Gründerwerkstatt Perspektivwechsel

Das Rad nicht immer neu erfinden

Bei der Vermeidung von Fehlern gilt es, das Rad nicht ständig neu zu erfinden. Man kann auch der Spur anderer Gründer folgen. (Foto: bohbeh/stock.adobe.com)

Wie können Gründer und Gründerinnen beim Aufbau ihres Start-ups Fehler vermeiden? Wieso ist der Austausch untereinander so fruchtbar? Und wo liegen dabei die Fallstricke? Digitalexpertin und Gründerin Julia Kasper gibt Einblicke.

f3 - farm. food. future. Die Gründung eines Start-ups oder eines neuen Betriebszweiges durchläuft oftmals ähnliche Phasen. Gründer und Gründerinnen haben teilweise dieselben Probleme wie ihre Kollegen. Damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss - wo gibt es Hilfe?

Digitalexpertin Julia Kasper

Julia Kasper: Gründer helfen sich zu einem großen Maße untereinander und das ist ein wertvolles Pfund. Sie sind eigentlich immer gleich beim „Du“ und ich habe auch das Gefühl, dass sie zu allermeist untereinander offen sprechen. Wer mutig und offen Fragen stellt, profitiert selbst und regt den Gesprächspartner gleichzeitig durch die interessanten Fragen zu neuen Gedanken, Impulsen und Ideen an. Dann haben beide Seiten etwas von dem Austausch.

Start-ups sind ja dafür bekannt, dass sie oft schneller handeln als alteingesessene Betriebe. Aber beim schnellen Entscheiden passieren auch öfter Fehler, die im Kurs schnell korrigiert werden müssen. Diese Fehler untereinander zu teilen, ist wichtig. Zum Beispiel gibt es die sogenannten „Fuck-up nights“, bei denen Gründer mit anderen Gründern ihr größtes Missgeschick oder die Gründe ihres Scheiterns besprechen.

In der Start-up-Branche gibt es Angeber und Besserwisser, die dazu beitragen, dass manche Start-ups als arrogant wahrgenommen werden.

Julia Kasper

Ein Nachteil dieser Mitteilungsfreude sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben: In der Start-up-Branche gibt es Angeber und Besserwisser, die mit ihrer Art dazu beitragen, dass manche Start-ups als arrogant wahrgenommen werden. Hier braucht jeder einen eigenen, feinen Kompass, um entscheiden zu können, welche Erkenntnisse er für sich aufnimmt und welche gut gemeinten Ratschläge er einfach links liegen lässt.

Und zuletzt gibt es auch noch andere Player am Markt, die Hilfe versprechen. Das sind selbsternannte Digitale Evangelisten und Berater. Sicherlich gibt es darunter viele gute Leute, die in einigen Bundesländern auch gefördert werden. Aber es ist durchaus Vorsicht geboten. Ich kenne einige Gründer, die einen ersten Anteil an Eigenkapital an diese Berater vergeben haben ohne wirklichen Output. Man muss genau hinschauen.

Austausch, Austausch, Austausch

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Wie können Gründer und Gründerinnen beim Aufbau ihres Start-ups Fehler vermeiden? Wieso ist der Austausch untereinander so fruchtbar? Und wo liegen dabei die Fallstricke? Digitalexpertin und Gründerin Julia Kasper gibt Einblicke.

f3 – farm. food. future. Die Gründung eines Start-ups oder eines neuen Betriebszweiges durchläuft oftmals ähnliche Phasen. Gründer und Gründerinnen haben teilweise dieselben Probleme wie ihre Kollegen. Damit nicht jeder das Rad neu erfinden muss – wo gibt es Hilfe?

Digitalexpertin Julia Kasper

Julia Kasper: Gründer helfen sich zu einem großen Maße untereinander und das ist ein wertvolles Pfund. Sie sind eigentlich immer gleich beim „Du“ und ich habe auch das Gefühl, dass sie zu allermeist untereinander offen sprechen. Wer mutig und offen Fragen stellt, profitiert selbst und regt den Gesprächspartner gleichzeitig durch die interessanten Fragen zu neuen Gedanken, Impulsen und Ideen an. Dann haben beide Seiten etwas von dem Austausch.

