farm Perspektivwechsel

Außen hui – innen hui: Agrararchitektur

Agrar-Architektur kann mehr als nur funktional sein. Das zeigen diese Beispiele von Stallbauten. (Foto: milokeller.com)

Diese Ställe bestechen durch besonderes Design. Sie zeigen, dass sich Ästhetik und Funktionalität nicht automatisch ausschließen. Darüber forscht Angelika Dauermann an der HS Osnabrück: Architektur als Kommunikationsmedium.

Angelika Dauermann (Foto: Piepenbrock)

"Die Funktion steht an erster Stelle. Aber die Ästhetik sollte nicht komplett hintenüber fallen.“ Das sagt Angelika Dauermann, die sich an der HS Osnabrück mit Agrar-Architektur beschäftigt. Sie will dafür sensibilisieren, dass ein Gebäude Werte widerspiegelt und ein Marketinginstrument ist. „Man schließt von der Verpackung immer auf den Inhalt.“

Man schließt von der Verpackung immer auf den Inhalt.

Angelika Dauermann

Nicht jeder Landwirt könne zwar ab jetzt solche Ställe bauen. Aber: „Schon Kleinigkeiten machen viel aus. Drei Kirschbäume in der Einfahrt oder Holz statt grauem Kunststoff.“ Landwirte sollten ihre Ställe nicht mit hohen Hecken umpflanzen. „Das wirkt sonst, als hätten sie etwas zu verstecken.“

Stallbau inspirierend modern

Kuhstall bei Lignières, Schweiz. Von Local Architecture.ch, Fotograf: Milo Keller

Dieser Stall beherbergt 30 Milchkühe. Der Auftrag lautete, einen zeitgenössischen Stall zu errichten, der sich als moderne Interpretation der regional typischen Bauart lesen lässt. Der Bau sollte nur minimale Erdarbeiten erfordern und das Budget, das sonst für Ställe dieser Größe eingeplant wird, durfte nicht überschritten werden. Es wurde eine positive Außenwirkung angestrebt, die Assoziationen wie Authentizität, Qualität und Respekt vor der Natur wecken.

Baustoffe aus der Umgebung

Kuhstall bei Basel, Schweiz. Von F.A.B. – Forschungs- und Architekturbüro, Fotograf: Christian Baur und Serge Hasenböhler, Basel

Der Betrieb des auftraggebenden Landwirts sollte wachsen – dafür wurde ein Stallneubau nötig. In der hügeligen Region sollte sich das Gebäude aber harmonisch in die natürliche Umgebung einfügen. Außerdem sollten Baustoffe verwendet werden, die sich auch in der Landschaft wiederfinden. Nicht zuletzt sollte ein Gebäude entstehen, das zwar eine eigene architektonische Präsenz besitzt, aber dennoch den industriellen Charakter von Landwirtschaft widerspiegelt.

Kühe in der Kathedrale

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

Diese Ställe bestechen durch besonderes Design. Sie zeigen, dass sich Ästhetik und Funktionalität nicht automatisch ausschließen. Darüber forscht Angelika Dauermann an der HS Osnabrück: Architektur als Kommunikationsmedium.

Angelika Dauermann (Foto: Piepenbrock)

„Die Funktion steht an erster Stelle. Aber die Ästhetik sollte nicht komplett hintenüber fallen.“ Das sagt Angelika Dauermann, die sich an der HS Osnabrück mit Agrar-Architektur beschäftigt. Sie will dafür sensibilisieren, dass ein Gebäude Werte widerspiegelt und ein Marketinginstrument ist. „Man schließt von der Verpackung immer auf den Inhalt.“

Man schließt von der Verpackung immer auf den Inhalt.

