food Story

Wurst via Web

Die Wurstgeschwister vertreiben die Produkte der elterlichen Schlachterei im neuen Gewand und kooperieren mittlerweile auch mit anderen Food-Start-ups. (Foto: Drießen)

Nur wer loslegt, kann wachsen. Die „Wurstgeschwister“ zeigen: Ein Start-up gründen geht auch mit seichtem Start. Man muss sich buchstäblich durchwursteln.

Ein Adventskalender aus Wurstgläschen, Minifrikadellen und Pfefferbeißern,  ein Wurst-Osterhase oder ein rotes Mettwurst-Herz zum Valentinstag. Solche verrückten Ideen laufen am besten. Das sind die Erfahrungen der Schwestern Anja und Nadine Rüweling aus dem westlichen Münsterland in Nordrhein-Westfalen. Sie haben mit ihrem Bruder Daniel Mitte 2016 die „Wurstgeschwister“ gegründet: Einen Online-Shop, der die Produkte der elterlichen Firma Fleischwaren Rüweling in neuer Optik vermarktet.

Nadine (links) und Anja Rüweling aus Nordrhein-Westfalen vertreiben die Wurst der elterlichen Fleischerei im neuen Gewand. (Foto: Wurstgeschwister)

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

Nur wer loslegt, kann wachsen. Die „Wurstgeschwister“ zeigen: Ein Start-up gründen geht auch mit seichtem Start. Man muss sich buchstäblich durchwursteln.

Ein Adventskalender aus Wurstgläschen, Minifrikadellen und Pfefferbeißern,  ein Wurst-Osterhase oder ein rotes Mettwurst-Herz zum Valentinstag. Solche verrückten Ideen laufen am besten. Das sind die Erfahrungen der Schwestern Anja und Nadine Rüweling aus dem westlichen Münsterland in Nordrhein-Westfalen. Sie haben mit ihrem Bruder Daniel Mitte 2016 die „Wurstgeschwister“ gegründet: Einen Online-Shop, der die Produkte der elterlichen Firma Fleischwaren Rüweling in neuer Optik vermarktet.

Nadine (links) und Anja Rüweling aus Nordrhein-Westfalen vertreiben die Wurst der elterlichen Fleischerei im neuen Gewand. (Foto: Wurstgeschwister)

So fing jedenfalls alles an. „Am Anfang dachten wir noch, das wird einfach ein neuer Vertriebsweg für Papa“, sagt Anja, 30 Jahre. „Aber wir haben immer weitergesponnen und neue Ideen entwickelt“, ergänzt Nadine, 29. So veränderte sich die Geschäftsidee kontinuierlich weiter. Manches lief, anderes weniger. „Eigentlich ist das hier viel ,Trial and Error‘“, sagen die Schwestern. Aber egal: Der Anfang ist gemacht.

Wir haben immer weitergesponnen und neue Ideen entwickelt.

Nadine Rüweling

Das Leben umgekrempelt

Die Gründung im August 2016 bedeutete für Anja und Nadine einen großen Bruch im Lebenslauf. Beide hatten sich längst vom Familienunternehmen im ländlichen Heimatort verabschiedet: Anja lebt in Hamburg, strebte nach dem Journalistik-Studium eigentlich eine Karriere als Kriegs- und Krisenreporterin an. Nadine wohnt in Berlin und realisierte als Projektmanagerin Bildungsprojekte an Schulen. Nix mit Wurst also.

Im Online- und Vertriebs-Bereich haben sich die jungen Frauen vieles selbst beigebracht. (Foto: Drießen)

Doch ständig bestellten Freunde und Kollegen in den Großstädten Wurst bei den Schwestern. „Wir mussten denen immer Pakete packen, wenn wir zu Hause waren.“ Klar, dass die Idee eines Wurst-Versandes da nahe liegt.

Gesagt getan: Den Webshop zogen die Schwestern fast komplett in Eigenregie auf. Im November ging er ans Netz. Bei den Produktfotos, dem Logo und den Etiketten halfen ihnen befreundete Fotografen und Designer. Alles auf Honorarbasis – also keine Verpflichtungen. 

