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Blockchain: Eine Lösung für die Landwirtschaft?

GFFA: Eine digitale Landwirtschaft
Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) findet zum elften Mal statt. (Foto: BMEL/Thomas Trutschel/photothek.net)

Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) findet in diesem Jahr unter dem Motto „Landwirtschaft digital – Intelligente Lösungen für die Landwirtschaft der Zukunft“ statt. Ob Blockchain eine landwirtschaftliche Revolution ist, darüber wurde diskutiert - viele Fragen blieben offen.

Am Donnerstag startete das Global Forum für Food and Agriculture (GFFA) im City Cube auf dem Messegelände in Berlin. Zum elften Mal kommen internationale Vertreter aus Politik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um über die Zukunft der globalen Landwirtschaft zu sprechen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) organisiert und leitet das Forum in Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin GmbH und dem GFFA Berlin e.V.

Kann mit Blockchain die Welt ernährt werden?

Unter der Fragestellung, ob Blockchain eine Revolution für die Landwirtschaft oder vielmehr als eine Lösung für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung gehandelt werden kann, kamen Vertreter aus der Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Veranstalter war das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Clemens Pompeÿ, Gründer von The Impact Farm, eröffnete das Panel mit einem Definitionsversuch. 

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Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) findet in diesem Jahr unter dem Motto „Landwirtschaft digital – Intelligente Lösungen für die Landwirtschaft der Zukunft“ statt. Ob Blockchain eine landwirtschaftliche Revolution ist, darüber wurde diskutiert – viele Fragen blieben offen.

Am Donnerstag startete das Global Forum für Food and Agriculture (GFFA) im City Cube auf dem Messegelände in Berlin. Zum elften Mal kommen dort internationale Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um über die Zukunft der globalen Landwirtschaft zu sprechen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) organisiert und leitet das Forum in Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin GmbH und dem GFFA Berlin e.V.

Kann mithilfe von Blockchain die Welt ernährt werden?

Die Vertreter diskutierten, ob Blockchain eine Revolution für die Landwirtschaft oder sogar eine Lösung für die zukünftige Ernährung der Weltbevölkerung sein kann. Veranstalter war das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Clemens Pompeÿ, Gründer von The Impact Farm, eröffnete das Panel mit einem Definitionsversuch:

Kann mithilfe der Blockchain-Technologie der Hunger in der Welt bekämpft werden? Dazu diskutierten Vertreter aus der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. (Foto: Rüweling)

Was ist Blockchain?

Blockchain ist eine Kette von digitalen Datenblöcken. Diese Kette kann kontinuierlich wachsen und mit Daten gefüttert werden. Die Datenblöcke sind auf einer Vielzahl dezentral vernetzter Rechner gespeichert und miteinander verbunden. Die Ketten überwachen sich gegenseitig, sodass spätere Aktionen, wie zum Beispiel Transaktionen, auf früheren aufbauen und diese als richtig oder falsch bestätigen können. Diese sogenannte „Distributed Ledger Technology“ (DLT) dient der eigenständigen Kontrolle von Daten im Netz.

Blockchain für mehr Transparenz

Daniel Jones, Gründer und Geschäftsführer von bext360, zeigte anhand von Kaffee aus dem Kongo, wo Blockchain in der Landwirtschaft überhaupt anwendbar ist. Alle Informationen zum Erzeugnis müssten zunächst offen gelegt und die gewonnenen Daten miteinander verknüpft werden. Informationen und gesammelte Daten seien beispielsweise das Gewicht einer einzelnen Bohne, der Einkaufspreis für die Bohne oder der Lohn des Landwirts.

Blockchain soll ein DNA-Fingerabdruck sein, um Lieferketten in der Ernährungsbranche nachvollziehen zu können.

Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

Ob die Beschaffung, Sammlung, Verknüpfung und Bereitstellung von Daten eine Chance oder ein Risiko ist, diskutierten im anschließenden Podium Vertreter aus der Politik, der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft. Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, betonte, dass Blockchain ein Instrument bei der Rückverfolgung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen sein kann: „Blockchain soll ein DNA-Fingerabdruck sein, um Lieferketten in der Ernährungsbranche nachvollziehen zu können“. Allerdings dürfe Blockchain nicht zu mehr Ungleichheit in der Gesellschaft führen.

Schwierigkeiten bei der Datensammlung

Auch Dr. Leonard Mizzo, Vertreter der europäischen Kommission im Bereich Ernährungssicherheit, schloss sich an: In Blockchain liege eine Chance für mehr Transparenz zum Beispiel beim Preis. Aber auch bei der Bewertung und Überprüfung der Qualität von Lebensmitteln. Es müssten aber auch Strukturen geschaffen werden, die den Zugang zu Daten kontrollieren, sagte Mizzo.

Jane Kilmartin, Leiterin der Informationstechnik bei dem Lebensmittelkonzern Cargill, konnte als Vertreterin aus der Praxis erzählen, wo es erste Ansatzpunkte gibt. Die Schwierigkeit läge zunächst einmal darin, überhaupt an Daten zu kommen, bevor diese dann geteilt werden können. Ziel sei es, immer auch den Landwirt mit einzubinden und ihm die Vorteile zu erläutern, die er durch Datenlieferung und -teilung hätte. Um welche Daten es konkret geht, blieb unklar.

Bedenken bei der Verteilung, Kontrolle und Sicherheit von Daten

Ist Blockchain praxisreif? free

Eine wichtige Frage, wenn es um die Sammlung von Daten geht, ist immer auch die Frage nach dem Besitz und der Kontrolle. Neth Daño, Wissenschaftlerin und Co-Direktorin der Aktionsgruppe Erosion, Technologie und Konzentration (ETC Group), warnte davor, Blockchain zu hoch zu loben: „Man braucht Equipment und einen Lifeguard, wenn man tief taucht. Wo sind die?“.

Blockchain werde oft als Antwort gehandelt, wobei die Frage aber gar nicht klar sei. Sie sieht die Gefahr einer ungerechten Verteilung und verwies auf die Kryptowährung Bitcoin, bei der ein paar Wenige sehr reich geworden seien. Auch aus dem Publikum wurden Fragen von Aktivisten und NGO´s laut, wem die Kontrolle über die Daten zugesprochen wird und ob der Zugang zu Internet, Technik und Hardware nicht mehr Ungleichheiten schaffe als abschaffe. Auch das Thema Datensicherheit gab Bedenken auf.

Die Podiumsdiskussion zeigte, dass das Thema Blockchain in der Landwirtschaft bisher noch sehr abstrakt und wenig konkret diskutiert wird, was auch an fehlenden Anwendungsbeispielen aus der Praxis liegt.