digital farm Story

Den Hof für die Zukunft wappnen

Betriebliche Entwicklungen planen und Risiken erkennen, das soll mit dem Tool „Wappnet“ von Gründer Thomas Sindelar (Mitte) möglich sein. (Foto: Schildmann)

Könnte die Fischzucht ein neues Standbein für unseren Betrieb werden? Gibt es einen geeigneten Absatzmarkt für die Endprodukte? Und woher bekommen wir das nötige Know-how? Das fragen sich Landwirt Florian Schröder und seine Partner von der Bornemann Stockelberg Schröder (BSS) GbR aus Betzendorf bei Lüneburg. Sie betreiben auf circa 500 ha Ackerbau. Neben Getreide und Raps bauen sie auch Kartoffeln an. Damit die Betriebsleiter im täglichen Alltagsstress auch an jedes „Wenn und Aber“ denken, haben sie sich Unterstützung gesucht. Ein digitales Tool, das betriebliche Ideen auf ihre Risiken hin abklopft.

Das Start-up Wappnet aus Hannover hat es entwickelt, um Landwirte bei solchen unternehmerischen Entscheidungen zu unterstützen. Das Gründerteam um Thomas Sindelar arbeitet an einer Software, die eine Art digitale Checkliste bereitstellt. „Risikoanalyse betreiben wir Landwirte zwar nahezu täglich. Aber Wappnet kann dazu beitragen, dass wir weniger übersehen“, sagt Florian Schröder. So ist eine selbstkritische und selbstreflektierende Herangehensweise Voraussetzung für die Software. „Der Nutzer bekommt keine fertige Lösung“, sagt Gründer Sindelar. „Die Einflussfaktoren miteinander in Verbindung zu setzen, obliegt dem Landwirt selbst.“

Florian Schröder führt seine GbR zusammen mit zwei Partnern aus der direkten Nachbarschaft. (Foto: Schildmann)

Risikoanalyse betreiben wir Landwirte zwar nahezu täglich. Aber Wappnet kann dazu beitragen, dass wir weniger übersehen.

Florian Schröder, Landwirt

Warum überhaupt Risikomanagement?

„Das menschliche Gehirn ist nicht auf die Risikoanalyse ausgelegt. Es blendet die meisten Einflussfaktoren aus“, sagt der 55-jährige Wirtschaftspsychologe. „Mit jedem Tag, an dem uns nichts passiert, meint das Gehirn, es könnte immer so weitergehen.“ So fühle sich ein Landwirt gewappnet für den nächsten Wachstumsschritt, obwohl er noch Risiken ausblendet. „Wir möchten den Blick auf die Teile des Betriebes lenken, für die im Alltagstrubel oft keine Zeit ist“, sagt Sindelar. „Mithilfe der Software soll der Nutzer Stolpersteine aufdecken, Denkfehler finden und sich vor Betriebsblindheit schützen.“

Das menschliche Gehirn ist nicht auf die Risikoanalyse ausgelegt. Es blendet die meisten Einflussfaktoren aus.

Thomas Sindelar, Gründer

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

Einen neuen Stall oder gleich ein neues Standbein planen – ohne dabei die Risiken aus dem Blick zu verlieren. Das verspricht „Wappnet“. Das Start-up möchte Betriebsleitern einen Blick von außen auf ihren eigenen Hof ermöglichen.

Könnte die Fischzucht ein neues Standbein für unseren Betrieb werden? Gibt es einen geeigneten Absatzmarkt für die Endprodukte? Und woher bekommen wir das nötige Know-how? Das fragen sich Landwirt Florian Schröder und seine Partner von der Bornemann Stockelberg Schröder (BSS) GbR aus Betzendorf bei Lüneburg. Sie betreiben auf circa 500 ha Ackerbau. Neben Getreide und Raps bauen sie auch Kartoffeln an. Damit die Betriebsleiter im täglichen Alltagsstress auch an jedes „Wenn und Aber“ denken, haben sie sich Unterstützung gesucht. Ein digitales Tool, das betriebliche Ideen auf ihre Risiken hin abklopft.

Risikoanalyse betreiben wir Landwirte zwar nahezu täglich. Aber Wappnet kann dazu beitragen, dass wir weniger übersehen.

Florian Schröder, Landwirt

Das Start-up Wappnet aus Hannover hat es entwickelt, um Landwirte bei solchen unternehmerischen Entscheidungen zu unterstützen. Das Gründerteam um Thomas Sindelar arbeitet an einer Software, die eine Art digitale Checkliste bereitstellt. „Risikoanalyse betreiben wir Landwirte zwar nahezu täglich. Aber Wappnet kann dazu beitragen, dass wir weniger übersehen“, sagt Nutzer Florian Schröder. So ist eine selbstkritische und selbstreflektierende Herangehensweise Voraussetzung für die Software. „Der Nutzer bekommt keine fertige Lösung“, sagt Gründer Thomas Sindelar. „Die Einflussfaktoren miteinander in Verbindung zu setzen, obliegt dem Landwirt selbst.“

Landwirt Florian Schröder führt seine GbR zusammen mit zwei Partnern aus der direkten Nachbarschaft. (Foto: Schildmann)

Warum überhaupt Risikomanagement?