Start-ups sind ja dafür bekannt, dass sie oft schneller handeln als alteingesessene Betriebe. Aber beim schnellen Entscheiden passieren auch öfter Fehler, die im Kurs schnell korrigiert werden müssen. Diese Fehler untereinander zu teilen, ist wichtig. Zum Beispiel gibt es die sogenannten „Fuck-up nights“, bei denen Gründer mit anderen Gründern ihr größtes Missgeschick oder die Gründe ihres Scheiterns besprechen.

In der Start-up-Branche gibt es Angeber und Besserwisser, die dazu beitragen, dass manche Start-ups als arrogant wahrgenommen werden.

Julia Kasper

Ein Nachteil dieser Mitteilungsfreude sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben: In der Start-up-Branche gibt es Angeber und Besserwisser, die mit ihrer Art dazu beitragen, dass manche Start-ups als arrogant wahrgenommen werden. Hier braucht jeder einen eigenen, feinen Kompass, um entscheiden zu können, welche Erkenntnisse er für sich aufnimmt und welche gut gemeinten Ratschläge er einfach links liegen lässt.

Und zuletzt gibt es auch noch andere Player am Markt, die Hilfe versprechen. Das sind selbsternannte Digitale Evangelisten und Berater. Sicherlich gibt es darunter viele gute Leute, die in einigen Bundesländern auch gefördert werden. Aber es ist durchaus Vorsicht geboten. Ich kenne einige Gründer, die einen ersten Anteil an Eigenkapital an diese Berater vergeben haben ohne wirklichen Output. Man muss genau hinschauen.

Austausch, Austausch, Austausch

f3 – farm. food. future. Wann ist der perfekte Zeitpunkt, um mit anderen über seine Idee zu reden und Hilfe einzufordern? Wen sollte ein Gründer auf der Suche nach Hilfe zuerst ansprechen?

Julia Kasper: Je früher, desto besser. Am besten geht man mit der ersten Idee und den ersten Gedanken direkt raus aus dem Schneckenhaus und bespricht dies mit der Welt da draußen. So sammele ich schnell Feedback, das ich wieder nutzen kann, um meine Idee zu verbessern. Dieser Ansatz („evidence-based entrepreneurship“) ist wirklich wichtig! So kann ich meine Zielgruppe besser definieren und die Probleme meiner potenziellen Kunden identifizieren. Ich finde so deren Bedarf, also den „Job-To-Be-Done“, das mein Produkt/Service lösen soll.

In vielen Regionen gibt es Events, bei denen Gründer ihre Ideen vorstellen können. Das ich wichtig, um sich mit seiner Idee zu zeigen und Feedback einzuholen. Also, raus mit der Idee, sobald man sie beschreiben kann! Das spart Zeit und kostenintensive Fehler!

f3 – farm. food. future. Irgendwann kommt häufig der Punkt, an dem Start-ups die Hilfe von etablierten Betrieben benötigen: Wie spreche ich z.B. Tischlereien oder landwirtschaftliche Betriebe an?

Julia Kasper: Start-ups sind erstmal neu an einem Markt. Sie brauchen also oftmals Hilfe beim Markteintritt und den Zugang zu ihrer Zielgruppe. Genau diesen Zugang zur Zielgruppe haben ja die etablierten Unternehmen. In vielen Fällen kann also eine Kooperation sehr sinnvoll sein. Anders herum profitieren etablierte Unternehmen von der agilen Arbeits- und Denkweise von Start-ups. Win-Win!

Gründer sollten also aktiv den Kontakt mit den etablierten Playern suchen. Und zwar dort, wo sich diese auch aufhält. Ich habe damals mit holzgespür beispielsweise Vorträge bei Tischler- und Schreinerinnungen deutschlandweit gehalten. Das war zwar zeitintensiv, hat mir aber viel Feedback und direkte Kontakte gebracht. Zudem hatte ich einen Fürsprecher, der zum Thema Digitales Handwerk viel unterwegs war und viel von unserem Vorhaben berichtet hat. Das hat ebenso geholfen, Vertrauen und Netzwerk im Handwerk aufzubauen.


Perspektivwechsel mit Julia Kasper

Julia Kasper, 32 Jahre, ist Gründerin von holzgespür, einem Online-Konfigurator für Massivholzmöbel. Sie ist Expertin zum Thema „Digitalisierung im Handwerk“ und Mitglied im Beirat Junge Digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium. In der Rubrik „Perspektivwechsel“ führt f3 regelmäßig Interviews mit ihr.