digital farm Interview

„Der Markt für Vertical Farming ist noch nicht so weit“

Nach Einschätzung von Farmee-Gründer Jens Schmelzle bleibt Vertical Farming in Deutschland eine Nischenanwendung. (Foto: Farmee)

Jetzt f3 Mitglied werden und direkt weiterlesen

Als f3-Mitglied erhälst du täglich Meldungen, Beiträge und Reportagen zu Innovationen und Start-ups aus den "grünen" Bereichen und wirst Teil des neuen Gründer-Netzwerks.

mehr Informationen bekommst du hier

Das Start-up „Farmee“ hat eine Softwareplattform für vertikale Farmen entwickelt. Mit deren Hilfe sollen Indoor-Farmen effizienter betrieben werden. Weil der Markt dafür aber noch zu klein ist, setzen die Gründer nun auf eine Software für Hobbygärtner.

f3 – farm.food.future: Was genau macht ihr?

Jens Schmelzle: Mit „Farmee“ wollen wir Menschen mithilfe von digitalen Produkten befähigen, Nahrungsmittel auch in städtischen Gebieten zu erzeugen. Konkret machen wir das mit den Produkten „farmee.OS“ und „alphabeet“.

f3: Starten wir mit farmee.OS. Was steckt dahinter?

Jens Schmelzle: Farmee.OS ist eine offene Softwareplattform für Vertical Farming. Wir liefern die Software, andere stellen die Hardware, also die Schränke oder Mini-Gewächshäuser, her. Man kann farmee.OS vielleicht mit Android vergleichen. Android ermöglicht, dass Apps auf Handymodellen verschiedener Hersteller funktionieren. So haben wir uns das auch für den Bereich Vertical Farming gedacht. Drittanbieter können mithilfe von farmee.OS für verschiedenste Indoor-Schränke und Mini-Gewächshäuser zum Beispiel Lichtrezepte oder Algorithmen zur Früherkennung von Pflanzenkrankheiten entwickeln.

Farmee.OS ist eine Software für verschiedene Indoor-Schränke und Mini-Gewächshäuser. (Foto: Farmee)

In Deutschland eine Nischenanwendung

f3: Wo steht ihr gerade? Wie sieht der Markt aus?

Jens Schmelzle: In Deutschland, aber auch international, gibt es derzeit noch zu wenig Hersteller für Indoor-Farmen. Wenn sich dieser Markt weiterentwickeln sollte, dann wird auch unsere Software zum Zuge kommen. Aber aktuell ist der Markt für Vertical Farming noch nicht so weit. Es fehlen Firmen und Geschäftsmodelle, die die Wirtschaftlichkeit von Vertical Farming aufzeigen. Und es mangelt an Use Cases, die zeigen, dass sich der Verkauf der Indoor-Farmen lohnt. Der Hype der letzten Jahre muss sich langfristig am Markt beweisen.

Es fehlen Firmen und Geschäftsmodelle, die die Wirtschaftlichkeit von Vertical Farming aufzeigen.

Jens Schmelzle

f3: Woran liegt das? Was ist das Problem?

Jens Schmelzle: Vertical Farming macht weltweit betrachtet nur in bestimmten Fällen Sinn. In Deutschland haben wir viel Agrarfläche, gute klimatische Bedingungen und im Vergleich zu anderen Ländern kurze Transportwege vom Land bis in die Stadt. Vertical Farming ist, und bleibt wahrscheinlich, in Deutschland eine Nischenanwendung. Für andere Länder ist Vertical Farming interessanter.

In Japan zum Beispiel ist seit Fukushima viel Agrarfläche kontaminiert und die Menschen sind deshalb aufgeschlossener gegenüber Nahrung aus Indoor-Farmen. Außerdem lebt dort ein großer Teil der Bevölkerung in der Stadt. Auch im arabischen Raum kann Vertical Farming aufgrund der klimatischen Bedingungen sinnvoll sein.

Konzentration auf Hobbygärtner

f3: Also setzt ihr den Fokus derzeit auf ein anderes Produkt?

Jens Schmelzle: Richtig. Unsere App „alphabeet“ richtet sich an Hobbygärtner. Wir wollten beim Thema „Unterstützung beim Anbau“ bleiben, aber mit unserer Software einen Markt adressieren, den es schon gibt. Bei den Hobbygärtnern ist derzeit viel in Bewegung. Wir wollen den Leuten mit unserer App helfen, eine engere Beziehung zu ihrer Nahrung aufzubauen. Wir vereinfachen den Einstieg in den Nahrungsmittelanbau und geben ganz konkrete Tipps zur Beetplanung oder Fruchtfolgen. Entwickelt haben wir alphabeet zusammen mit einer Community aus über 50 Hobbygärtnern.

Mit der Software „alphabeet“ soll Hobbygärtnern der Einstieg erleichtert werden. (Foto: farmee).

f3: Wie wollt ihr damit Geld verdienen? Wie sieht eure Finanzierung aus?

Jens Schmelzle: Es ist ein klassisches Software-as-a-Service-Modell. Für kleine Beete ist die Software kostenlos, für die Pro-Version zahlt der Kunde 4 € im Monat. Dafür kann er unbegrenzt Beetpläne anlegen und wird durch die ganze Saison begleitet. Wir finanzieren uns seit Beginn selber und werden aktuell durch die „Deutsche Bundesstiftung Umwelt“ gefördert.

f3: Wer steht hinter Farmee? Seid ihr Landwirte oder Entwickler?

Jens Schmelzle: Unser Kernteam besteht aus drei Gründern: Steffen Abel, Florian Haßler und mir. Wir alle kommen aus dem Software-Bereich, hatten aber immer Spaß am Anbau von Nahrungsmitteln. Ergänzt wird unser Team durch Biologie- und Agrarexperten von der Universität Hohenheim. Gemeinsam arbeiten wir aktuell an alphabeet.