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Biogas-Gärreste als Insektenfutter?

Die Schwarze Soldatenfliege stammt ursprünglich aus Südamerika. Heute ist sie durch die Verschleppung des Menschen nahezu weltweit verbreitet. In einer Studie wird sie nun genauer unter die Lupe genommen. (Foto: stock.adobe/ Henrik Larsson)

Ein Forscherteam aus Ostdeutschland untersucht die Potenziale der Schwarzen Soldatenfliege als Futtermittel. Landwirte könnten sie mit Gärresten füttern. Dadurch würde sie wirtschaftlicher werden. Probleme für eine kommerzielle Zucht bereiten die politischen Rahmenbedingungen.

In einem Forschungsprojekt schaut sich das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) aus Leipzig und die Hermetia Baruth GmbH aus Brandenburg die Schwarze Soldatenfliege (Hermetia Illucens) als Nutzinsekt genauer an. Die These ist, dass sich das Tier zu proteinreichem Tierfutter und weiteren Produkten weiterverarbeiten lassen könnte. Das Team um den Projektleiter Harald Wedwitschka testet seit zwei Jahren verschiedene Rohstoffe auf Reststoffbasis als Futtermittel für die Insekten. Außerdem schrauben sie an der Prozessoptimierung und untersuchen geeignete Absatzmöglichkeiten. Das Projekt endet im kommenden Jahr. Die Forscher konnten erste Erkenntnisse gewinnen. f3 hat genauer nachgefragt.

Einsatz von Nebenprodukten

Um eine möglichst kostengünstige Insektenproduktion zu gewährleisten, setzt Harald Wedwitschka verschiedene Nebenprodukte der Industrie und der Landwirtschaft zur Aufzucht ein. Denn die Produktion der Schwarzen Soldatenfliege muss möglichst günstig sein. Daher prüfen die Forschenden, welche landwirtschaftlichen und industriellen Nebenprodukte sich als Futter für die Krabbeltiere eignen.

Auch stickstoffreiche Gärreste von Biogasanlagen oder Hühnertrockenkot haben uns je nach Energiegehalt überzeugt.

Harald Wedwitschka

Im Projekt setzen sie stickstoffreiche Gärreste, Rindergülle, Hühnertrockenkot, Brauereireststoffe und weitere Nebenprodukte der Industrie ein. Im Gespräch mit f3 erläutert Projektleiter Harald Wedwitschka vom DBFZ, dass sich vor allem die Nebenprodukte der Biokraftstoffherstellung, des Brauereigewerbes sowie der Lebensmittelindustrie eignen. „Auch stickstoffreiche Gärreste von Biogasanlagen oder Hühnertrockenkot haben uns je nach Energiegehalt überzeugt“, sagt der Wissenschaftler. Rindergülle wäre höchstens wegen den geringen Kosten und der einfachen Verfügbarkeit in Erwägung zu ziehen.

Interessant für die Nutzung sind die Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Aus ihnen kann ein proteinreiches Mehl gewonnen werden. (Fotos: DBFZ)

Was wird aus den Insekten gemacht?

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Ein Forscherteam aus Ostdeutschland untersucht die Potenziale der Schwarzen Soldatenfliege als Futtermittel. Landwirte könnten sie mit Gärresten füttern. Dadurch würde sie wirtschaftlicher werden. Probleme für eine kommerzielle Zucht bereiten die politischen Rahmenbedingungen.

In einem Forschungsprojekt schaut sich das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) aus Leipzig und die Hermetia Baruth GmbH aus Brandenburg die Schwarze Soldatenfliege (Hermetia Illucens) als Nutzinsekt genauer an. Die These ist, dass sich das Tier zu proteinreichem Tierfutter und weiteren Produkten weiterverarbeiten lassen könnte. Das Team um den Projektleiter Harald Wedwitschka testet seit zwei Jahren verschiedene Rohstoffe auf Reststoffbasis als Futtermittel für die Insekten. Außerdem schrauben sie an der Prozessoptimierung und untersuchen geeignete Absatzmöglichkeiten. Das Projekt endet im kommenden Jahr. Die Forscher konnten erste Erkenntnisse gewinnen. f3 hat genauer nachgefragt.

