food future Interview

Das Kochbuch der Zukunft

Rezepte App Kitchen Stories
Für Anfänger und Fortgeschrittene: Kitchenstories verbindet designorientierte Videos, die Lust aufs Kochen machen, und Schritt-für-Schritt-Kochanleitungen mit Bildern. (Foto: Kitchen Stories)

Kitchen Stories ist eine videobasierte App für Rezeptideen und Kochanleitungen. Weltweit wurde sie 16 Mio. Mal heruntergeladen. f3 sprach mit Gründerin Verena Hubertz über Food Trends, das Kochbuch und die Küche der Zukunft.

f3 - farm. food. future: Verena, Rezepte-Apps und Kochblogs gibt es sehr viele. Was macht KitchenStories anders?

Verena Hubertz: Wir verbinden designorientierte Videos, die Lust auf Kochen machen mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen mithilfe von Bildern. Wir wollten die Nutzerfreundlichkeit bei unserer App besser gestalten als andere. Während unseres BWL-Studiums hatten wir das Gefühl, dass es da nicht das Richtige für meine Mitgründerin Mingteng und mich gibt. Mingteng schaute bei Youtube gerne Kochshows, fand aber nur über Umwege zum Rezept. Ich als Kochanfängerin wusste bei Online-Rezepten und in Kochbüchern oft nicht, was Tranchieren oder Blanchieren bedeutet. Das wollten wir aufgreifen und verbinden.

f3:  Wie wichtig sind Food Trends für euer Unternehmen?

Verena Hubertz: Sehr wichtig, denn Essen wird nicht nur individueller, sondern auch globaler. Bei Kitchen Stories leben wir von Trends. Bei uns im Team gibt es das sogenannte Business Intelligence Team, das globale Food Trends aufspürt und diese dann an unsere Köche weitergibt.

f3: Hast du ein Beispiel für die Umsetzung?

Verena Hubertz, Gründerin und Geschäftsführerin von Kitchen Stories
Verena Hubertz ist Gründerin und Geschäftsführerin von Kitchen Stories. Mittlerweile gibt es die App in 150 Ländern.

Verena Hubertz: Wir sagen dem Koch: Probiere doch mal Coq au Vin, ein klassisches Gericht aus Frankreich, nutze die One Pot-Methode und gebe noch eine Zutat dazu, die gerade Trend ist. Daraus entwickelt der Koch ein Rezept zum Nachmachen. Wir arbeiten also mit einem Mix aus Dateninformationen und Kreativität für die Entwicklung unserer Rezepte.

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Kitchen Stories ist eine videobasierte App für Rezeptideen und Kochanleitungen. Weltweit wurde sie 16 Mio. Mal heruntergeladen. f3 sprach mit Gründerin Verena Hubertz über Food Trends sowie über das Kochbuch und die Küche der Zukunft.

f3 – farm. food. future: Verena, Rezepte-Apps und Kochblogs gibt es sehr viele. Was macht KitchenStories anders?

Verena Hubertz: Wir verbinden designorientierte Videos, die Lust auf Kochen machen mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen mithilfe von Bildern. Wir wollten die Nutzerfreundlichkeit bei unserer App besser gestalten als andere. Während unseres BWL-Studiums hatten wir das Gefühl, dass es da nicht das Richtige für meine Mitgründerin Mingteng und mich gibt. Mingteng schaute bei Youtube gerne Kochshows, fand aber nur über Umwege zum Rezept. Ich als Kochanfängerin wusste bei Online-Rezepten und in Kochbüchern oft nicht, was Tranchieren oder Blanchieren bedeutet. Das wollten wir aufgreifen und verbinden.

f3:  Wie wichtig sind Food Trends für euer Unternehmen?

Verena Hubertz: Sehr wichtig! Denn Essen wird nicht nur individueller, sondern auch globaler. Bei Kitchen Stories leben wir von Trends. Bei uns im Team gibt es das sogenannte Business Intelligence Team, das globale Food Trends aufspürt und diese dann an unsere Köche weitergibt.

f3: Hast du ein Beispiel für die Umsetzung?

Verena Hubertz: Wir sagen dem Koch: Probiere doch mal Coq au Vin, ein klassisches Gericht aus Frankreich, nutze die One Pot-Methode und gib noch eine Zutat dazu, die gerade Trend ist. Daraus entwickelt der Koch ein Rezept zum Nachmachen. Wir arbeiten also mit einem Mix aus Dateninformationen und Kreativität für die Entwicklung unserer Rezepte.

Synergien zwischen Start-up und Konzern, Software und Hardware

Verena Hubertz, Gründerin und Geschäftsführerin von Kitchen Stories
Verena Hubertz ist Gründerin und Geschäftsführerin von Kitchen Stories. Mittlerweile gibt es die App in 150 Ländern.

f3: Seit 2017 ist die BSH Group Mehrheitseigentümer von Kitchen Stories, zu der sonst so große Namen wie Bosch und Siemens gehören. Wie kam es dazu?

