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Das grüne Gold

Der Cannabis-Markt ist in Bewegung. Wir geben Orientierung in einer Übersicht. (Foto: CascadeCreatives/stock.adobe.com)

Cannabis ist immer wieder Thema: In Berlin fand nun die International Cannabis Business Conference statt und die Lizenzen für den Anbau von medizinischem Cannabis wurden verteilt. Außerdem machen die Millionen-Investments in Cannabis-Start-ups weiterhin Schlagzeilen. Einblicke in den Markt und ein Überblick der neuesten Entwicklungen.

Hanf, Cannabis, Marihuana: Was ist was?

Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Der Begriff Cannabis schließt in Deutschland oft auch die Hanfpflanze und dessen Bestandteile mit ein. Die (getrockneten) Blüten der weiblichen Hanfpflanze werden als Marihuana bezeichnet. Nur diese enthalten sogenannte Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD). Aus dem Harz, den die Blüten der weiblichen Hanfpflanze ausscheiden, entsteht unter anderem Haschisch.

Was wird genutzt?

Aus den Fasern der Hanfpflanze werden nicht nur Textilien, sondern auch Seile, Papiere und Verpackungen hergestellt. Bestimmte Cannabinoide - THC und CBD sind die bekanntesten - sollen eine schmerzlindernde, entspannende oder angstlösende Wirkung haben. Sie werden in Deutschland mittlerweile von Ärzten verschrieben.

CBD ist auch in Form von Ölen, Tees oder als Pulver zu kaufen. Außerdem wird Cannabis vermehrt als Zutat in Lebensmitteln und Getränken genutzt und als Zusatzstoff in der Kosmetik.

Wie ist die (derzeitige) rechtliche Lage?

Seit 2016 ist der Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt. Auch Krankenkassen übernehmen Behandlungen mit Cannabis. Bislang muss das Medizin-Cannabis allerdings noch nach Deutschland importiert werden. Wie das Handelsblatt vergangene Woche berichtete, sind jetzt die Zuschläge für den Anbau in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verteilt worden (welche Start-ups siehe unten). Vor 2020 wird allerdings nicht mit einer Ernte gerechnet.

Während der Anbau von Medizin-Cannabis streng kontrolliert ist, wird Industriehanf für die Herstellung von CBD-Produkten in Deutschland schon länger angebaut. Die Interessenvertretung der Hanfbauern in Europa, die European Industrial Hemp Association, schätzt, dass 2013 europaweit rund 15.700 Hektar mit Indus­triehanf angebaut wurden. 2016 waren es schon 33.000 Hektar.

Wie entwickelt sich der Markt?

Dem vierten Cannabis-Report von Prohibition Partner zufolge - einem Londoner Start-up, das Zahlen und Daten zu den europäischen Cannabis-Märkten liefert - wird die Zahl der Patienten in den drei größten Märkten Italien, Niederlande und Deutschland im Jahr 2019 von 130.000 auf 225.000 ansteigen.

Bis zum Jahr 2029 könnte der Gesamtmarkt für medizinisches Cannabis auf 58 Mrd. € ansteigen. Der Apothekerverband Abda bestätigt positive Entwicklungen mit Zahlen aus den vergangenen Jahren: Bis 2018 hat sich die Zahl der verschriebenen Rezepte fast vervierfacht. Die Zahl der ausgegeben medizinischen Cannabis-Präparate ist von 44.000 auf 145.000 gestiegen.


Start-ups in der Übersicht

1. Import, Vertrieb, Forschung von medizinischem Cannabis

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Cannabis ist immer wieder Thema: In Berlin fand nun die International Cannabis Business Conference statt und die Lizenzen für den Anbau von medizinischem Cannabis wurden verteilt. Außerdem machen die Millionen-Investments in Cannabis-Start-ups weiterhin Schlagzeilen. Einblicke in den Markt und ein Überblick der neuesten Entwicklungen.

Hanf, Cannabis, Marihuana: Was ist was?

Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf. Der Begriff Cannabis schließt in Deutschland oft auch die Hanfpflanze und dessen Bestandteile mit ein. Die (getrockneten) Blüten der weiblichen Hanfpflanze werden als Marihuana bezeichnet. Nur diese enthalten sogenannte Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD). Aus dem Harz, den die Blüten der weiblichen Hanfpflanze ausscheiden, entsteht unter anderem Haschisch.

Was wird genutzt?

Aus den Fasern der Hanfpflanze werden nicht nur Textilien, sondern auch Seile, Papiere und Verpackungen hergestellt. Bestimmte Cannabinoide – THC und CBD sind die bekanntesten – sollen eine schmerzlindernde, entspannende oder angstlösende Wirkung haben. Sie werden in Deutschland mittlerweile von Ärzten verschrieben.

CBD ist auch in Form von Ölen, Tees oder als Pulver zu kaufen. Außerdem wird Cannabis vermehrt als Zutat in Lebensmitteln und Getränken genutzt und als Zusatzstoff in der Kosmetik.

Wie ist die (derzeitige) rechtliche Lage?

