food Perspektivwechsel Story

Grünkohl kennste? Denkste!

Diese Chips bestehen aus Grünkohl. Auch Wirsingchips vertreibt das Start-up Heimatgut. Eine Idee, die auch ein Gemüsebauer hätte haben können? (Foto: Drießen)

Maurice Fischer und Aryan Moghaddam aus Hamburg stellen Chips aus Wirsing und Grünkohl her. Vorher wussten sie wenig über Gemüse. Das war für die branchenfernen Gründer allerdings nicht die größte Hürde.

Grünkohl kommt nur mit Kartoffeln oder im Eintopf auf den Tisch? Von wegen. Wer das bisher gedacht hat, sollte seine Vorstellungen über das gesunde Gemüse ändern. Denn Grünkohl und Wirsing gibt es bei Maurice Fischer und Aryan Moghaddam von „Heimatgut“ aus Hamburg seit 2012 auch in knuspriger Chips-Form. In den Geschmacksrichtungen „Sour Cream Onion“ oder „Rote Bete & Limette“, ergeben sich bis dato völlig neue Geschmackskombinationen.

Wirsing wird Superfood

„Dass es ausgerechnet Wirsing wird, wussten wir vorher nicht“, erinnert sich der 31-jährige Maurice. „Wir wollten einfach einen Snack kreieren, der besser ist als die üblichen frittierten Kartoffelchips.“ Mit besser meint er gesünder und ordnet sein Start-up-Produkt damit als Superfood ein. Also als ein Lebensmittel, dessen Verzehr mit gesundheitsfördernden Effekten in Verbindung gebracht wird oder das zumindest viele Nährstoffe enthält. Da das Gemüse bei Heimatgut besonders schonend luftgetrocknet und nicht frittiert wird, bleiben die Nährstoffe erhalten. Darüber hinaus sind die Chips kalorienarm, vegan und glutenfrei. Die 35-g-Tüte kostet 2,79 €. 

Landwirte waren neugierig

Maurice ist auf der Suche nach einem geeigneten Gemüse nach dem Test-Prinzip vorgegangen. Sein Abschluss im International Business half ihm zwar, sein Start-up finanziell zu planen. In der privaten Testküche brachte das BWL-Wissen hingegen nichts. Dort probierte der immer schon an Lebensmitteln interessierte Gründer einfach aus. Als die Entscheidung für Wirsing und Grünkohl gefallen war, mussten Lieferanten her.

Wir arbeiteten uns in die Sorten ein und mussten eine finden, die große Blätter hat und sich gut einlagern lässt.

Maurice Fischer, Gründer von Heimatgut

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Maurice Fischer und Aryan Moghaddam aus Hamburg stellen Chips aus Wirsing und Grünkohl her. Vorher wussten sie wenig über Gemüse. Das war für die branchenfernen Gründer allerdings nicht die größte Hürde.

Grünkohl kommt nur mit Kartoffeln oder im Eintopf auf den Tisch? Von wegen. Wer das bisher gedacht hat, sollte seine Vorstellungen über das gesunde Gemüse ändern. Denn Grünkohl und Wirsing gibt es bei Maurice Fischer und Aryan Moghaddam von „Heimatgut“ aus Hamburg seit 2012 auch in knuspriger Chips-Form. In den Geschmacksrichtungen „Sour Cream Onion“ oder „Rote Bete & Limette“, ergeben sich bis dato völlig neue Geschmackskombinationen.

Wirsing wird Superfood

„Dass es ausgerechnet Wirsing wird, wussten wir vorher nicht“, erinnert sich der 31-jährige Maurice. „Wir wollten einfach einen Snack kreieren, der besser ist als die üblichen frittierten Kartoffelchips.“ Mit besser meint er gesünder und ordnet sein Start-up-Produkt damit als Superfood ein. Also als ein Lebensmittel, dessen Verzehr mit gesundheitsfördernden Effekten in Verbindung gebracht wird oder das zumindest viele Nährstoffe enthält. Da das Gemüse bei Heimatgut besonders schonend luftgetrocknet und nicht frittiert wird, bleiben die Nährstoffe erhalten. Darüber hinaus sind die Chips kalorienarm, vegan und glutenfrei. Die 35-g-Tüte kostet 2,79 €. 

