food Interview

Das interessiert mich nicht die Bohne – von wegen!

Die Ackerbohne zählte früher zu den Grundnahrungsmitteln. Heute stellt das Start-up "Bohnikat" Gerichte und Produkte aus der Hülsenfrucht her. (Foto: Bohnikat)

f3: Wo und wofür wird die Ackerbohne in Deutschland heute angebaut?

Cecilia Antoni: In Deutschland wird sie heute fast ausschließlich als Tierfutter angebaut oder als Speisebohne ins Ausland exportiert. In anderen Ländern wie zum Beispiel in Italien und dem arabischen Raum gilt die Ackerbohne als Delikatesse. Dort gibt es viele traditionelle Gerichte mit ihr wie Fave oder Foul. Die deutschen Küstenregionen mit den feuchten Böden eignen sich besonders gut für den Anbau. Im letzten Jahr wurden auf rund 50.000 ha Ackerbohnen angebaut.

Durch die Symbiose der Ackerbohne mit den Knöllchenbakterien wird Luftstickstoff in den Boden eingebracht und so auf natürliche Weise gedüngt.

Cecilia Antoni

Anspruchsvoller, aber lohnender Anbau

f3: Für wen lohnt sich der Anbau der Ackerbohne?

Aufgrund ihrer Luftstickstoffbindung im Boden profitieren die nachfolgenden Kulturen von der Ackerbohne. (Foto: Bohnikat)

Cecilia Antoni: Die Ackerbohne ist für alle Landwirte interessant, die ihre Fruchtfolgen auflockern möchten. Aufgrund ihrer Luftstickstoffbindung im Boden und ihrer tiefen Wurzel profitieren die nachfolgenden Kulturen von einem hohen Vorfruchtwert.

f3: Warum fristet die Ackerbohne bei Landwirten dennoch ein Nischendasein?

Cecilia Antoni: Ihr Anbau ist anspruchsvoller als der von Getreide und das Wissen darüber ist über die Zeit verloren gegangen. Zudem ist die Wertschöpfung für Tierfutter geringer als für die Humanernährung. Aber: Die Ackerbohne ist unverzichtbar für gesunde und fruchtbare Ackerböden, denn durch ihre Symbiose mit den Knöllchenbakterien wird Luftstickstoff in den Boden eingebracht und so auf natürliche Weise gedüngt. Für Bienen und Hummeln bieten ihre Schmetterlingsblüten außerdem eine wichtige Nahrungsquelle.

f3 - farm.food.future: Mit "Bohnikat" möchtest du der Ackerbohne wieder mehr Aufmerksamkeit schenken. Warum ist das nötig?

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Mit ihrem Start-up „Bohnikat“ möchte Cecilia Antoni die Ackerbohne wieder in den Fokus rücken und zurück auf den Speiseplan bringen. Im Interview erzählt sie, warum der Anbau sich auch für Landwirte und den Boden lohnt.

Ackerbohne
Cecilia Antoni ist Gründerin des Start-ups. (Foto: Bohnikat)

f3: Wo und wofür wird die Ackerbohne in Deutschland heute angebaut?

Cecilia Antoni: In Deutschland wird sie heute fast ausschließlich als Tierfutter angebaut oder als Speisebohne ins Ausland exportiert. In anderen Ländern wie zum Beispiel in Italien und dem arabischen Raum gilt die Ackerbohne als Delikatesse. Dort gibt es viele traditionelle Gerichte mit ihr wie Fave oder Foul. Die deutschen Küstenregionen mit den feuchten Böden eignen sich besonders gut für den Anbau. Im letzten Jahr wurden auf rund 50.000 ha Ackerbohnen angebaut.

Durch die Symbiose der Ackerbohne mit den Knöllchenbakterien wird Luftstickstoff in den Boden eingebracht und so auf natürliche Weise gedüngt.

Cecilia Antoni

Anspruchsvoller, aber lohnender Anbau

f3: Für wen lohnt sich der Anbau der Ackerbohne?

