phosphatsalz für die chemische Industrie sein oder Pelletdünger für den Hobbygärtner von nebenan. Bei den meisten Techniken steht zu Beginn die Separation des Ausgangsmaterials an. Im Anschluss folgt ein bunter Strauß an Verarbeitungsschritten über Trocknungsanlagen, Techniken mit Umkehrosmose oder Verbrennungsanlagen.

Für die Chemiker

Phosphor, Ammonium, Schwefel und Kalium – all diese chemischen Stoffe stecken in der Gülle. Dabei nicht zu unterschätzen: Teilweise sind die Stoffe in der chemischen Industrie gefragt. Aufbereitungsanlagen zersetzen Gülle oder Gärreste daher in ihre Bestandteile und machen sie wieder nutzbar. Entwickelt hat eine solche Technik etwa das Unternehmen „Geltz Umwelttechologie“. Deren Anlage bedient sich der sog. Phosphatfällung und der sog. Ammoniakstrippung. Am Ende kommt ein Phosphatsalz und Ammoniumsulfatlösung (ASL) dabei heraus. Phosphatsalz findet sich unter anderem in Korrosionsschutzmitteln wieder. ASL dient in der chemischen Industrie etwa zur Herstellung von Feuerlöschpulver.

Mit dem Aufbau einer eigenen Marke für Pelletdünger, können Landwirte bei Gärtnern punkten. (Foto: stock.adobe/ Mauro Rodrigues)

Pelletdünger für Kleingärtner

Auch einige Landwirte greifen das Thema Gülleverarbeitung auf. Sie gewinnen aus Gülle Pelletdünger. Der Biogasbetreiber „Falter Naturdünger GmbH“ beispielsweise trocknet seine Gärreste mit einer extra dafür entwickelten Anlage. Die Wärme kommt von der hofeigenen Biogasanlage. Mithilfe eines speziellen Pelletierers erhält er einen Naturdünger, den er an Hobbygärtner vertreibt.

Pflanzenkohle: vielfältig einsetzbar

Pflanzenkohle, auch als Bio-Kohle bezeichnet, entsteht durch Verkohlung organischer Ausgangsmaterialien. Dieser Technik bedienen sich z. B. „VTA-Service“ und „BioEcoSIM“. Die separierte Gülle oder Gärsubstrate werden in den Anlagen verbrannt – Pflanzenkohle entsteht. Sie hat verschiedene Einsatzgebiete: In der Schweine- und Pferdefütterung werden ihr ernährungsphysiologische Eigenschaften nachgesagt. Außerdem soll sie als Bodenverbesserer dienen und kann mit anderen Stoffen zu Dämmmaterialien verarbeitet werden.Die separierte Gülle oder Gärsubstrate werden in den Anlagen verbrannt – Pflanzenkohle entsteht.

Mineraldünger für den Acker

Durch die Verkohlung von separierter und aufbereiteter Gülle kann Pflanzenkohle gewonnen werden. (Foto: stock.adobe/ alex alex)

Dünger ist gleich Dünger? Falsch gedacht. So kann die Gülle mittels Aufbereitung zu Mineraldünger verarbeitet werden. So gewinnt beispielsweise die Verdampfungsanlage „Vapogant“ und die Aufbereitungsanlage der „Geltz Umwelttechnologie“ ASL. Dies kann der Landwirt wieder auf seinen Flächen ausbringen. ASL wird im Nährstoffvergleich nicht als organischer Dünger bewertet.

Sauberes Wasser aus Gülle?

Faszinierend, aber machbar: Einige Techniken zur Gülleaufbereitung ermöglichen es, Wasser in einer Qualitätsgüte herzustellen, das dem von Kläranlagen entspricht. Dies ist z. B. bei der Verdampfungsanlage „Vapogant“ und der Aufbereitungsanlage der „Geltz Umwelttechnologie“ möglich. Bei anderen Techniken, wie „Bluetector“ oder „BioEcoSIM“ erhält der Betreiber Wasser, das noch Spuren von Stickstoff oder Kalium enthält. Daher eignet es sich zum Beispiel zur Stallreinigung.