digital farm future

Das technologische Wettrennen hat begonnen – Ausgang ungewiss

Precision Farming ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Welternährung - das ist das Ergebnis einer Roland Berger-Studie. (Foto: Adobestock/kossmoss)

Die Weltbevölkerung wächst, das Agrarland schrumpft – Precision Farming ist nur eine der Techniken, die diese wachsende Lücke schließen soll. Doch ist das ausreichend? Eine Studie aus dem Haus Roland Berger plädiert klar dafür. 

10 Mrd. Menschen werden 2050 auf unserer Erde leben - 10 Mrd. Menschen, die ernährt werden wollen. Eine Aufgabe, die ausschließlich die zukünftige Landwirtschaft erfüllen muss. 2050 wird jedoch nur noch ein Viertel so viel Fläche pro Kopf zur Verfügung stehen, wie noch vor 60 Jahren. So weiter machen wie bisher, ist also keine Option. Das ist das Ergebnis einer Studie der Roland Berger Holding. Ihr Titel „Farming 4.0: How precision agriculture might save the world“ zeigt auch direkt die Lösung auf: Ein Plädoyer für digitalisierte und intelligente Landwirtschaft.

Traditionell geringe Risikoaffinität

Doch nicht nur das Bevölkerungswachstum bereitet den Herausgebern Sorgen. Ebenso schwierig sehen sie das steigende Alter der aktiven Landwirte und der finanzielle Druck, unter dem sie stehen. Gekoppelt mit ihrer traditionell geringen Risikoaffinität seien es für Landwirte besonders schwer in unbekannte Technologien zu investieren. Doch genau dieses seien das, was die Welt noch retten könne, heißt es in der Studie.

Technische Innovationen eröffnen ein neues Kapitel in der Landwirtschaft. Besonders stehen dabei die Hardware, Software, Sensoren, Biologicals, künstliche Intelligenz und digitale Datenverwertung im Fokus.

Roland Berger

Einige Zahlen sollen die These stützen: Insgesamt flossen allein 2017 rund 4,2 Mrd. US-Dollar in den Bereich Agrar- und Lebensmitteltechnologie. Als Beispiel wird der Bayer-Konzern genannt: Das Unternehmen habe ein Team von mehr als 400 Fachleuten zusammengestellt und rund 1,25 Mrd. US-Doller investiert, um die Entwicklung digitaler Angebote für Landwirte voranzutreiben.

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Die Weltbevölkerung wächst, das Agrarland schrumpft – Precision Farming ist nur eine der Techniken, die diese wachsende Lücke schließen soll. Doch ist das ausreichend? Eine Studie der Roland Berger Unternehmensberatung plädiert klar dafür. 

10 Mrd. Menschen werden 2050 auf unserer Erde leben – 10 Mrd. Menschen, die ernährt werden wollen. Eine Aufgabe, die ausschließlich die Landwirtschaft erfüllen muss. 2050 wird jedoch nur noch ein Viertel so viel Fläche pro Kopf zur Verfügung stehen, wie noch vor 60 Jahren. So weiter machen wie bisher, ist also keine Option. Das ist das Ergebnis einer Studie der Roland Berger Unternehmensberatung. Ihr Titel „Farming 4.0: How precision agriculture might save the world“ zeigt auch direkt die Lösung auf: Ein Plädoyer für digitalisierte und intelligente Landwirtschaft.

Traditionell geringe Risikoaffinität

Doch nicht nur das Bevölkerungswachstum bereitet den Herausgebern Sorgen. Für ebenso schwierig halten sie das steigende Alter der aktiven Landwirte und der finanzielle Druck, unter dem sie stehen. Gekoppelt mit ihrer traditionell geringen Risikoaffinität sei es für Landwirte besonders schwer, in unbekannte Technologien zu investieren. Doch genau das sei der Weg, den Herausforderungen zu begegnen, heißt es in der Studie.

Nur die digitale Landwirtschaft ist ein Wachstumsmarkt, der es schaffen kann, jährlich knapp 13 % zuzulegen.

