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„Blockchain ist kein Allheilmittel“ free

Vom Feld bis zum Verbraucher: Die Blockchain-Technologie verspricht absolute Rückverfolgbarkeit. Eine neue Studie gibt interessante Einblicke. (Illustration: Christina Helmer)

Die Blockchain-Technologie könnte eine 100%ige Nachverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette möglich machen. Doch dazu müssen die unterschiedlichsten Akteure an einem Strang ziehen. Eine neue Studie gibt interessante Einblicke.

Bis 2025 könnte Blockchain allgegenwärtig sein, massenkompatibel werden und die Lieferketten weltweit stärken. Das sagt eine neue Studie des Capgemini Research Institute namens „Does blockchain hold the key to a new age of supply chain transparency and trust“. Nur mit Hilfe von Investitionen und Partnerschaften entlang der Lieferkette könne die Technologie nach Ansicht der Studienmacher in der Fertigungswirtschaft sowie der Konsumgüter- und Einzelhandelsbranche dann vorherrschen. Die USA und Großbritannien investieren derzeit am meisten und sind  führend in der Umsetzung. Deutschland liegt bei der Umsetzung lediglich im Mittelfeld.

Europa investiert ein Vielfaches weniger

„Landwirte gehören zu den innovativsten Menschen überhaupt!“ free

Die Studie zeigt, dass sich derzeit nur 3 % der Unternehmen mit Blockchain im größeren Maßstab beschäftigen und 10 % ein Pilotprojekt starteten. Ganze 87 % der Befragten befinden sich nach eigenen Aussagen erst in der Anfangsphase des Blockchain-Experiments.

In Europa sind Großbritannien (22 %) und Frankreich (17 %) derzeit führend bei der Umsetzung von Blockchain, wenn es um Projekte in größerem Umfang oder über den Pilotstatus hinaus geht; Deutschland folgt mit 11 %. Weltweit liegen die USA bei der Umsetzung mit 18 % auf Platz 2, führend sind sie jedoch bei der Finanzierung von Blockchain-Start-ups: Dort wurden über eine Milliarde Dollar seit 2012 investiert, in Großbritannen sind es im Vergleichszeitraum 500 Millionen, in Deutschland 50 Millionen.

Seit 2012 investierten die USA über eine Milliarde Dollar in Blockchain. Deutschland investierte 50 Millionen.

Auszug Studie

Die im Einsatz von Blockchain führenden Unternehmen sind optimistisch, dass die Technologie ihr Potenzial ausschöpfen werde. Wobei über 60 % glauben, dass sie schon jetzt die Zusammenarbeit mit ihren Partnern verändert. So führen ganze 80% der Befragten an, dass sie die sogenannte „Interoperationalität“ zwischen den Akteuren der Lieferkette als große Herausforderung sehen. Vorteile liegen laut Studie allerdings in  Kosteneinsparungen, besserer Rückverfolgbarkeit und Transparenz.

Unternehmen haben noch Bedenken

Trotz des Optimismus bei der Implementierung von Blockchain-Systemen bestehen also nach wie vor Bedenken hinsichtlich einer klaren Rendite dieser Investitionen und der Praktikabilität zwischen den Partnern in einer Lieferkette. 

Martin Arnoldy, von Capgemini in Deutschland, kommentiert: „Es gibt spannende Anwendungsfälle auf dem Markt, die zeigen, welche Vorteile die Technologie für Lieferketten bietet. Aber Blockchain ist kein Allheilmittel. Die Rendite ist noch nicht messbar und Geschäftsmodelle und -prozesse müssen für die Umsetzung erst noch geschaffen werden.“

Blockchain ist kein Allheilmittel.

Martin Arnoldy

In Zusammenarbeit mit der Swinburne University of Technology in Australien fand Capgemini im Rahmen einer weiteren Studie heraus, dass die Experimente mit Blockchain im Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreichen werden: Dann werden Unternehmen wahrscheinlich Machbarkeitsstudien in Auftrag geben. Ausgereift wird die Blockchain-Transformation der neuen Studie zufolge 2025 sein, wenn Unternehmen die Transformation und Integration starten und Richtlinien für Datenschutz und -management festlegen.

Anwendungsfälle in der Praxis

Die Studie identifizierte 24 Anwendungsfälle für Blockchain, vom Handel mit CO2-Zertifikaten über die Verwaltung von Lieferantenverträgen bis hin zur Vermeidung von Produktfälschungen. Capgemini wandte diese Anwendungsfälle auf Einzelhandels-, Fertigungs- und Konsumgüter an. Der Bericht betont, dass sich Verbraucherorganisationen insbesondere auf die Rückverfolgung und Identifizierung von Produkten konzentrieren, wobei Nestlé, Unilever und Tyson Foods mit Blockchain experimentieren.

Einzelhändler konzentrieren sich auf digitale Marktplätze und verhindern Fälschungen, Starbucks beispielweise investiert in Blockchain-Tests. Noch entscheidender ist jedoch, dass die Blockkette die Lebensmittelversorgung sicherstellen kann, indem sie Lebensmittel vom Erzeuger bis zum Verbraucher zurückverfolgt, um Kontaminationen oder Produktrückrufe abzuwenden.


Über die Studie

Das Capgemini Research Institute hat rund 450 Unternehmen befragt, in denen die Implementierung von Blockchain in ihrer Lieferkette durchgeführt wird. Der Bericht identifiziert eine Gruppe von führenden Unternehmen als „Vorreiter“. Diese Kohorte besteht aus 13 % der Befragten, die entweder eine Blockchain im größeren Maßstab (3 Prozent der Stichprobe) implementieren oder Piloten an mindestens einem Standort (10 Prozent der Stichprobe) haben. Diese Organisationen geben damit das Tempo für den Rest vor. Die Forschung untersuchte ihren Ansatz zur Blockchain, die Anwendungen, die sie implementieren, und die Herausforderungen, denen sie bei der Skalierung ihrer Initiativen gegenüberstehen. Die Befragten kamen aus den Bereichen Konsumgüter, Einzelhandel und verarbeitendes Gewerbe.

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