digital farm Interview

Bedarfsgerechte Düngung mit Handmessgerät und App

Das Team um Thomas Berberich (links) und Daniel Weber überzeugte mit einem innovativen Verfahren und Geräten zur Messung der Stickstoffversorgung von Pflanzen. (Foto: Phytoprove)

Das Start-up „Phytoprove Pflanzenanalytik“ gewann kürzlich den Gründungspreis der Leibniz-Gemeinschaft für ihr Gerät, das Stickstoff- und Wassergehalte in Pflanzen misst. Im Interview erzählt Gründer Thomas Berberich, wofür er das Preisgeld von 50.000 € nutzen will.

f3 - farm.food.future: Wer seid ihr und was macht ihr?

Thomas Berberich: Unser Start-up "Phytoprove Pflanzenanalytik" ist eine Ausgründung des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt am Main. Mit unserer Firma entwickeln und vertreiben wir Messgeräte und -vorrichtungen, mit denen schnell und nicht-invasiv, also ohne die Pflanzen zu beschädigen, deren Stickstoff- und Wasserversorgung ermittelt werden kann. Und zwar zu einem Zeitpunkt, wenn Schädigungen durch Mangel noch nicht äußerlich sichtbar sind. Dies erlaubt dann, rechtzeitig und entsprechend dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen zu düngen und zu bewässern.

Die Weiterentwicklung zur Anwendung an Landmaschinen und Drohnen wird Kunden in der Landwirtschaft bedienen.

Thomas Berberich

f3: Für wen eignen sich eure Messgeräte? Was ist eure Zielgruppe?

Thomas Berberich: Mit unseren Handmessgeräten und der dazugehörigen App auf Mobiltelefonen oder Tablets sprechen wir sowohl private Nutzer als auch professionelle Pflanzenbauer an. Die Weiterentwicklung zur Anwendung an Landmaschinen und Drohnen wird Kunden in der Landwirtschaft bedienen. Das heißt, dass mit der Anwendung unserer Produkte jeder Nutzer bedarfsgerecht düngen kann - ob Gemüsebauer, Gärtner und Grünflächenamt, Hobby- und Kleingärtner (Stichwort Urban Gardening) oder Landwirt und Weinbauer. Das spart Ressourcen, Geld und schont dabei noch die Umwelt, weil eine Überdüngung vermieden wird.

Nicht-invasive Messungen an der Pflanze

f3: Was ist das Besondere an eurem Messverfahren?

Thomas Berberich: Unser zur Patentierung angemeldetes Verfahren nutzt spezifische Veränderungen im Photosynthese-System der Pflanzen, um die Versorgung mit Stickstoff zu messen. Andere Verfahren beurteilen diese lediglich anhand sichtbarer Veränderungen der Pflanzen wie zum Beispiel die Färbung der Blätter, die auch durch andere Faktoren beeinflusst und von Art zu Art verschieden sein kann. Unser Messsystem ist universell für jede Pflanzenart anwendbar. Dabei ist das Verfahren mit Messzeiten von unter einer Sekunde schnell und beschädigt die Pflanzen nicht, wie etwa bei der chemischen Stickstoffbestimmung.

Wir untersuchen seit langem, wie Pflanzen auf molekularer Ebene auf extreme Umweltbedingungen reagieren und sich anpassen können.

Thomas Berberich

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Das Start-up „Phytoprove Pflanzenanalytik“ gewann kürzlich den Gründungspreis der Leibniz-Gemeinschaft für ihr Gerät, das Stickstoff- und Wassergehalte in Pflanzen misst. Im Interview erzählt Gründer Thomas Berberich, wofür er das Preisgeld von 50.000 € nutzen will.

f3 – farm.food.future: Wer seid ihr und was macht ihr?

Thomas Berberich: Unser Start-up „Phytoprove Pflanzenanalytik“ ist eine Ausgründung des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt am Main. Mit unserer Firma entwickeln und vertreiben wir Messgeräte und -vorrichtungen, mit denen schnell und nicht-invasiv, also ohne die Pflanzen zu beschädigen, deren Stickstoff- und Wasserversorgung ermittelt werden kann. Und zwar zu einem Zeitpunkt, wenn Schädigungen durch Mangel noch nicht äußerlich sichtbar sind. Dies erlaubt dann, rechtzeitig und entsprechend dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen zu düngen und zu bewässern.

Die Weiterentwicklung zur Anwendung an Landmaschinen und Drohnen wird Kunden in der Landwirtschaft bedienen.

Thomas Berberich

f3: Für wen eignen sich eure Messgeräte? Was ist eure Zielgruppe?

