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Bauernkind auf der Brust

Die fünf Freunde und Studenten der Uni Göttingen Lukas Meyer-Tonndorf, Jost Teepker, Jannik Altpeter, Jan Möllenbrink und Ansgar Selhorst – alle Mitte 20 – stecken hinter der Marke Bauernkind. (Foto: Bauernkind)

Bauernkind – klingt für manche altmodisch und verstaubt. Fünf Studenten beweisen das Gegenteil und gestalten unter dem gleichnamigen Label
Pullover und T-Shirts. Damit setzen sie auch ein Zeichen gegen Mobbing.

Etwas übernächtigt sitzen Ansgar, Jost und Jannik in der Küche einer WG in Göttingen. Auf dem Tisch stehen noch ein paar gebrauchte Kaffeetassen. Neben dem Kühlschrank lehnt eine leere Kiste Bier. Doch die drei Studenten haben gestern nicht auf einer Party gezaubert, sondern im Nebenraum – Ansgars Schlafzimmer – mit Freunden bis halb zwei in der Früh Pullover, Hoodies und T-Shirts gefaltet, sie in Kartons gepackt und mit einer persönlichen Grußkarte versehen. Denn die drei sind Teil des Labels „Bauernkind“ – einer Kollektion entworfen von fünf Agrar- und Forststudenten der Universität Göttingen.

Gegen Bauern-Mobbing

Die Idee mit dem Label ist noch kein Jahr alt. Hinter ihr stecken die Freunde Jost Teepker, Ansgar Selhorst, Jannik Altpeter, Jan Möllenbrink und Lukas Meyer-Tonndorf. Eigentlich wollten die Fünf, die sich schon seit Beginn ihres Studiums kennen, nur einen Pulli mit einem Logo für die Clique gestalten. Sie suchten einen Slogan, mit dem sie ihre Verbundenheit zum Landleben ausdrücken, aber nicht zu abgedroschen klingen wollten.

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Bauernkind – klingt für manche altmodisch und verstaubt. Fünf Studenten beweisen das Gegenteil und gestalten unter dem gleichnamigen Label
Pullover und T-Shirts. Damit setzen sie auch ein Zeichen gegen Mobbing.

Der Beitrag ist zuerst erschienen im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Folge 45/2018.

Etwas übernächtigt sitzen Ansgar, Jost und Jannik in der Küche einer WG in Göttingen. Auf dem Tisch stehen noch ein paar gebrauchte Kaffeetassen. Neben dem Kühlschrank lehnt eine leere Kiste Bier. Doch die drei Studenten haben gestern nicht auf einer Party gezaubert, sondern im Nebenraum – Ansgars Schlafzimmer – mit Freunden bis halb zwei in der Früh Pullover, Hoodies und T-Shirts gefaltet, sie in Kartons gepackt und mit einer persönlichen Grußkarte versehen. Denn die drei sind Teil des Labels „Bauernkind“ – einer Kollektion entworfen von fünf Agrar- und Forststudenten der Universität Göttingen.

Gegen Bauern-Mobbing

Die Idee mit dem Label ist noch kein Jahr alt. Hinter ihr stecken die Freunde Jost Teepker, Ansgar Selhorst, Jannik Altpeter, Jan Möllenbrink und Lukas Meyer-Tonndorf. Eigentlich wollten die Fünf, die sich schon seit Beginn ihres Studiums kennen, nur einen Pulli mit einem Logo für die Clique gestalten. Sie suchten einen Slogan, mit dem sie ihre Verbundenheit zum Landleben ausdrücken, aber nicht zu abgedroschen klingen wollten.

Wer unsere Klamotten trägt, braucht keinen Hof zu Hause. Viel wichtiger ist es, sich mit dem Begriff zu identifizieren.

Jost Teepker

Fahrt nahm ihre Idee nach einem Beitrag in den Nachrichten auf. Dort ging es darum, dass Kinder vom Hof in der Schule gemobbt werden. Anfangs noch eher eine Bierlaune war nun ihr Ehrgeiz geweckt. „Ich fand es schrecklich, zu hören, dass Landwirtskinder in der Schule nicht mehr sagen können, was ihre Eltern von Beruf sind“, sagt Jost, der aus Melle im Landkreis Osnabrück stammt. Mit dem Label wollten sie ein State­ment setzen und den Begriff „Bauernkind“ in ein modernes Image tauchen.

„Den Ausdruck ,Bauernkind‘ soll man stolz auf der Brust tragen können“, sagt Ansgar, selbst Bauernsohn aus dem Münsterland. Gemeinsam mit einer befreundeten Mediendesignerin entwarfen sie das Logo. „Wer unsere Klamotten trägt, braucht keinen Hof zu Hause. Viel wichtiger ist es, sich mit dem Begriff zu identifizieren“, sagt Jost. Die Eltern des gelernten Landwirtes haben keinen Betrieb. „Es geht um das Zugehörigkeitsgefühl“, ergänzt Jannik, der Forstwissenschaft studiert.

So sieht’s aus, das Bauernkind-Logo. (Foto: Otte)

Positives Feedback in der Familie und im Freundeskreis bestärkte sie, daraus eine eigene Kleider-Kollektion zu machen. Der Stil sollte nicht dem Klischee des Karohemd- und Segelschuh-tragenden Agrarstudenten entsprechen, aber auch keine Arbeitskleidung für Stall und Acker sein. Laut eigener Aussage wirken die Oberteile modern, dynamisch und authentisch. Ende Februar hatten sie die ersten Entwürfe fertig, die sie vermarkten wollten.

