farm future

Der Boden im Zentrum

Die farm and food 4.0 hielt ein breit gefächertes Programm bereit. (Foto: Piepenbrock)

Die Themen der diesjährigen Farm and Food 4.0 Konferenz waren breit gefächert. Dabei immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit: der Boden.

Um kurz nach elf Uhr waren nur noch Stehplätze zu haben. Als sich die rund 400 Gäste der diesjährigen Farm and Food 4.0 Konferenz nach einer gemeinsamen Eröffnung in verschiedene Workshops aufteilten, zog eine Podiumsdiskussion zum Thema "Regenerative Landwirtschaft" einen großen Teil der Gäste an. Der Begriff meint eine landwirtschaftliche Wirtschaftsweise, die das Ziel hat, durch mikrobielle Prozesse im Boden Humus aufzubauen und das Bodenleben zu stärken.

Technologie allein reicht nicht

Moderator Benedikt Bösel, der auf seinem Marktfruchtbetrieb in Brandenburg selbst innovative Bodennutzungskonzepte anwendet, eröffnete die Diskussion mit einer These, die auf den ersten Blick auf einem Technologie-Kongress überraschen mag. Bösel sagte: "Nach zwei Dürresommern hintereinander wurde mir klar, dass uns technologische Innovationen und die Digitalisierung allein nicht genug helfen im Kampf gegen den Klimawandel." Er habe sich weltweit auf die Suche nach landwirtschaftlichen Wirtschaftsweisen gemacht, die "keine negativen Auswirkungen auf den Boden" haben. Er habe Methoden gesucht, die das sehr komplexe Ökosystem als Ganzes betrachteten. Im Ergebnis führte er unter anderem ein ganzheitliches Weidemanagement zuhause ein, bei dem auch Kühe Teil der Fruchtfolge sind. Zudem beschäftigt sich der Landwirt mit Agroforst-Konzepten und Kompostierungsverfahren.

(v.l.n.r.) Louisa Burwood-Taylor (agfunder), Georg Goeres (Indigo), Claudia Päffgen (Timac Agro), Adrian Ferrero (Biome Makers), Landwirt Michael Reber und Benedikt Bösel (Moderator). (Foto: Piepenbrock)  

Mehr Wissen über regenerative Landwirtschaft nötig

Tatsächlich sei die regenerative Landwirtschaft ein globales Phänomen, wie Louisa Burwood-Taylor vom Agrifood-VC und Newsportal agfunder berichtete: "Es ist eine globale Bewegung. Einzige Einschränkung könnte noch Asien sein."

Das klassische landwirtschaftliche Wissen kommt an seine Grenzen.

Michael Reber

Als ein Praktiker, der bereits in der regenerativen Landwirtschaft unterwegs ist, war Michael Reber auf dem Podium zu Gast. Er führt einen konventionellen Biogas-Betrieb in Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg und hat aus seinem Wissen ein Geschäftsmodell gemacht. In Kursen schult er andere Landwirte in Sachen Humusaufbau. "Das Interesse ist groß", sagte Reber. Aber es sei noch viel Aus- und Weiterbildungsarbeit aufzuholen. Reber sagte: "Das klassische landwirtschaftliche Wissen kommt an seine Grenzen. Wir müssen vorn anfangen und das Wissen über regenerative Landwirtschaft in die Praxis bringen."

Egal, ob "bio" oder "konventionell"

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Die Themen der diesjährigen Farm and Food 4.0 Konferenz waren breit gefächert. Dabei immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit: der Boden.

Um kurz nach elf Uhr waren nur noch Stehplätze zu haben. Als sich die rund 400 Gäste der diesjährigen Farm and Food 4.0 Konferenz nach einer gemeinsamen Eröffnung in verschiedene Workshops aufteilten, zog eine Podiumsdiskussion zum Thema „Regenerative Landwirtschaft“ einen großen Teil der Gäste an. Der Begriff meint eine landwirtschaftliche Wirtschaftsweise, die das Ziel hat, durch mikrobielle Prozesse im Boden Humus aufzubauen und das Bodenleben zu stärken.

Technologie allein reicht nicht

Moderator Benedikt Bösel, der auf seinem Marktfruchtbetrieb in Brandenburg selbst innovative Bodennutzungskonzepte anwendet, eröffnete die Diskussion mit einer These, die auf den ersten Blick auf einem Technologie-Kongress überraschen mag. Bösel sagte: „Nach zwei Dürresommern hintereinander wurde mir klar, dass uns technologische Innovationen und die Digitalisierung allein nicht genug helfen im Kampf gegen den Klimawandel.“ Er habe sich weltweit auf die Suche nach landwirtschaftlichen Wirtschaftsweisen gemacht, die „keine negativen Auswirkungen auf den Boden“ haben. Er habe Methoden gesucht, die das sehr komplexe Ökosystem als Ganzes betrachteten. Im Ergebnis führte er unter anderem ein ganzheitliches Weidemanagement zuhause ein, bei dem auch Kühe Teil der Fruchtfolge sind. Zudem beschäftigt sich der Landwirt mit Agroforst-Konzepten und Kompostierungsverfahren.

