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Scheunengespräch: Da wächst etwas zusammen free

Auf dem zweiten f3-Scheunengespräch in Belm bei Osnabrück kamen Landwirte und Landwirtinnen, Gründer und Gründerinnen und Studierende zusammen. (Foto: Schildmann)

Gestern fand das bislang zweite f3-Scheunengespräch statt. Gründer fragten Landwirte nach ihren Herausforderungen und präsentierten neue Lösungen. Landwirte lieferten Knowhow und bekamen dafür Ideen und Inspiration. Es scheint: Das Netzwerk wächst – zusammen.

Digitales Netzwerk hin oder her – Es geht doch nichts über ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Das zeigte gestern das ausverkaufte f3-Scheunengespräch zum Thema „Finanzen und Versicherung“ im Gasthaus Lecon bei Osnabrück. Rund 140 Landwirte und Landwirtinnen, Agrarstudierende und ein buntes Gründer-Potpourri kamen zusammen, um über Trends und Entwicklungen der modernen Landwirtschaft zu diskutieren und sich darüber auszutauschen, wie „Gründer-Welt“ und Agrarbranche sich gegenseitig besser unterstützen können. Sponsoren des Events waren die LVM Versicherung und die Genossenschaftliche Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken.

Die Speaker des f3-Scheunengesprächs von links: Frederik Karnath (Kuhdo), Lars Abraham (Dropnostix), Moderator Matthias Schulze-Steinmann und Matthias Schmidt-Rex (Smart Hectar). (Foto: Schildmann)

Erst globale Impulse, dann persönlicher Austausch

Ein Eröffnungsvortrag und zwei kurze Start-up-Präsentationen bildeten den Auftakt zu einem Abend, bei dem der Austausch der Anwesenden im Mittelpunkt stand. So gab Matthias Schmidt-Rex, Geschäftsführer des AgTech-Accelerators Smart Hectar, Einblicke in die Arbeitsweise seines international agierenden Innovation Hubs. Er skizzierte die globalen Trends, die derzeit Gründungen und Geschäftsmodelle der Landwirtschaft prägen. So arbeiten viele Start-ups an Ideen in den Bereichen precision farming, smart farming (Farm-Managementtools) und farm robotics. Auch an der Analyse und Anwendung von Satellitendaten (remote services) versuchen sich AgTech-Gründer. „Allerdings“, so stellte Matthias Schmidt-Rex klar, „hinkt Deutschland im globalen Vergleich hinterher. Die wirklich großen Investments werden in den USA, in China und Indien getätigt. Europa taucht da nur unter ‚ferner liefen‘ auf.“

Investitionstechnisch taucht Europa erst unter „ferner liefen“ auf.

Matthias Schmidt-Rex

Im Hinblick auf den „Brückenschlag zwischen Landwirtschaft und Gründerszene“ appellierte er an die Gründer, ihre Technologien an die Praxis auf den Höfen anzupassen und auch anwendbar zu gestalten. Die zahlreich anwesenden Landwirte bat er um Offenheit neuen Technologien gegenüber: „Nehmt das Datenmanagement in den Betrieb mit auf.“ (Die Präsentation von Matthias Schmidt-Rex könnt ihr hier downloaden.)

Wie Agrar-Gründer angefangen sind

Dann waren die Gründer an der Reihe: Frederik Karnath von „Kuhdo“ und Lars Abraham von „dropnostix“ gaben tiefe Einblicke in ihre Erfahrungen. „Ich habe mir in den USA angeschaut, wie dort Milchpreissicherung betrieben wird“, erzählte Frederik. „Auch dort hat es sehr lange gedauert, bis die Landwirte sich an das Thema rangetraut haben.“ Geduld ist also angebracht bei dem Team, das mit seiner App die Milchpreissicherung an der Börse praxisnah gestalten möchte.