Vom Entwurf zum Verkauf

Schaulaufen für die „Bauernkind“-Kollektion. Gemeinsam mit Freunden haben die Gründer professionelle Fotos machen lassen. (Foto: Bauernkind)

Doch vom Entwurf bis zum Verkauf kam noch einiges an Arbeit auf sie zu. Plötzlich ging es nicht mehr hauptsächlich um Nutztierphysiologie, Ackerbau und Holz­ernte, sondern um Markenrecht, Datenschutz und Marketing. Pa­rallel zu ihrem Studium meldeten sie ein Kleingewerbe an und sicherten sich die Marke „Bauernkind“ mithilfe eines Rechtsanwaltes. Sie organisierten ein professionelles Fotoshooting und bauten eine Homepage. Nebenbei lief das Studium weiter. Sie mussten Klausuren schreiben und ihre Masterarbeiten vorbereiten. Ansgar war drei Monate in Tansania und übernahm Aufgaben von dort.

Anfangs überlegten die Gründer, die Bestellungen per E-Mail abzuarbeiten, griffen dann aber auf einen Onlineshop zurück. „Zwar gibt es da mittlerweile Baukastenlösungen, dennoch mussten wir uns da erst einmal reinknien“, erinnert sich Jost.

Gemeinsames Kapital

Fast 4000 € haben sie bisher gemeinsam für das Projekt aufgebracht. „Falls es schiefgeht, tragen wir die Kosten zusammen und bleiben Freunde“, ist Jannik sich sicher. Trotzdem haben die Fünf sich während der vergangenen Monate noch mal anders kennengelernt – klare Ansagen inklusive. „Wir trennen Freundschaft und Projekt voneinander. Was auf dem Platz passiert, bleibt auf dem Platz“, zitiert Ansgar einen Fußballerspruch. Zwar hat jeder im Team seinen Schwerpunkt, dennoch springen sie ein, wenn jemand Unterstützung braucht. „Wären wir nicht schon im Masterstudium, hätte das nicht geklappt. Von der Zeiteinteilung sind wir flexibler als im Grundstudium“, sagt Jost.

Bis Mitte Mai werkelten sie mehr oder weniger im Verborgenen an ihrem Projekt. Ihre Clique wusste  Bescheid. Pünktlich zur berühmten Göttinger LaWi-Party gingen sie mit ihrem Label an den Start. Der DJ trug eines ihrer Oberteile. Die Homepage ging zeitgleich online. Nun war es möglich, Kleidung mit dem „Bauernkind“-Logo online zu bestellen.

Bestellen in Wellen

Und anscheinend haben sie damit einen Nerv getroffen. Denn mittlerweile vertreiben sie über ihren Onlineshop Klamotten im gesamten deutschsprachigen Raum. Fast 1000 Artikel haben sie bisher verkauft. Ihre Hoddie- und Pullover-Modelle haben markante Namen wie „Dear“, „Doits“ oder „Klahs“ und kosten bis zu 60 €. Selbst für die „Lütten“ haben sie Bodys im Angebot.

„Wir sind nicht Amazon und haben keine riesigen Lagerkapazitäten“, betont Ansgar. Daher arbeiten die Studenten mit Bestellwellen. Innerhalb eines bestimmten Zeitraums sammeln sie über ihre Homepage Bestellungen. Dann schließt sich das Bestellfenster und sie übermitteln die bestellten Artikel zu ihrem Produktionspartner nach Dortmund. Dort werden die Kleidungsstücke aus ökologischer Baumwolle mit dem „Bauernkind“-Logo gelabelt. „Dann geht die Arbeit für uns eigentlich erst los“, sagt Jannik. Ansgars Schlafzimmer wird zum „Logistikzentrum“ umfunktioniert. Knappe 100 Pakete pro Bestellung müssen sie meistern. Sie sortieren, checken die Qualität der Oberteile und füllen die Lieferscheine aus. Im Anschluss geht es zur Post.

„Das ist ein Gemeinschaftspro­jekt. Wir sind mehr als nur wir fünf“, sagt Ansgar. Ohne die Hilfe von Freunden und Kommilitonen wäre das nicht zu stemmen. Denn sie sind nach wie vor Studenten. Daher ist die Zukunft des „Projekts“, wie sie es immer wieder nennen, noch offen. Denn alle Fünf wollen nach dem Studium in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten.

Wurst via Web free

Aber auch wenn sie das Label eines Tages wieder einstampfen sollten, haben sie einiges dabei gelernt – vom Anmelden eines Gewerbes über die Feinheiten des Markenrechtes bis hin zum richtigen Licht beim Fotoshooting. „Einer von uns hatte ein Bewerbungsgespräch. Da ging es zur Hälfte nur um unser Label“, erzählt Ansgar.

Auch wenn die Zukunft noch offen ist, schwappt vor Weihnachten noch eine Bestellwelle ins Haus. Aktuell läuft auf der Homepage der Countdown für die nächste Produktion. Daher wird es im November noch ein paar kurze Nächte geben, in denen die Jungs alles verpacken. Damit die „Bauernkind“-Pullis spätestens bis zur Bescherung beim Kunden sind.