Einsatz von Nebenprodukten

Um eine möglichst kostengünstige Insektenproduktion zu gewährleisten, setzt Harald Wedwitschka verschiedene Nebenprodukte der Industrie und der Landwirtschaft zur Aufzucht ein. Denn die Produktion der Schwarzen Soldatenfliege muss möglichst günstig sein. Daher prüfen die Forschenden, welche landwirtschaftlichen und industriellen Nebenprodukte sich als Futter für die Krabbeltiere eignen.

Auch stickstoffreiche Gärreste von Biogasanlagen oder Hühnertrockenkot haben uns je nach Energiegehalt überzeugt.

Harald Wedwitschka

Im Projekt setzen sie stickstoffreiche Gärreste, Rindergülle, Hühnertrockenkot, Brauereireststoffe und weitere Nebenprodukte der Industrie ein. Im Gespräch mit f3 erläutert Projektleiter Harald Wedwitschka vom DBFZ, dass sich vor allem die Nebenprodukte der Biokraftstoffherstellung, des Brauereigewerbes sowie der Lebensmittelindustrie eignen. „Auch stickstoffreiche Gärreste von Biogasanlagen oder Hühnertrockenkot haben uns je nach Energiegehalt überzeugt“, sagt der Wissenschaftler. Rindergülle wäre höchstens wegen den geringen Kosten und der einfachen Verfügbarkeit in Erwägung zu ziehen.

Interessant für die Nutzung sind die Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Aus ihnen kann ein proteinreiches Mehl gewonnen werden. (Fotos: DBFZ)

Was wird aus den Insekten gemacht?

„Wir versuchen die Wirtschaftlichkeit der Insektenproduktion für den Nutz- und Haustierfutterbereich zu verbessern“, schildert der Wissenschaftler. Für die technische Verwertung der Insektenprodukte sucht er in der Herstellung von Bioschmierstoff, Biodiesel und Kosmetik sowie im Biotechnologiebereich und der Waschmittelproduktion weitere Anwendungsmöglichkeiten. Für den Einsatz in der Biodieselerzeugung konnte das Team strategische Partner und potenzielle Abnehmer finden. „Im Kosmetikbereich stellt es sich schwieriger dar“, sagt er. „Die Verarbeitung von Tieren schreckt diese Branche ab.“

Politik muss handeln

Derzeit darf Insektenprotein als Futtermittel europaweit nur in Aquakulturen und im Haustierbereich eingesetzt werden. Die Hermetia Baruth GmbH produziert auch kommerziell für diesen Sektor. Gefüttert werden dürfen die Insekten aber nicht mit Nebenprodukten aus der Landwirtschaft, sondern nur mit zugelassenen Futtermitteln wie Soja oder Weizen. Harald Wedwitschka sagt: „Es arbeiten europaweit Akteure daran, diesen Umstand anzupassen und ich bin zuversichtlich, dass sich daran in wenigen Jahren etwas ändern wird.“

Die Soldatenfliege mag es warm. Daher ist es gut, eine günstige Wärmequelle zu haben

Harald Wedwitschka

Schwarze Soldatenfliege für den Biogasbetrieb?

Wenn sich die Gesetzeslage ändert, wird das Thema besonders für Landwirte mit einer Biogasanlage interessant, meint Harald Wedwitschka. „Die Soldatenfliege mag es warm. Daher ist es gut, eine günstige Wärmequelle zu haben“, begründet er. „Außerdem kann der Gärrest der Biogasanalage als Insektenfutter eingesetzt werden.“ Futterreste der Insektenproduktion würden sich als Biogassubstrat eignen. Jedoch sei noch weiterer Forschungsbedarf notwendig.


Zum Forschungsprojekt

Das DBFZ ist ein Forschungszentrum des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Das derzeitige Projekt wird vom Bundesforschungsminisiterium unterstützt. Das Team beantragt eine Verlängerung der Finanzierung.