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Ausverkauft: Trinkhalme aus Apfeltrester

Trinkhalme mit Geschmack – das Start-up Wisefood produziert mittlerweile mehrere 10.000 Trinkhalme täglich. Foto: Wisefood

40 Mrd. Plastik-Strohhalme werden jährlich in Deutschland verbraucht. Das bedeutet rund 25.000 t Plastikmüll. Doch jetzt greift die EU-Kommission ein und verbietet die Kunststoffhalme europaweit. Der richtige Zeitpunkt, für eine Alternative: Wir haben mit Konstantin Neumann gesprochen. Er hat das Start-up Wisefood gegründet und produziert essbare Trinkhalme aus Apfeltrester. Zurzeit ist das Unternehmen ausverkauft.

f3: Es war nicht das Plastikverbot, das euch auf die Idee gebracht hat, in die Trinkhalm-Produktion zu gehen. Wie kam es zu der Idee?

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40 Mrd. Plastik-Strohhalme werden jährlich in Deutschland verbraucht. Das bedeutet rund 25.000 t Plastikmüll. Doch jetzt greift die EU-Kommission ein und verbietet die Kunststoffhalme europaweit. Der richtige Zeitpunkt, für eine Alternative: Wir haben mit Konstantin Neumann gesprochen. Er hat das Start-up Wisefood gegründet und produziert essbare Trinkhalme aus Apfeltrester. Zurzeit ist das Unternehmen ausverkauft.

f3: Es war nicht das Plastikverbot, das euch auf die Idee gebracht hat, in die Trinkhalm-Produktion zu gehen. Wie kam es zu der Idee?

Konstantin Neumann von Wisefood

Konstantin Neumann: Tatsächlich hatten wir die Idee für den essbaren Trinkhalm bereits 2015. Ich habe nebenbei in einer Mosterei gearbeitet und immer wieder gesehen, dass der dort entstehende Apfeltrester kaum Verwertung findet. Ein Teil geht zwar in die Produktion von Tierfutter oder gelangt als Dünger auf den Acker – ein Großteil der jährlich in Deutschland anfallenden 60 t Apfeltrester findet jedoch keine Verwertung.

3 Mrd. Plastikstrohhalme landen weltweit täglich im Müll.

Konstantin Neumann, Gründer von Wisefood

Apfeltrester ist eher flüssig. Wie genau entsteht daraus ein fester Trinkhalm?

Die ersten Versuche haben wir mit dem am Karlsruher Institut für Technologie gefahren. Nach meinem Studium der Lebensmittelwissenschaften an der Uni Hohenheim haben uns die Kontakte des Lehrstuhls geholfen. Im Institut konnten wir die ersten Prototypen entwickeln und unsere Rezeptur verfeinern. Täglich haben wir so 30 bis 40 Trinkhalme hergestellt. Das war Anfang 2017.

Wer liefert den Apfeltrester?

Es ist schwierig, den Apfeltrester von kleineren Landwirten zu erhalten. Derzeit arbeiten wir mit einem Dienstleister zusammen, der uns den Trester getrocknet und pulverisiert anliefert. Aus einer Art Mehl stellen wir dann die Trinkhalme mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen her. Zukünftig wollen wir mit Saftproduzenten zusammenarbeiten und selbst trocknen und pulverisieren. Aber noch reicht das Geld dafür nicht.

Es ist schwierig, den Apfeltrester von kleineren Landwirten zu erhalten.

Konstantin Neumann, Wisefood

Was kosten die Trinkhalme?

Ware wird vor Ort noch lebensmittelgerecht verpackt und von einem ortsansässigen Labor in regelmäßigen Abständen überprüft.

Wenn wir an die Gastronomie liefern und eine Menge von mehr als 1000 Trinkhalmen bestellt wird, liegen wir derzeit bei 15 bis 20 Cent pro Trinkhalm. Privatverkäufer können die Halme in 20er Packungen und für 40 bis 50 Cent pro Trinkhalm bestellen. Wir wollen langfristig natürlich günstiger werden. Derzeit sind wir aber ausverkauft. Das Plastikhalmverbot hat uns sehr in die Karten gespielt.

Wo produziert ihr derzeit?

Unser Firmensitz ist in Sachsen, die Produktion findet aber bei einem Nudelhersteller in Baden-Württemberg statt.

Bei einem Nudelhersteller?

Zusammen mit dem Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik haben wir herausgefunden, dass sich eine umgebaute Nudelmaschine am ehesten eignet, um große Mengen Trinkhalme – quasi Makkaroni – herzustellen. Vor Ort haben wir die Möglichkeit zwei verschiedene Anlagen zu benutzen und täglich zwischen 10.000 und 100.000 Trinkhalmen zu produzieren. Damit haben wir bewiesen, dass unser Start-up skalierbar ist und können nun die Zukunft planen.