(v.l.n.r.) Louisa Burwood-Taylor (agfunder), Georg Goeres (Indigo), Claudia Päffgen (Timac Agro), Adrian Ferrero (Biome Makers), Landwirt Michael Reber und Benedikt Bösel (Moderator). (Foto: Piepenbrock)  

Mehr Wissen über regenerative Landwirtschaft nötig

Tatsächlich sei die regenerative Landwirtschaft ein globales Phänomen, wie Louisa Burwood-Taylor vom Agrifood-VC und Newsportal agfunder berichtete: „Es ist eine globale Bewegung. Einzige Einschränkung könnte noch Asien sein.“

Das klassische landwirtschaftliche Wissen kommt an seine Grenzen.

Michael Reber

Als ein Praktiker, der bereits in der regenerativen Landwirtschaft unterwegs ist, war Michael Reber auf dem Podium zu Gast. Er führt einen konventionellen Biogas-Betrieb in Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg und hat aus seinem Wissen ein Geschäftsmodell gemacht. In Kursen schult er andere Landwirte in Sachen Humusaufbau. „Das Interesse ist groß“, sagte Reber. Aber es sei noch viel Aus- und Weiterbildungsarbeit aufzuholen. Reber sagte: „Das klassische landwirtschaftliche Wissen kommt an seine Grenzen. Wir müssen vorn anfangen und das Wissen über regenerative Landwirtschaft in die Praxis bringen.“

Egal, ob „bio“ oder „konventionell“

Eine Chance bestehe übrigens auch darin, so wurde sich das Podium einig, dass regenerative Landwirtschaft nicht zwischen Kategorien wie „bio“ oder „konventionell“ unterscheide. „95% der Kursteilnehmer sind konventionelle Landwirte“, so der Betriebsleiter. Er verwieß in der Diskussion darauf, dass auch die Forschung sich dem Thema mehr annehmen müsse. „Derzeit werden den Landwirten lediglich Lösungen weggenommen, wie Glyphosat oder Neonikotinoide. Die Witterungsverhältnisse erhöhen den Druck. Wir müssen wieder Lösungen für gesunde Böden in die Breite kriegen.“

Wirtschaftliche Risiken abfedern

Am Ende hallte das Plädoyer des Praktikers nach, dass sich Landwirtschaft für die Bäuerinnen und Bauern wieder lohnen müsse. „Wer heute für den Boden wirtschaftet, bei dem geht das erstmal ins Geld“, sagte Michael Reber. Klar sei zwar, dass sich gesunde Böden natürlich schon auszahlten – doch das brauche Zeit. In Übergangszeiten haue etwas auch mal nicht hin, pflichtete ihm Benedikt Bösel bei. Problematisch könne es sich für Landwirte entwickeln, die langfristig in Flächen investieren, die sie lediglich gepachtet haben.

Wer heute für den Boden wirtschaftet, bei dem geht das erstmal ins Geld.

Michael Reber

Indigo spürt die Verantwortung

Reber zeigte sich enttäuscht darüber, dass das verabschiedete Klimapaket die Landwirtschaft außen vor lasse. „Da haben wir eine große Chance verpasst“, sagt er und spielte auf die Möglichkeit an, das Landwirte mit der CO2-Speicherung im Boden neue Einkünfte generieren könnten. „Ich habe die Hoffnung, dass wir das marktwirtschaftlich lösen können.“

Ein in dieser Hinsicht derzeit vielbeachteter Akteure ist das US-amerikanische Start-up „Indigo“. Es war in Person von Georg Goeres ebenfalls auf dem Podium vertreten. Indigo will unter anderem mit der Terraton Initiative regenerative Praktiken skalieren und so bis zu einer Billionen Tonnen Kohlendioxid im Boden zu speichern. Landwirte könnten daran mitverdienen. Wie sich das anfühle, über 850 Mio. US-Dollar händeln zu müssen, fragte Moderator Bösel. „Ja, wir fühlen die Last von so viel Geld. Wir müssen es richtig machen“, antwortete Goeres und fuhr fort: „Klar ist, die Chancen der CO2-Speicherung sind gigantisch. Und wir haben jetzt die Gelegenheit dazu.“