Selbstständigkeit: hat sich so ergeben

Doch schon bevor das Geschäft überhaupt anlief, war den beiden klar: „Das machen wir nicht mal eben nebenbei.“ Ein Start-up aufziehen und eine 40-Stunden-Woche – das funktioniert nicht. 

Im September 2016, also zwei Monate bevor der Webshop dann „live“ ging, kündigen sie ihre festen Stellen. Die Selbstständigkeit war kein lang gehegter Traum, sagen die Schwestern. Sie hat sich eher so ergeben. „Wahrscheinlich trafen einfach leichte Zweifel im Job auf perfekte Gründungsbedingungen.“ Seitdem hält sich eine von ihnen immer in Oeding auf und überwacht die Lieferungen. Ihr „Büro“ ist im leerstehenden Wintergarten der Großmutter eingerichtet. Hier könnt ihr einen Blick darauf werfen.

Selbst sind die Frauen

Die Weck-Gläser stammen überwiegend aus dem elterlichen Betrieb. (Foto: Piepenbrock)

Die Geschwister  plünderten ihre Sparkonten und finanzierten mit drei mal 10.000 € die Kartons, Honorare und Etiketten. Die Produkte kaufen sie dem Vater zum Einkaufspreis ab, etikettieren  und verpacken sie und ab geht die Post. „Da war eigenes Geld im Spiel. Das pusht die Motivation“, sagt Nadine. Schnell kam die Idee der Geschenkkörbe auf. Darin sind auch Suppen und Eintöpfe im Weckglas, Eierlikör, Brot, Kuchen und ein in der Nähe gebrannter Schnaps zu finden. Seit Januar 2017 können sich die Kunden alles selbst zusammenstellen. 

Kurz darauf wurde den Schwestern klar, dass die Nachfrage nach anderen regionalen Spezialitäten ebenfalls da war. Also fragten sie sich: „Wir haben den Shop, wir können vermarkten, die Familienmetzgerei kommt an ihre Produktionsgrenzen – warum verkaufen wir nicht auch gute Produkte aus anderen Regionen Deutschlands?“ Gesagt getan: Seit 2018 sind auch Produkte weiterer Start-ups wie Grizzly Snacks mit Beef Jerky, EinstückLand mit Gallowayfleisch, die Blutwurstmanufaktur und Speckmeister mit einer Speckmarmelade an Bord.

Da war eigenes Geld im Spiel. Das pusht die Motivation.

Nadine Rüwelling

Eine besondere Herausforderung lag im Versand von Frischfleisch zur Grillsaison. „Da haben wir lange nach einer nachhaltigen, nicht zu teuren Verpackung gesucht“, erinnert sich Anja. Entschieden haben sie sich schließlich für Kühltaschen aus recyceltem Altpapier.

Ein Mettkönig aus Mettmann

Es gab also viel zu lernen für die jungen Unternehmerinnen. Denn Mitarbeiter haben sie sich bis Februar 2018 nicht geleistet. Seit dem beschäftigen sie zwar eine 450-Euro-Kraft für die Kommissionierung der Pakete – aber bis dahin hatte sich Nadine schon zu einer IT-Spezialistin entwickelt und Anja immer alle Texte für das Internet geschrieben und das Marketing organisiert. Ihr Bruder ist als Metzgermeister „fürs Fach“ zuständig.

Weiter wachsen und kreativ sein

Das Gefühl „fertig“ zu sein, kennen die Frauen nicht. Sie möchten weitere Hersteller mit in den Webshop aufnehmen, weiter Marketing machen und zu großen Events weiterhin kreativ sein. So gab es zur WM 2018 beispielsweise acht verschiedene „Länder-Würstchen“. Also Bratwürstchen, die mit länderspezifischen Zutaten verfeinert wurden. Verrückte Produkte laufen wohl wirklich am besten.

Dennoch hat sich nach ziemlich genau zwei Jahren Start-up-Dasein mittlerweile einiges geordnet. „Die Prozesse laufen nicht mehr so chaotisch ab wie am Anfang“, sagt Anja – und schiebt hinterher: „Obwohl das ja auch was Schönes hatte.“ 

Für die Kommissionierung haben Rüwelings mittlerweile jemanden eingestellt. (Foto: Drießen)