Die Lizenzen für den Anbau von medizinischem Cannabis wurden vergeben. (Foto:
Michael Fischer/Pexels)

Seit 2016 ist der Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke erlaubt. Auch Krankenkassen übernehmen Behandlungen mit Cannabis. Bislang muss das Medizin-Cannabis allerdings noch nach Deutschland importiert werden. Wie das Handelsblatt vergangene Woche berichtete, sind jetzt die Zuschläge für den Anbau in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) verteilt worden (welche Start-ups siehe unten). Vor 2020 wird allerdings nicht mit einer Ernte gerechnet.

Während der Anbau von Medizin-Cannabis streng kontrolliert ist, wird Industriehanf für die Herstellung von CBD-Produkten in Deutschland schon länger angebaut. Die Interessenvertretung der Hanfbauern in Europa, die European Industrial Hemp Association, schätzt, dass 2013 europaweit rund 15.700 Hektar mit Indus­triehanf angebaut wurden. 2016 waren es schon 33.000 Hektar.

Wie entwickelt sich der Markt?

Dem vierten Cannabis-Report von Prohibition Partner zufolge – einem Londoner Start-up, das Zahlen und Daten zu den europäischen Cannabis-Märkten liefert – wird die Zahl der Patienten in den drei größten Märkten Italien, Niederlande und Deutschland im Jahr 2019 von 130.000 auf 225.000 ansteigen.

Bis zum Jahr 2029 könnte der Gesamtmarkt für medizinisches Cannabis auf 58 Mrd. € ansteigen. Der Apothekerverband Abda bestätigt positive Entwicklungen mit Zahlen aus den vergangenen Jahren: Bis 2018 hat sich die Zahl der verschriebenen Rezepte fast vervierfacht. Die Zahl der ausgegeben medizinischen Cannabis-Präparate ist von 44.000 auf 145.000 gestiegen.


Start-ups in der Übersicht

Import, Vertrieb, Forschung von medizinischem Cannabis

Die Start-ups Cannamedical aus Köln sowie Farmako und Cansativa aus Frankfurt vertreiben medizinisches Cannabis in Deutschland, das sie aus anderen Ländern importieren. Farmako hat kürzlich ein Patent für die Herstellung von Cannabinoiden durch Biosynthese angemeldet.

Auch die Unternehmen ACA Müller ADAG Pharma aus Baden-Württemberg sowie die Fagron GmbH aus Barsbüttel importieren Cannabis-Blüten von der niederländischen Firma Bedrocan und vertreiben sie an Apotheken in Deutschland. Mit der Tochtergesellschaft Spektrum ist das weltweit führende Cannabis-Unternehmen Canopy Growth Corporation aus Kanada ebenfalls im deutschen Vertrieb tätig.

Anbau von medizinischem Cannabis

Zwei Tochter-Unternehmen kanadischer Firmen haben auch den Zuschlag für den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland bekommen: Aurora (vorher Pedanios GmbH) und Aphria. Als überraschend gilt der Zuschlag für das 2017 gegründete Berliner Start-up Demecan.

Sprays, Kapseln, Öle und andere Produkte

Zwar verkauft auch Adrexpharma medizinische Präparate mit CBD, allerdings sind diese nicht verschreibungspflichtig, weil der Hersteller die Dosierung sehr gering hält. Das Unternehmen Almirall handelt nicht direkt mit Cannabis-Blüten, sondern bietet ein Spray auf Basis von Blüten und Blättern an. Die AOP Orphan Pharmaceuticals vertreibt Canemes-Kapseln.

Die Drogeriekette dm führt CBD-Öle von Limucan in ihrem Sortiment. Murad Salameh hat das Unternehmen vor zwei Jahren gegründet. In Österreich verkauft das Start-Up Magu online und in zwei Shops Cannabisblüten, Hanftees und CBD-Öle.

Lebensmittel und Getränke

Auch Getränke auf Cannabis-Basis gibt es bereits am Markt. (Foto: Hempfy)

Immer mehr Getränke und Lebensmittel werden auf Cannabis-Basis hergestellt. So bietet Hemptastic aus München eine Limonade mit einem Saft aus Blüten, Blättern und Samen der Hanfpflanze an. Hempfy aus der Schweiz vertreibt verschiedene nicht-alkoholische Getränke auf Cannabis-Basis. Neben Tees gibt es mittlerweile auch Kaffee, Milch, Energy Drinks und bald vielleicht auch Cola mit Cannabis.

Hanf Natur ist ein Hersteller von Bio-Hanfprodukten. Im Online-Shop gibt es neben Nudeln und Müsli auch Schokolade aus Hanf. Hanf-Zeit verkauft neben Lebensmitteln außerdem Kosmetika und Tierfutter.

Weitere Start-ups

Das Start-up Landpack aus Bayern nutzt Hanf als Verpackungsmaterial für den Versand von Lebensmitteln. Das Start-up MedPayRX testet derzeit eine Blockchain-basierte, digitale App, um den Verschreibungsprozess zu vereinfachen, während das Schweizer Start-up CannaForce andere Unternehmen beim Anbau von Marihuana unterstützt und berät.