Dennoch ermutigte er gerade die Agrarstudierenden, ihre Bachelor- oder Masterarbeiten dazu zu nutzen, eine noch grobe Gründungsidee gründlich aufzuarbeiten. Auch bei ihm legte das den Grundstein, mit dessen Hilfe kurz darauf das Exist-Gründerstipendium und danach das Förderprogramm „dip Agrar“ der Landwirtschaftlichen Rentenbank und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung an Land gezogen wurde.

Wir haben hier einen Landwirt getroffen, der unser Produkt testen will. Sein Knowhow ist wertvoll für uns.

Lars Abraham

Lars Abraham arbeitet mit dropnostix daran, die verschiedenen Sensoren, die eine Milchkuh überwachen, in ein System zu integrieren. Im Gegensatz zu Kuhdo hat er dazu nach dem Auslaufen des Exist-Gründerstipendiums auch Risikokapital benötigt – das er über einen Investor auch erhalten hat. „In Deutschland herrscht allerdings eine andere Mentalität und Risikobereitschaft als beispielsweise in den USA“, sagte Lars. Das wirke sich vor allem in einem späteren Gründungsstadium aus, wenn das Start-up viel Wachstumskapital benötigt, um schneller auf den Markt zu kommen.

„Wissen ist auch eine Währung“

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde nur durch den langsam in den Raum einziehenden Duft von Pulled Pork unterbrochen – so viele spannende Fragen kamen aus dem Plenum: „Bremst die deutsche Überregulierung Gründungen aus?“, „Wieso brauchen Start-ups den Kontakt zu Landwirten und wie können sie sich gegenseitig finden?“, „Sterben gute Ideen, weil sie nicht rechtzeitig an Geld kommen?“ und „Können sich Landwirte eigentlich an Start-ups finanziell beteiligen?“

Können sich Landwirte eigentlich an Start-ups finanziell beteiligen?

Frage bei Podiumsdiskussion

Deutlich wurde – vor allem auch in den dann folgenden, den Abend prägenden Gesprächen der Gäste – dass Landwirtschaft und Gründerszene sich gegenseitig brauchen. Matthias Schmidt-Rex brachte es auf den Punkt. Er sagte: „Es geht gar nicht immer nur um eine finanzielle Beteiligung an Start-ups. Die Landwirte können Knowhow und Testflächen beisteuern. Wissen ist auch eine Währung.“

Innovativer Schäfer ausgezeichnet

Zu guter Letzt diente das f3-Scheunengespräch noch als Bühne für die Auszeichnung eines innovativen Quereinsteigers: Michael Stücke aus Löhne in Westfalen betreibt eine eigene Schäferei und vertreibt neben Fleisch- und Wurstprodukten im eigenen Hofladen auch Wolle, Felle, Teppiche und Schafmilchkosmetik. Kurz gesagt: Durch die Entwicklung innovativer Produkte aus Wolle kann er die Rohware komplett verwerten und Abfälle auf ein Minimum senken.

Er steigt in die Landwirtschaft ein, wenn viele bereits wieder aussteigen.

Prof. Dr. Wolf Lorleberg über Schäfer Michael Stücke

„Er steigt in die Landwirtschaft ein, wenn viele bereits wieder aussteigen.“ So formulierte es Prof. Dr. Wolf Lorleberg von der Fachhochschule Südwestfalen treffend in seiner Laudatio. Gemeinsam mit Stefan Schmidt vom Bund der Deutschen Landjugend überreichte er den Newbie-Award. Der Newbie-Wettbewerb richtet sich an Hofnachfolger und Start-ups, Quer- und Neueinsteiger in die Landwirtschaft oder aus der Wissenschaft, die sich mit innovativen Agrar-Ideen eine Existenz aufbauen wollen.

Strahlende Gesichter bei den Newbie-Preisträgern der Schäferei Stücke.

Nächste Termine

Das nächste Scheunengespräch findet am 18. September in der Nähe von Kiel zum Thema „Pflanzen- und Ackerbau“ statt. Auf f3.de/events halten wir euch auf dem Laufenden.

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