„Das menschliche Gehirn ist nicht auf die Risikoanalyse ausgelegt. Es blendet die meisten Einflussfaktoren aus“, sagt der 55-jährige Wirtschaftspsychologe, der die Idee zu der Anwendung hatte. „Mit jedem Tag, an dem uns nichts passiert, meint das Gehirn, es könnte immer so weitergehen.“ So fühle sich ein Landwirt gewappnet für den nächsten Wachstumsschritt, obwohl er noch Risiken ausblendet. „Wir möchten den Blick auf die Teile des Betriebes lenken, für die im Alltagstrubel oft keine Zeit ist“, sagt Sindelar. „Mithilfe der Software soll der Nutzer Stolpersteine aufdecken, Denkfehler finden und sich vor Betriebsblindheit schützen.“

Das menschliche Gehirn ist nicht auf die Risikoanalyse ausgelegt. Es blendet die meisten Einflussfaktoren aus.

Thomas Sindelar, Gründer

Spielerisch durch Level klicken

Risikoanalyse für Landwirte möchte Thomas Sindelar durch Wappnet ermöglichen. (Foto: Schildmann)

Zurück in das Büro der Landwirte: Die drei Partner sitzen am großen Konferenztisch. Ein Beamer projiziert das Wappnet-Tool an die Wand. Schröder klickt sich durch die Anwendung, deren Oberfläche als landwirtschaftlicher Symbolbetrieb aufgebaut ist. Mit dem Mauszeiger fährt er über Hofladen, Stall, Supermarkt und Co.

Schröder trägt keine wirtschaftlichen Kennzahlen ein, sondern klickt sich durch sechs Level. Was fast aussieht wie ein Computerspiel, ist bereits das Tool. Die Spieleähnlichkeit ist gewollt. In den ersten beiden Levels geht es um eine Bestandsaufnahme. Handelt es sich um ein Familien- oder Wachstumsunternehmen? Wirtschaftet der Betrieb in einer Nische oder leidet er unter einem starken Wettbewerb?

Im dritten Level „Ideen, Vorhaben, Ziele“ geht es darum, konkrete Maßnahmen durchzuplanen. (Screenshot: Wappnet)

Dann kommen die Einflussfaktoren ins Spiel. Davon gibt es über 200 in 29 Kategorien. „Es ist fast unmöglich, diese Faktoren vor wichtigen Entscheidungen im Kopf zu haben“, sagt Sindelar. Der Einflussfaktor „Nachbarn/Umfeld“ bringt etwa das Risiko „Rechtsstreitigkeiten“ mit sich. Der Faktor „Pflanzenproduktion“ birgt die „Dürre“. Die App räumt die Risiken für den Betriebsleiter nicht aus dem Weg. Aber er kann sie entdecken. Falls er sich ihnen nicht selbst bewusst war.

Die Möglichkeit, eine Idee nicht durchzuziehen, ist ein Erkenntnisgewinn.

Florian Schröder, Landwirt

Neue Produktionssysteme

„Ich habe mal über den Einstieg in die Fischzucht nachgedacht“, sagt Landwirt Florian Schröder. Also erstellt er in Level 3 den Reiter „Fischzucht“ und sucht Einflussfaktoren, die zu einem Risiko führen könnten. Das sind etwa fehlendes Know-how der Mitarbeiter und ein ungewisser Absatzmarkt. In den folgenden Levels erarbeitet der Landwirt Lösungsvorschläge. Welche Wege bestehen, das Risiko zu reduzieren? Know-how käme über Fortbildungen oder der Besichtigung anderer Anlagen. Die Risiken beim Absatz bleiben bestehen. Weitere Fragen eröffnen sich. Wie sollte der Hofladen aussehen? Wer ist mein typischer Verbraucher? Florian Schröder sagt: „Die Möglichkeit, eine Idee nicht durchzuziehen, ist ein Erkenntnisgewinn.“

Für jede Kategorie bekommt der Landwirt verschiedene Einflussfaktoren angezeigt. (Screenshot: Wappnet)

2,5 Jahre bis zum fertigen Produkt

Die Idee zu Wappnet entstand im Juni 2017. Wirtschaftspsychologe Thomas Sindelar und der ehemalige Airbus Risikomanager und Ernst & Young Partner, Christoph Schwager, mussten die Anwendung erstmal auf die speziellen Bedürfnisse von Betriebsleitern in der Landwirtschaft zuschneiden. „Wir dachten zu kompliziert“, sagt Sindelar. „In Zusammenarbeit mit Landwirten schafften wir es, das Tool benutzerfreundlich und intuitiv zu gestalten.“

Charmant finde ich, dass es spielerisch ist.

Florian Schröder, Landwirt

Die iPad-Sofa Lösung

Das gefällt auch Landwirt Schröder: „Charmant finde ich, dass es spielerisch ist. Für mich ist es eine iPad-Sofa Lösung.“ Es sei allerdings auch sehr umfangreich. Florian Schröder sieht Wappnet insgesamt als interessantes Tool für die Planung von großen Investitionen, wie den Bau einer Maschinenhalle, an oder eben, um neue Standbeine durchzudenken.

Einnahmen über Lizenzen

Für die App-Entwicklung haben die Gründer einen niedrigen sechsstelligen Betrag investiert. Weitere Anwendungen für Klein- und Mittelständische Unternehmen, Start-ups und den privaten Finanzhaushalt starten im Februar 2020.

Die GbR zahlt 225 € pro Jahr. „Das sind gewisse Kosten. Die Frage ist nur, wie viele Landwirte bereit sind, das zu zahlen“, sagt Betriebsleiter Schröder. Er ist einer der allerersten Kunden. Wie viele Lizenzen Wappnet bereits vergeben hat, verrät Sindelar nicht: „Mit dem Vertrieb starten wir aktuell. Beratungsorganisationen und regionale Kammern setzen das Tool bereits im Testbetrieb ein.“ Die Hoffnung: Dass die Berater das Tool an ihre Kunden vertreiben.