digital future Interview

Der smarte Imker

Die Idee eine IoT-Lösung für den Imker zu schaffen, hatten einige Studenten in Montenegro. Offiziell gegründet hat sich BeeAndme 2017. (Foto: BeeAndme)

Das Start-up „BeeAndme“ möchte die Vorgänge im Bienenstock mithilfe von Sensoren auf das Smartphone des Imkers bringen. f3 sprach im Interview mit CEO Martin Bittner über die Potenziale der IoT-Lösung.

f3 – farm. food. future: Ihr sammelt Daten vom Bienenstock. Was messt ihr genau und warum?

Martin Bittner: Wir setzen drei verschiedene Sensoren ein. Der erste ist direkt im Brutraum angebracht und bestimmt die Innentemperatur. Die weiteren zwei befinden sich unterhalb des Bienenstocks. Sie ermitteln die Außentemperatur und -feuchtigkeit. Zusätzlich misst eine Waage das Gewicht des Bienenstocks.

Die Sensoren nehmen kontinuierlich Daten auf. Das System überträgt sie in Echtzeit auf das Smartphone des Imkers. Dann bekommt er beispielsweise eine Meldung, wenn das sogenannte Schwärmen eines Bienenvolkes beginnen könnte. Die alte Königin verlässt dann mit nahezu der Hälfte der Bienen eines Volkes den Bienenstock und lässt sich woanders nieder. Dementsprechend entsteht ein wesentlicher finanzieller Schaden für den Imker.

Positiver Nebeneffekt: Er muss den Stock, die sogenannte Beute, nicht so häufig öffnen.

Martin Bittner

In den Tagen vor dem Schwärmen verändert sich die Temperatur im Brutraum auffällig. Mithilfe der aufgenommenen Daten kann das Programm solche Temperaturschwankungen erkennen und den Imker vorwarnen. Er kann nun entgegenwirken und etwa Brutwaben herausnehmen oder das Volk künstlich trennen.

f3 – farm. food. future: Der gesamte Bienenstock steht auf einer Waage. Was hat es damit auf sich?

Martin Bittner: Die Waage ist in zweierlei Hinsicht nützlich. Zum einen bestimmt sie im Winter, wie viel Futter den Bienen noch zur Verfügung steht. In dieser Zeit verlassen die Bienen den Stock nicht und der Imker gibt den Tieren extra Futter. Die kleinen Helfer würden bei zu wenig Futter verhungern und daher ist ein Hinweis wichtig. Außerdem bekommt der Imker Infos in den Sommermonaten, wie viel Honig im Bienenstock ist. Falls die Waben voll sind, kann er bei Bedarf Honig entnehmen und einen Stopp der Produktion verhindern.

Positiver Nebeneffekt: Er muss den Stock, die sogenannte Beute, nicht so häufig öffnen. Dies erzeugt jedes Mal eine Stresssituation für das Bienenvolk und sollte verhindert werden. Zusätzlich sinkt der Kontrollaufwand, da der Imker weniger zu den Bienenstöcken rausfahren muss.

Drei Sensoren und eine Waage sollen dem Imker Aufschluss über Vorgänge im Bienenstock geben. (Fotos: BeeAndme)

Mieten oder Kaufen

f3 – farm. food. future: Wie viele Imker setzen eure Technik bereits ein?

Martin Bittner: Bisher haben wir knapp 2000 Anlagen an Testkunden verkauft. Die Marktreife steht aber erst 2020 an und aktuell gibt es ausschließlich ein Mietmodell. Wir wollen einen Online-Shop entwickeln, um sowohl Geräte zum Verkauf als auch zur Vermietung anzubieten. Der Marktpreis wird sich bei um die 1000 € für ein Modul bewegen.

f3 – farm. food. future: Ihr sprecht von verschiedenen IoT-Sensoren, wie funktioniert die Übertragung?

Martin Bittner: Der BeeAndme Monitor wählt sich über 2G und 3G in das Mobilfunknetz ein. Zukünftig werden wir aber NarrowBand (NB) IoT-Module verbauen. Der Vorteil von NB IoT ist die Energieeinsparung gegenüber 2G und 3G, was zu einer höheren Akkulaufzeit führt. Zudem ist diese Erweiterung des LTE-Netzes speziell auf IoT-Geräte ausgelegt.
Warum setzen wir NB IoT nicht direkt ein? Ganz einfach. Europaweit gibt es noch kein flächendeckendes Netz. Auch wenn es in Zukunft das Netz für unseren Monitor sein wird, macht es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn.

Futter- & Lebensmittelbranche im Blick

f3 – farm. food. future: Könnt ihr euch vorstellen, noch andere IoT-Lösungen zu entwickeln? Möglicherweise auch im Bereich Landwirtschaft?

Martin Bittner: Bei BeeAndme überwachen wir Abläufe. Diese grundsätzliche Systematik lässt sich auf weitere Anwendungsfälle übertragen. Derzeit entwickeln wir z.B. Konzepte für die Schneelastmessung in alpinen Regionen. Aber wir schauen uns auch die automatisierte Bestands- und Gebindeverwaltung in den Branchen Chemie, Futter- und Lebensmittel genau an.

Wir lösen mit BeeAndme ein Problem, das jeder Imker kennt: Keine genauen Daten verfügbar zu haben.

Martin Bittner

f3 – farm. food. future: Das hört sich nach einer Menge Entwicklung an. Wie finanziert ihr euch?

Martin Bittner: In der Gründung gab es eine Anfangsfinanzierung durch kleinere Investoren. Jetzt ist das Projekt selbstfinanziert und trägt sich eigenständig.

f3 – farm. food. future: Wer steht hinter dem Projekt BeeAndme und wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Martin Bittner: Aktuell arbeiten wir zu fünft an dem Produkt in Wien. Gegründet haben wir uns 2017. Eine Studentin hatte einen Opa mit Bienenvölkern im Outback von Montenegro. Als er älter wurde, wurde auch der Weg zu den Völkern immer beschwerlicher. Wir wollten eine Technik entwickeln, die einfach und stabil für viele Jahre funktioniert und ihm die Überwachung seines Bienenvolkes aus der Entfernung ermöglicht.

f3 – farm. food. future: Eine Frage zum Schluss: Wieso ausgerechnet ein Bienen Start-up?

Martin Bittner: Wir lösen mit BeeAndme ein Problem, das jeder Imker kennt: Keine genauen Daten verfügbar zu haben. In der Landwirtschaft gibt es den GPS-gesteuerten Traktor, die digitale Milchkuh und automatisierte Gewächshäuser. Stabile und verfügbare Systeme für Imker gab es bisher nicht. Genau das treibt uns an.