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Der Landwirt als Bergmann?

Cadmium ist ein Schwermetall, das durch Phytomining auch in Deutschland gewonnen werden könnte. (Foto: baldomir/stock.adobe.com)

Ohne Germanium oder Cadmium läuft kein Smartphone. Die kostbaren Stoffe stecken auch in deutschen Böden. Mit dem sogenannten Phytomining könnte man sie mithilfe von Pflanzen gewinnen. Ein Geschäftsmodell für Landwirte?

Sie heißen Hallersche Schaumkresse oder Mauer-Steinkraut. Zwei Pflänzchen, die nicht unbedingt durch ihre Schönheit aus der Masse herausstechen. Sie punkten mit einer anderen Fertigkeit: Sie sind sogenannte Hyperakkumulatoren, also Pflanzen, die große Mengen an Metallen speichern. Dadurch können sie vom Bergbau kontaminierte Böden sanieren oder Landwirten die Möglichkeit bieten diese zu gewinnen.

Der Preis entscheidet

Das Thema „Phytomining“ bekommt in den Medien immer wieder Aufmerksamkeit. So beleuchteten die Süddeutsche Zeitung, die Deutsche Welle oder das Wissensmagazin „scinexx“ kürzlich ausführlich die Technik. Ob wir es mit dem nächsten Trendthema zu tun haben, oder ob es eher Theorie und Forschung bleibt, dem wollte f3 nachgehen.

Der Phytomining-Experte Dr. Oliver Wiche von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg geht in einem Gespräch mit f3 von einem weltweiten Anstieg der Produktion technischer Geräte wie Smartphones oder Tablets, erneuerbarer Energieträger und Elektroautos aus. Diese haben in der Produktion einen hohen Bedarf verschiedener Schwermetalle. „Die Nachfrage nach Schwermetallen wird größer, dadurch steigt auch der Preis. Gleichzeitig wird das Angebot in Zukunft geringer. Weniger Vorkommen und höhere Umweltstandards führen automatisch zu einer Preissteigerung etwa bei Nickel oder Germanium“, so Dr. Wiche. Ein Hinweis darauf, dass auch unkonventionelle Gewinnungsarten der Stoffe wichtiger werden könnten?

Dr. Wiche relativiert das: „Derzeit gibt es noch genug andere Möglichkeiten an die Elemente zu kommen. Klassischer Bergbau in Afrika oder China ist noch zu günstig.“ Aber er sieht Potential: „In der Zukunft wird sich das Blatt wenden.“

Mit Pflanzen Schwermetalle aus dem Boden gewinnen: links die Hallersche Schaumkresse und rechts das Mauer-Steinkraut.

Abbau möglich, aber nicht wirtschaftlich

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Ohne Germanium oder Cadmium läuft kein Smartphone. Die kostbaren Stoffe stecken auch in deutschen Böden. Mit dem sogenannten Phytomining könnte man sie mithilfe von Pflanzen gewinnen. Ein Geschäftsmodell für Landwirte?

Sie heißen Hallersche Schaumkresse oder Mauer-Steinkraut. Zwei Pflänzchen, die nicht unbedingt durch ihre Schönheit aus der Masse herausstechen. Sie punkten mit einer anderen Fertigkeit: Sie sind sogenannte Hyperakkumulatoren, also Pflanzen, die große Mengen an Metallen speichern. Dadurch können sie vom Bergbau kontaminierte Böden sanieren oder Landwirten die Möglichkeit bieten diese zu gewinnen.

Der Preis entscheidet

Das Thema „Phytomining“ bekommt in den Medien immer wieder Aufmerksamkeit. So beleuchteten die Süddeutsche Zeitung, die Deutsche Welle oder das Wissensmagazin „scinexx“ kürzlich ausführlich die Technik. Ob wir es mit dem nächsten Trendthema zu tun haben, oder ob es eher Theorie und Forschung bleibt, dem wollte f3 nachgehen.

Der Phytomining-Experte Dr. Oliver Wiche von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg geht in einem Gespräch mit f3 von einem weltweiten Anstieg der Produktion technischer Geräte wie Smartphones oder Tablets, erneuerbarer Energieträger und Elektroautos aus. Diese haben in der Produktion einen hohen Bedarf verschiedener Schwermetalle. „Die Nachfrage nach Schwermetallen wird größer, dadurch steigt auch der Preis. Gleichzeitig wird das Angebot in Zukunft geringer. Weniger Vorkommen und höhere Umweltstandards führen automatisch zu einer Preissteigerung etwa bei Nickel oder Germanium“, so Dr. Wiche. Ein Hinweis darauf, dass auch unkonventionelle Gewinnungsarten der Stoffe wichtiger werden könnten?

Dr. Wiche relativiert das: „Derzeit gibt es noch genug andere Möglichkeiten an die Elemente zu kommen. Klassischer Bergbau in Afrika oder China ist noch zu günstig.“ Aber er sieht Potential: „In der Zukunft wird sich das Blatt wenden.“

Mit Pflanzen Schwermetalle aus dem Boden gewinnen: links die Hallersche Schaumkresse und rechts das Mauer-Steinkraut.

Abbau möglich, aber nicht wirtschaftlich

Dem stimmt auch Prof. Dr. Ute Krämer von der Ruhr-Universität Bochum auf Nachfrage von f3 zu. Sie forscht vorwiegend an der Hallerschen Schaumkresse und teilt die Meinung von Dr. Oliver Wiche: „Eine Verknappung der Schwermetalle ist in den kommenden Jahren wahrscheinlich.“ Produktionsstätten in Deutschland wären aber höchstens dann vorstellbar, wo Böden so belastet wären, dass dort kein Ackerbau oder eine andere landwirtschaftliche Bewirtschaftung möglich ist. „Interessant könnte Phytomining für Landwirte in alten Bergbauregionen sein, um Zink oder Cadmium zu gewinnen. Das wäre im Sauerland teilweise der Fall,“ so Prof. Krämer. Allerdings lassen bisherige wissenschaftliche Forschungen Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit noch außen vor.

Ausblick Albanien

Dass Phytomining tatsächlich schon funktioniert, zeigen Landwirte in Albanien in Zusammenarbeit mit dem Agrarwissenschaftler Guillaume Echevarria von der französischen Universität Nancy an der Küste des Ohridsees. In einem Beitrag des Wissenschaftsmagazins „Quarks & Co“ kommt er zu Wort: Die Region sei mit Nickel belastet und werde ackerbaulich nicht genutzt. Das Mauer-Steinkraut gedeiht allerdings auf dem kontaminierten Brachland gut.

Nach der Ernte verbrennen sie die Pflanzen. Aus fünf kg gewonnener Asche erhalten sie fast ein kg reines Nickel, das chemisch herausgelöst wird. Eine Tonne des getrockneten Krautes könnten die albanischen Landwirte für 80€ verkaufen. Nach hiesigen Maßstäben wohl noch kein tragbares Geschäftsmodell.