Angelika Dauermann

Nicht jeder Landwirt könne zwar ab jetzt solche Ställe bauen. Aber: „Schon Kleinigkeiten machen viel aus. Drei Kirschbäume in der Einfahrt oder Holz statt grauem Kunststoff.“ Landwirte sollten ihre Ställe nicht mit hohen Hecken umpflanzen. „Das wirkt sonst, als hätten sie etwas zu verstecken.“

Stallbau inspirierend modern

Kuhstall bei Lignières, Schweiz. Von Local Architecture.ch, Fotograf: Milo Keller

Dieser Stall beherbergt 30 Milchkühe. Der Auftrag lautete, einen zeitgenössischen Stall zu errichten, der sich als moderne Interpretation der regional typischen Bauart lesen lässt. Der Bau sollte nur minimale Erdarbeiten erfordern und das Budget, das sonst für Ställe dieser Größe eingeplant wird, durfte nicht überschritten werden. Es wurde eine positive Außenwirkung angestrebt, die Assoziationen wie Authentizität, Qualität und Respekt vor der Natur wecken.

Baustoffe aus der Umgebung

Kuhstall bei Basel, Schweiz. Von F.A.B. – Forschungs- und Architekturbüro, Fotograf: Christian Baur und Serge Hasenböhler, Basel

Der Betrieb des auftraggebenden Landwirts sollte wachsen – dafür wurde ein Stallneubau nötig. In der hügeligen Region sollte sich das Gebäude aber harmonisch in die natürliche Umgebung einfügen. Außerdem sollten Baustoffe verwendet werden, die sich auch in der Landschaft wiederfinden. Nicht zuletzt sollte ein Gebäude entstehen, das zwar eine eigene architektonische Präsenz besitzt, aber dennoch den industriellen Charakter von Landwirtschaft widerspiegelt.

Kühe in der Kathedrale

Kuhstall bei Thankirchen, Deutschland. Von Florian Nagler Architekten, Fotograf: Florian Nagler

Man fühlt sich fast wie im Mittelschiff einer Kathedrale: Diese dreischiffige Konstruktion aus dem Jahr 2007 aus sägerauem Vollholz bringt die unterschiedlichen Funktionsbereiche im Stall – Liegebereich, Fressbereich, Durchfahrt mit Futtertisch – in jeweils einem eigenen „Schiff“ unter. Das für die Agrararchitektur verwendete Tannenholz stammt aus dem eigenen Wald der Bauherren. Eine durchgehende Aussparung im Dachfirst bringt einen „Kamin­effekt“, der für frische Luft sorgt.

Beim Entwurf geblieben

Geplante Halle bei Basel, Schweiz. Von F.A.B. – Forschungs- und Architekturbüro, Nicht realisiert – Aufnahme ist Computergrafik

Die modern gestaltete Maschinenhalle wurde nie realisiert, fügt sich aber harmonisch in das Gesamtkonstrukt des Hofes ein. Naturmaterialien und Holz sollten modern und luftig aufgebaut werden. So wirkt die Halle nicht klobig, sondern zeitgenössisch. Vorhandene Winkel von Dachschrägen und Fluchten wurden beachtet, um das Zusammenspiel der Gebäude harmonisch abzubilden.

Vom Landbau-Kulturpreis

Hofstelle der Familie Stiegler aus Gonnersdorf, die im vergangenen Jahr den Landbaukulturpreis gewann. (Foto: Deutscher Landbaukultur-Preis)

Bei einem Großbrand 2014 war die Hofstelle der Familie Stiegler mit den historischen Gebäuden mitten in Gonnersdorf, einem kleinen Dorf in Mittelfranken, fast völlig zerstört worden. Nur die alte markante Schmiede aus Sandstein blieb stehen. Für Landwirt Fritz Stiegler und seine Dürschinger Architekten eine Herausforderung. Der Wiederaufbau des landestypischen Dreiseitenhofes sei aufs Vortrefflichste gelungen, befand die Jury des Deutschen Landbaukulturpreises. Ein hervorragendes Beispiel, dass funktionales und modernes Bauen mit regionalen Materialien und dem Anspruch an ein gefälliges und harmonisches Erscheinungsbild möglich ist.