Verena Hubertz: Wir verbinden mit Kitchen Stories immer auch die Frage: Wie kochen wir digital in der vernetzen Küche der Zukunft? Das ist eine langfristige Frage, die sich nicht von heute auf morgen ändert. Wir wollten deswegen einen langfristigen Partner an unserer Seite, den wir mit der BSH Group und Haushaltsgeräteherstellern wie Bosch und Siemens gefunden haben. Hinzu kommt, dass derzeit jeder in dein Zuhause drängt und den Foodmarkt revolutionieren will: Amazon, Google und Apple. Da hat man als Start-up alleine nur schwer eine Chance.

Derzeit drängt jeder in dein Zuhause und will den Foodmarkt revolutionieren: Amazon, Google und Apple.

Verena Hubertz

f3: Wie sieht die Zusammenarbeit mit der BSH Group aus? 

Verena Hubertz: Wir schaffen Synergien, da die BSH mit den Produkten die Hardware stellt, während wir uns als Softwareentwickler und Content-Plattform sehen. Nur wenn Hardware und Software zusammenspielen und die Brücke über das Rezept geschlagen werden kann, findet ein sinnvoller, mehrwertstiftender Use Case für unsere Nutzer statt.  

Integration in die Küche von morgen

f3: Wo genau setzt eure App in der vernetzen Küche der Zukunft an?

Verena Hubertz: Die vernetzte Küche erleichtert unser Leben von der Inspiration durch Rezepte, dem automatisierten Einkauf bis hin zum Kochprozess. Wir als Kitchen Stories analysieren das Kochverhalten der Nutzer und können daraufhin passende, personalisierte Rezeptvorschläge unterbreiten. Die Einkaufsliste kann in Zukunft direkt via Online-Supermarkt-Integration bestellt werden. Viele Teile der vernetzten Küche sind heute bereits vorhanden wie z.B. Kameras im Kühlschrank oder die Möglichkeit Hausgeräte via App zu steuern.

f3: An was arbeitet ihr derzeit?

Verena Hubertz: Wir arbeiten gerade an der ganzheitlichen Verzahnung der Küche aus der Rezeptperspektive. Dafür ist eine strukturierte Datenbasis notwendig, damit zum Beispiel Zutaten und Zubereitungsmethoden maschinell analysiert und kombiniert werden können. Aus einem Rezept machen wir im Prinzip einen lesbaren Code. Wir sind gerade dabei diese technische Grundlage zu schaffen, um im nächsten Schritt die Küchenintegration zu ermöglichen.

Weniger Bürokratie, mehr Rollenvorbilder

f3: Werden wir in Zukunft überhaupt noch selbst kochen oder geschieht bald alles automatisch?

Verena Hubertz: Wir sind der Meinung, dass sich unser Kochverhalten nicht von heute auf morgen über Technologie ändern wird, sondern dass uns ein philosophischer Wandel bevorsteht. Das ist auch in Ordnung, denn zum Großteil wird Kochen immer etwas Physisches bleiben. Wir wollen über Kitchen Stories das Kochen über Technologie einfacher gestalten.

2014 gründeten Verena und Mingteng ihr Unternehmen. Investoren waren zunächst nicht interessiert. (Foto: kitchenstories)

f3: Du sagtest schon öfter, dass die Startbedingungen für die Gründung nicht leicht waren. Was genau meinst du damit?

Verena Hubertz: Wir waren zwei BWL-Studentinnen, die von der Uni kamen. Wir hatten noch kein Video gedreht, nicht viel Kocherfahrung und konnten auch nicht programmieren. Wir haben uns trotzdem Investoren vorgestellt, aber kein Geld eingesammelt. Mit etwas Eigenkapital und Geld von Familie und Freunden hatten wir letztendlich doch genug Kapital für die Gründung einer GmbH. Als es nach dem Launch gut für uns lief, auch weil Apple unsere App immer wieder prominent platzierte, waren die Investoren interessiert. Ich wünsche mir aber vorher schon bessere Startbedingungen und einen einfacheren Zugang zu Kapital für Start-ups.

Wir sollten auch Schulen besuchen und dort mehr über Ideen und Innovationen sprechen.

Verena Hubertz
Food-Trends aus Sicht eines Venture Capitalist

f3: Wo steht ihr jetzt?

Verena Hubertz: Nach fünf Jahren seit der Gründung sind wir ein Team von 45 Mitarbeitern und unsere App gibt es in 150 Ländern auf allen Kanälen: Website, Apple TV, Android TV, Amazon TV, Echo und Fire Handy, Smartwatch und in der Zukunft auch in die vernetzte Küche integriert.

f3: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Verena Hubertz: Mehr Rollenvorbilder, vor allem für Gründerinnen. Wir sollten auch Schulen besuchen und dort mehr über Ideen und Innovationen sprechen. Dazu brauchen wir vereinfachte Startbedingungen für alle, die Ideen haben und motiviert sind, diese auch umzusetzen.