Roland Berger

Einige Zahlen sollen die These stützen: Insgesamt flossen allein 2017 weltweit rund 4,2 Mrd. US-Dollar in den Bereich Agrar- und Lebensmitteltechnologie. Als deutscher Vorreiter wird der Bayer-Konzern genannt: Das Unternehmen habe ein Team von mehr als 400 Fachleuten zusammengestellt und rund 1,25 Mrd. US-Doller investiert, um die Entwicklung digitaler Angebote für Landwirte voranzutreiben.

Auf der Start- und Risikokapitalseite seien die Investitionen ebenfalls immens gewachsen. Der Wert von VC-Deals im agtech-Bereich wird auf rund 1,3 Mrd. US-Dollar (Stand 2017) geschätzt. Die USA sind weltweit führend bei Investitionen im Bereich agtech mit einem Gesamtvolumen von über 1,8 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016, gefolgt von China (480 Mio. US-Dollar), Indien (350 Mio. US-Dollar) und Kanada (150 Mio. US-Dollar).

Laut Nachrichtenportal der VC-Plattform agfunder sind die Investitionen in 2018 nochmals gestiegen. Es waren es in den USA gut 7 Mrd. Euro und in China flossen gut 3 Mrd. Euro an Start-ups aus dem Agrarberreich.

Innovation sei jedoch nicht auf bevölkerungsreiche Länder beschränkt, so die Studie. Israel, das als Drehscheibe für Start-ups bekannt ist, hat sogar die USA – pro Kopf – für Investitionen in Agtech-Produkte übertroffen.

Technische Innovationen eröffnen ein neues Kapitel in der Landwirtschaft. Dabei stehen besonders Hardware, Software, Sensoren, Biologicals, künstliche Intelligenz und digitale Datenverwertung im Fokus.

Roland Berger

Landwirtschaftsferne Unternehmen investieren

Der Fokus globaler Unternehmen liege auf Flottenmanagementlösungen zur Verbesserung der Produktivität. Ebenso wie auf der Überwachung des Maschinenzustands und vorbeugenden Wartungen. Große Erstausrüster versuchen sich an Boden- und Ertragskartierung, Schädlings- und Unkrauterfassung sowie Präzisionstechnologie im Betriebsmanagement.

Auch Automobilzulieferer interessierten sich für Präzisionslandwirtschaft. Bosch zum Beispiel arbeitet mit Start-ups zusammen, die sensorgestützte Lösungen für die Landwirtschaft entwickeln.

Technologie-Schwergewichte wie IBM, Amazon und Microsoft setzen ebenfalls auf Precision Farming. Auf der kleinen, aber schnell wachsenden Seite konzentrieren sich Start-ups auf selektive Angebote in den alternativen landwirtschaftlichen Bereichen. Sie seien besonders ergebnisorientiert und daher für Landwirte attraktiv. Dennoch zögern einige Primärakteure.

Landwirte mittendrin

Für Landwirte sei dieser Übergang nicht einfach, so die Studienmacher weiter. Während das traditionelle Geschäftsmodell meistens noch die Rechnungen bezahlt und dies wahrscheinlich für einige Zeit tun wird, sei es eine Herausforderung, einen alternativen Ansatz mit entsprechenden Anreizen und einem entsprechenden Druck zu entwickeln und zu fördern.

Die aktuellen Herausforderungen können nur durch eine stärkere Zusammenarbeit der Landwirte untereinander überwunden werden. Ein Netzwerk untereinander ist unabdingbar.

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Doch das Ergebnis der Studie steht fest:  Precision Farming ist die Zukunft und die „Schlüsselzutat“, um eine nachhaltige Nahrungsmittelversorgung für eine wachsende Weltbevölkerung sicherzustellen. Etablierte Unternehmen und Neueinsteiger im Raum sehen offenbar eine große Chance vor sich. Viele etablierte Unternehmen und die Landwirte selbst stehen jedoch vor der Herausforderung, ihr zukünftiges Potenzial auszuschöpfen.