digital farm future

Den Datenschatz heben – aber wie?

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts - und auf landwirtschaftlichen Betrieben allgegenwärtig. (Foto: wilkat/stock.adobe.de)

Es könnte alles so einfach sein: Digitalisierung macht die Landwirtschaft effizienter, transparenter und ressourcenschonender. In der Praxis heißt es leider viel zu oft: Ist es aber nicht. Mit ihren Eigenarten erschweren landwirtschaftliche Daten den digitalen Wandel. Und nicht nur sie.

Eines wurde Anfang November an der Fachhochschule Soest schnell deutlich: Daten aus der Landwirtschaft haben einen erheblichen ökonomischen Wert. Sie sind zu einem eigenständigen - zukünftig womöglich zum bedeutensten - Produktionsfaktor geworden. Der Datenschatz, auf den Landwirte heute schon sitzen, wirft allerding eine Vielzahl an Fragen auf. Der Expertenworkshop "Digitalisierung und Datenschutz in der Landwirtschaft" nahm sich dieser an.

Ganz analog wurde am Fachbereich Agrarwirtschaft der FH Soest über Daten diskutiert. (Foto: Schröder)

Auf Einladung des forschungsnetzwerk nrw agrar diskutierten vier Referenten und knapp 40 Teilnehmer insbesondere über die Themen Datenhoheit und Datenaustausch und waren sich einig: Die moderne Landwirtschaft braucht die Digitalisierung. Denn auf konventionellem Wege bestehen kaum noch Möglichkeiten, Erträge zu steigern und Ressourcen einzusparen. Die neuen Zauberwörter heißen Individualisierung und Kooperation. Datenerhebung und -sharing machen es möglich.
Theoretisch.
 

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Es könnte alles so einfach sein: Digitalisierung macht die Landwirtschaft effizienter, transparenter und ressourcenschonender. In der Praxis heißt es leider viel zu oft: Ist es aber nicht. Mit ihren Eigenarten erschweren landwirtschaftliche Daten den digitalen Wandel. Und nicht nur sie.

Eines wurde Anfang November an der Fachhochschule Soest schnell deutlich: Daten aus der Landwirtschaft haben einen erheblichen ökonomischen Wert. Sie sind zu einem eigenständigen – zukünftig womöglich zum bedeutensten – Produktionsfaktor geworden. Der Datenschatz, auf den Landwirte heute schon sitzen, wirft allerding eine Vielzahl an Fragen auf. Der Expertenworkshop „Digitalisierung und Datenschutz in der Landwirtschaft“ nahm sich dieser an.

Ganz analog wurde am Fachbereich Agrarwirtschaft der FH Soest über Daten diskutiert. (Foto: Schröder)

Auf Einladung des forschungsnetzwerk nrw agrar diskutierten vier Referenten und knapp 40 Teilnehmer insbesondere über die Themen Datenhoheit und Datenaustausch und waren sich einig: Die moderne Landwirtschaft braucht die Digitalisierung. Denn auf konventionellem Wege bestehen kaum noch Möglichkeiten, Erträge zu steigern und Ressourcen einzusparen. Die neuen Zauberwörter heißen Individualisierung und Kooperation. Datenerhebung und -sharing machen es möglich.
Theoretisch.
 

Status: Es ist kompliziert

Dr. Ansgar Bernardi vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz zeigte auf, wo in der Praxis die Probleme liegen: Gängige Mechanismen zur Standardisierung von Produktionsprozessen greifen bei landwirtschaftlichen Daten nicht. Zu unterschiedlich seien die einzelbetrieblichen Verhältnisse. Zu unberechenbar äußere Einflüsse wie Wetter und Witterung. Zu festgefahren etablierte Wertschöpfungsketten.

Ein Beispiel: Für eine optimale Nährstoffverteilung ist es wichtig, den Streuer je nach verwendetem Dünger individuell einzustellen. In der Praxis unterscheiden sich jedoch schon einzelne Dünge-Chargen. Wäre es da nicht gut, eine Probe jeder Charge zu analysieren, um dem Landwirt die perfekte Maschineneinstellung zu seiner Düngerbestellung gleich mitzuliefern? Theoretisch ja – praktisch kommen im Landhandel jedoch alle Einzellieferungen in ein großes Silo. Vorbei mit der Individualität.

Uns fehlt es aktuell an einem Verständnis für den gemeinsamen Nutzen geteilter Daten.

Ansgar Bernardi

Ähnliches stellt Bernardi beim Thema Kooperation fest. Seine Idee: Standortbezogene Informationen, zum Beispiel über die Befahrbarkeit von Schlägen und Feldwegen, auf Basis von OpenStreetMap allen zugänglich machen. Die Landwirte in seiner Testregion waren vom Nutzen des Projektes sofort überzeugt. Eigene Daten zur Verfügung stellen wollte allerdings fast keiner. „Uns fehlt es aktuell an einem Verständnis für den gemeinsamen Nutzen geteilter Daten“, stellt der Wissenschaftler fest.

Und wem gehört’s?

Wem gehören die Daten? free

Ebenso offen ist und bleibt die Frage, wem die auf den Höfen anfallenden Daten eigentlich gehören. Rechtsanwalt Alexander Westphal vom Rheinischen Landwirtschaftsverband verdeutlichte in seinem Vortrag zwei Problemdimensionen der Datenhoheit. Problem Nummer 1: Eigentum ist im deutschen Recht nur für Sachen definiert – Daten sind keine Sache. Problem Nummer 2: Das Datenschutzrecht schützt nur personenbezogene Daten. Sonstige Daten, wie Maschinendaten, werden vom Datenschutzrecht nicht erfasst. Zugleich wies der Jurist aber darauf hin, dass die Abgrenzung zwischen personenbezogenen Daten und Unternehmensdaten nicht klar definiert ist. Er stellte zur Disksussion, ob es überhaupt nicht-personenbezogene Daten gibt.
Es könnte alles so einfach sein.