Ackerbohne
Aufgrund ihrer Luftstickstoffbindung im Boden profitieren die nachfolgenden Kulturen von der Ackerbohne. (Foto: Bohnikat)

Cecilia Antoni: Die Ackerbohne ist für alle Landwirte interessant, die ihre Fruchtfolgen auflockern möchten. Aufgrund ihrer Luftstickstoffbindung im Boden und ihrer tiefen Wurzel profitieren die nachfolgenden Kulturen von einem hohen Vorfruchtwert.

f3: Warum fristet die Ackerbohne bei Landwirten dennoch ein Nischendasein?

Cecilia Antoni: Ihr Anbau ist anspruchsvoller als der von Getreide und das Wissen darüber ist über die Zeit verloren gegangen. Zudem ist die Wertschöpfung für Tierfutter geringer als für die Humanernährung. Aber: Die Ackerbohne ist unverzichtbar für gesunde und fruchtbare Ackerböden, denn durch ihre Symbiose mit den Knöllchenbakterien wird Luftstickstoff in den Boden eingebracht und so auf natürliche Weise gedüngt. Für Bienen und Hummeln bieten ihre Schmetterlingsblüten außerdem eine wichtige Nahrungsquelle.

f3 – farm.food.future: Mit „Bohnikat“ möchtest du der Ackerbohne wieder mehr Aufmerksamkeit schenken. Warum ist das nötig?

Cecilia Antoni: Die Ackerbohne ist eine heimische Hülsenfrucht und wird in Deutschland schon seit ungefähr 300 n. Chr. angebaut. Im Mittelalter war sie Grundnahrungsmittel. In alten, deutschen Kochbüchern finden sich auch sehr viele Rezepte mit Ackerbohnen. Diese sind jedoch selten an die nachfolgenden Generationen weitergegeben worden. Das hängt unter anderem mit den Kriegs- und Nachkriegserlebnissen zusammen.

In diesen schwierigen Zeiten gab es oft nur Bohnen zu essen. Die Ackerbohne ist mit schlechten Erinnerungen verknüpft. Deshalb wurde sie später komplett vom Speiseplan gestrichen und geriet in Vergessenheit. Die jüngere Generation von heute hat meist noch nie von der Ackerbohne gehört.

Die Ackerbohne soll wieder auf den Speiseplan

f3: Warum sollte es wieder mehr Ackerbohnen auf dem Speiseplan geben?

Cecilia Antoni: Bei uns wächst ein Rohstoff, der – müssten wir ihn aus dem Ausland exportieren – längst das Label „Superfood“ hätte und wird dennoch nicht für die menschliche Ernährung genutzt. Die Ackerbohne schmeckt, ist sehr vielseitig und steckt voller wertvoller Nährstoffe. Wie alle Hülsenfrüchte hat sie einen hohen Proteingehalt, viele Ballaststoffe, viele Mineralien und Vitamine. Die Ackerbohne hat zudem kaum Fett und keine Allergene.

Derzeit ist es noch viel Handarbeit, weil wir viel experimentieren und Neues ausprobieren.

Cecilia Antoni

f3: Bohnikat stellt Produkte aus heimischen Hülsenfrüchten her. Woran arbeitet ihr zurzeit, wo produziert und verkauft ihr?

Cecilia Antoni: Wir entwickeln eine würzige Variante unserer gerösteten Ackerbohnen. Zudem wollen wir ein ganz neues Produkt aus der heimischen Ackerbohne in Angriff nehmen. Wir sind Mitglied bei dem Start-up-Hub KitchenTown in Berlin und produzieren auch dort. Derzeit ist es noch viel Handarbeit, weil wir viel experimentieren und Neues ausprobieren. Zu Kaufen gibt es unsere Produkte in Unverpackt-Läden. Wir wollen zukünftig in weiteren Läden vertreten sein.

f3: Was ist dein Hintergrund und der deiner Mitgründerin? Wie arbeitet ihr mit den Landwirten zusammen?

Cecilia Antoni: Ich bin Diplom-Kulturwirtin und Expertin für heimische Hülsenfrüchte. Anna ist Lebensmitteltechnologin und Köchin und hat mich bei der Entwicklung der Rezeptur unterstützt. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Landwirt, von dem ich meine Bohnen aktuell beziehe. Für die nächsten Jahre ist angedacht, dass ausgewählte Landwirte Ackerbohnen nur für Bohnikat anbauen.