Thomas Berberich: Mit unseren Handmessgeräten und der dazugehörigen App auf Mobiltelefonen oder Tablets sprechen wir sowohl private Nutzer als auch professionelle Pflanzenbauer an. Die Weiterentwicklung zur Anwendung an Landmaschinen und Drohnen wird Kunden in der Landwirtschaft bedienen. Das heißt, dass mit der Anwendung unserer Produkte jeder Nutzer bedarfsgerecht düngen kann – ob Gemüsebauer, Gärtner und Grünflächenamt, Hobby- und Kleingärtner (Stichwort Urban Gardening) oder Landwirt und Weinbauer. Das spart Ressourcen, Geld und schont dabei noch die Umwelt, weil eine Überdüngung vermieden wird.

Nicht-invasive Messungen an der Pflanze

f3: Was ist das Besondere an eurem Messverfahren?

Thomas Berberich: Unser zur Patentierung angemeldetes Verfahren nutzt spezifische Veränderungen im Photosynthese-System der Pflanzen, um die Versorgung mit Stickstoff zu messen. Andere Verfahren beurteilen diese lediglich anhand sichtbarer Veränderungen der Pflanzen wie zum Beispiel die Färbung der Blätter, die auch durch andere Faktoren beeinflusst und von Art zu Art verschieden sein kann. Unser Messsystem ist universell für jede Pflanzenart anwendbar. Dabei ist das Verfahren mit Messzeiten von unter einer Sekunde schnell und beschädigt die Pflanzen nicht, wie etwa bei der chemischen Stickstoffbestimmung.

Wir untersuchen seit langem, wie Pflanzen auf molekularer Ebene auf extreme Umweltbedingungen reagieren und sich anpassen können.

Thomas Berberich

f3: Wo steht ihr aktuell mit eurem Start-up?

Einen Prototypen gibt es. Aktuell läuft das Patentverfahren. (Foto: Phytoprove)

Thomas Berberich: Zurzeit testen wir mit einer ersten Kleinserie auf Basis des Prototyps die Handgeräte und die Auswertungs-App in umfangreichen Messreihen an Nutzpflanzen, sowohl im Freiland als auch unter definierten Bedingungen in Klimakammern. Parallel dazu wird die endgültige Gestaltung des Gehäuses für die Handgeräte entwickelt, um Anfang 2021 mit der Serienproduktion für den Markteintritt zu beginnen.

Investorensuche und Bewerbung des Produktes

f3: Was ist der nächste Schritt und wofür nutzt ihr das Preisgeld von 50.000 €?

Thomas Berberich: Die nächsten Schritte sind die Vorbereitung des Markteintritts und die Suche nach Investoren. Bisher haben wir die Produktentwicklung aus eigenen Mitteln finanziert. Das Preisgeld des Leibniz-Gründungspreises wird uns die weiteren Schritte sehr erleichtern. Hierzu zählt die Bewerbung unseres Produktes zum Beispiel durch Teilnahme an wichtigen Leitmessen als Aussteller, die Herstellung eines professionellen Produktvideos oder die Planung und Durchführung einer Crowdfunding-Kampagne, mit der wir vor allem private Nutzer ansprechen wollen.

Uns wurde schnell klar, dass diese Methodik ein großes Anwendungspotenzial hat.

Thomas Berberich

f3: Es kommen nun also die klassischen Gründeraufgaben auf euch zu. Was ist euer Hintergrund?

Thomas Berberich: Mein Mitgründer Daniel Weber und ich haben beide an der Goethe-Universität in Frankfurt unser Diplom in Biologie gemacht, mit dem Spezialgebiet der molekularen Pflanzenphysiologie. Daniel hat zusätzlich eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann und war bereits fünf Jahre Geschäftsführer einer Textilhandelsgesellschaft. Ich habe nach meiner Promotion im Fach Botanik habilitiert und auf dem Gebiet der molekularen Pflanzenphysiologie geforscht. Seit 2010 leite ich das molekularbiologische Laborzentrum des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt am Main.

f3: Wie ist es zur Gründung eures Start-ups gekommen?

Thomas Berberich: Wir untersuchen seit langem, wie Pflanzen auf molekularer Ebene auf extreme Umweltbedingungen reagieren und sich anpassen können. Unsere Messungen mit wissenschaftlichen Laborgeräten haben gezeigt, dass wir die Stickstoffversorgung der Pflanzen über das Photosynthese-System direkt messen können. Uns wurde schnell klar, dass diese Methodik ein großes Anwendungspotenzial hat.

Mit der Idee der Firmen-Ausgründung haben wir uns an die Leibniz-Transferstelle in Berlin gewandt. Mit dieser Unterstützung konnten wir ein EXIST-Gründerstipendium einwerben, was uns ein Jahr lang die Gründungsvorbereitungen finanziert hat. Gegründet haben wir im Februar 2019.