Landwirte waren neugierig

Maurice ist auf der Suche nach einem geeigneten Gemüse nach dem Test-Prinzip vorgegangen. Sein Abschluss im International Business half ihm zwar, sein Start-up finanziell zu planen. In der privaten Testküche brachte das BWL-Wissen hingegen nichts. Dort probierte der immer schon an Lebensmitteln interessierte Gründer einfach aus. Als die Entscheidung für Wirsing und Grünkohl gefallen war, mussten Lieferanten her.

Wir arbeiteten uns in die Sorten ein und mussten eine finden, die große Blätter hat und sich gut einlagern lässt.

Maurice Fischer, Gründer von Heimatgut

Die Hamburger telefonierten mit Landwirten, die sie im Internet finden konnten, und stießen dort prinzipiell auf Neugier. „Die Bauern waren zwar offen, taten sich aber mit der Lieferung von Wirsing in Bioqualität schwer.“ Die Gründer erfuhren, dass Wirsing anfällig für Schädlinge ist und es daher in Deutschland nur wenig Erfahrung mit unbehandeltem Wirsing gibt.

Grünkohl, bevor er knusprig wird. (Foto: Heimatgut)

Schlussendlich meldete sich ein Gemüsebauer von der Insel Fehmarn von allein. Er hatte in der Zeitung von Heimatgut gelesen, machte ein Angebot und wurde für eine Zeitlang mit den Gründern einig. Als die Nachfrage stieg, wurde die Produktion nach Großbritannien verlegt, wo seitdem auch die Rohware angebaut wird.

Klinkenputzen

„Alles in allem war am Anfang eigentlich nicht die Beschaffung der Rohware schwer, sondern der Eintritt in den Lebensmitteleinzelhandel“, resümiert Maurice. Zuerst versuchten die Gründer ihre Produkte auf Wochenmärkten und in Feinkostläden bekannt zu machen. Das klappte aber erst, als die lokale Zeitung auf Heimatgut aufmerksam wurde. „Es gab schnell relativ viel Presse“, erinnert sich Maurice.

Die Wirsingchips waren was Verrücktes, darüber ließ sich gut berichten.

Maurice Fischer

Im Zuge dessen standen erste Gespräche mit dem Handel an. „Wir waren klassisch Klinken putzen. Aber das hatte überhaupt nur eine Chance, weil wir nicht die 57. Sorte Kartoffelchips im Angebot hatten, sondern etwas Neues“, sagt Maurice. Dann ging die Arbeit los.

Registrierungen, Strichcodes & Co.

„Bevor wir irgendwo gelistet werden konnten, wurden wir nach Hause geschickt, damit wir unsere Hausaufgaben machen.“ Es fehlten Registrierungen und Zertifizierungen, Infos zu Gebindeeinheiten, Strichcodes und Preiskalkulationen – alles Anforderungen, über die sich die Gründer selbst schlau machen mussten. Es klappte. „Jeder muss schauen, wo es individuell passt. Aber unsere erste Tüte lag rund sieben Monate nach der Idee in einem Edeka-Regal.“ Das ist schnell für ein Food-Start-up.

Mittlerweile ist Heimatgut in gut 30 % der Edeka-Filialen bundesweit vertreten sowie in allen Netto-Märkten, vielen Rewe-Filialen, einigen Budnikowski-Drogerien und Bioläden. Insgesamt rechnen die Gemüsechipshersteller von Heimatgut mit rund 2 bis 3 Mio. verkauften Tüten im Jahr 2018.