digital farm Interview

Das Uber der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in Afrika ist von kleinbäuerlichen Strukturen geprägt. Den meisten Landwirten fehlt das Kapital für die Anschaffung von Traktoren und Landmaschinen. (Foto: Viktor Hanacek.cz)

f3 - farm. food. future: Jehiel, wie kommt man als Investment-Banker mit der Landwirtschaft in Berührung?

Jehiel Oliver, Gründer von Hello Tractor, auf dem Innovationsdialog des BMZ. (Foto: GIZ/ Jakob)
Jehiel Oliver: Ich habe fünf Jahre im Investment-Bereich gearbeitet, bevor ich mich innerhalb dessen etwas „sozialer“ aufstellen wollte. Ich habe in den USA, wo ich geboren und aufgewachsen bin, dann für verschiedene Mikrofinanzinstitute gearbeitet und kam darüber zum afrikanischen Markt. Viele der Mikrokreditnehmer waren Landwirte aus Afrika, denen wir aber meistens keine passenden Kreditprodukte anbieten konnten. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und mir die Strukturen in der Landwirtschaft genauer angeschaut.

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Jehiel Oliver war Investment-Banker in den USA, bevor er die Maschinen-Sharing-Plattform Hello Tractor in Afrika gründete. Im Interview erzählt er, wie es zur Gründungsidee kam, warum der erste Ansatz nicht funktionierte und wo das Start-up heute steht.

f3 – farm. food. future: Jehiel, wie kommt man als Investment-Banker mit der Landwirtschaft in Berührung?

Jehiel Oliver, Gründer von Hello Tractor, auf dem Innovationsdialog des BMZ. (Foto: GIZ/ Jakob)

Jehiel Oliver: Ich habe fünf Jahre im Investment-Bereich gearbeitet, bevor ich mich innerhalb dessen etwas „sozialer“ aufstellen wollte. Ich habe in den USA, wo ich geboren und aufgewachsen bin, dann für verschiedene Mikrofinanzinstitute gearbeitet. Darüber kam ich zum afrikanischen Markt. Viele der Mikrokreditnehmer waren Landwirte aus Afrika, denen wir aber meistens keine passenden Kreditprodukte anbieten konnten. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und mir die Strukturen in der Landwirtschaft genauer angeschaut.

Wir haben unser Geschäftsmodell an den afrikanischen Markt angepasst.

Jehiel Oliver

f3 – farm. food. future : Wie ging es weiter?

Jehiel Oliver: Ich habe festgestellt, dass es den Landwirten an Mechanisierung fehlt. 2014 habe ich Hello Tractor gegründet, um Traktoren an Landwirte in Nigeria zu verkaufen. Das hat aber nicht funktioniert, weil das Kapital für die Anschaffung bei den Landwirten nicht da ist. Trotzdem gibt es eine Nachfrage nach Traktoren und Landmaschinen in Afrika, die die Arbeit auf dem Feld erleichtern.

Traktoren, die gerade nicht genutzt werden, zeigt die App von Hello Tractor an. (Foto: Hello Tractor)

f3 – farm. food. future : Wieso habt ihr in Nigeria gestartet?

Jehiel Oliver: Ich habe gesehen, dass es einen riesigen Markt gibt mit viel Land, das es zu bewirtschaften gilt. Dabei wird die nigerianische Bevölkerung immer älter und junge Leute zieht es immer öfter in die Städte. Da dachte ich, dass Traktoren gebraucht werden und wollte sie dort verkaufen. Aber ich glaube nicht, dass ich am Anfang verstanden habe, wie der Markt in Afrika funktioniert. Deswegen haben wir unser Geschäftsmodell nach zwei Jahren an den afrikanischen Markt angepasst.

Landwirte nutzen Traktoren bei Bedarf und zahlen für die Nutzung

f3 – farm. food. future : Was macht ihr jetzt bei Hello Tractor?

Jehiel Oliver: Wir haben eine Technologie entwickelt, die Traktor-Besitzer und Traktor-Nutzer über eine IoT-Lösung zusammenbringt. Die Hardware wird auf den Traktor installiert. Durch GPRS und SMS Daten kann die Nutzungszeit gemessen und der Standort des Traktors lokalisiert werden. Die Besitzer können ihre Traktoren voll nutzen und lange Standzeiten vermeiden. Die Landwirte können Traktoren bei Bedarf leihen und lediglich für die Nutzung zahlen, anstatt einen Traktor zu kaufen.

Unsere Plattform wertet aus, wo es freie Traktoren gibt und bringt Anbieter und Nachfrager zusammen, ähnlich wie bei Uber.

Jehiel Oliver

f3 – farm. food. future : Wie läuft der Prozess ab?

Jehiel Oliver: Die Traktor-Besitzer können sich bei den Agenten melden und listen lassen. Die Landwirte fragen zum Beispiel via SMS bei der Agentur an. Unsere Plattform wertet aus, wo es freie Traktoren gibt und bringt Anbieter und Nachfrager zusammen, ähnlich wie bei Uber. Traktor-Besitzer können Unternehmer, Banken oder Privatleute sein. John Deere ist unser Partner, der in den kommenden Jahren 10.000 Traktoren auf den afrikanischen Markt bringt und sie dort verkauft. Die Besitzer können ihre Traktoren dann an kleine Landwirte verleihen.

f3 – farm. food. future : Welches Businessmodell steckt dahinter? Wie verdient ihr Geld?

Jehiel Oliver: Wir verkaufen den Besitzern zum einen die Hardware, also das Gerät, das auf den Traktor installiert wird. Zum anderen zahlt der Traktor-Besitzer für die Nutzung unserer Software und App, mit dessen Hilfe er die Nachfrage im Netzwerk organisiert und die optimale Ausnutzung der Maschine regeln kann.

Blockchain-Technologie soll helfen

f3 – farm. food. future : Derzeit testet ihr mit IBM Research Africa eine Blockchain-Technologie. Was soll getestet werden? Was ist demnächst geplant?

Jehiel Oliver: Wir arbeiten an einer Blockchain-Technologie, die es ermöglicht Daten zu erfassen, zu verfolgen und mit allen Gliedern der Wertschöpfungskette zu teilen. Wir starten nun in die Testphase. Außerdem wollen wir auch in anderen Ländern wie Kenia, Mosambik, Senegal, Tansania und Bangladesh mit John Deere und anderen Herstellern zusammen arbeiten.