farm Gründerwerkstatt

Die innovative Seite der Umweltwirtschaft free

Auf dem Summit Umweltwirtschaft.NRW trafen sich Vertreter aus der Land- und Forstwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Wasserwirtschaft, Mobilitätsbranche und Energiewirtschaft. (Foto: Piepenbrock)

Ob Fischfutter aus CO2 oder selbstfahrende Süßkartoffelroder: Der Summit Umweltwirtschaft war vergangene Woche themenmäßig breit aufgestellt. So diskutierten die Teilnehmer nicht nur über Umweltthemen. Es wurden auch innovative Start-ups prämiert.

Der Anbau von Süßkartoffeln ist arbeitsaufwendig. Doch Erntehelfer fehlen immer häufiger. Nicht nur, aber auch deshalb werden die Knollen meist über weite Strecken zu uns transportiert, statt sie vor Ort regional anzubauen. Darüber sprach Anna Hilger von der Schmiede.one aus Düsseldorf in ihrem Start-up-Pitch auf dem Summit Umweltwirtschaft vergangenen Mittwoch in der Messe Essen. „Dabei lassen sich in der Nische gute Preise für die Süßkartoffel erzielen“, so die 26-Jährige. Ihre Lösung, damit sich auch kleine Betriebe in diese neue Nische hineintrauen: Eine autonom fahrende, kleine Erntemaschine, die die trendigen Knollen selbstständig erntet und in Kisten ablegt.

Grüne Gründungen sind der effektivste Hebel, um Transformationen herbeizuführen.

Ursula Heinen-Esser

Anna konnte sich im Pitch zwar nicht gegen das Gewinnerteam von „ChargeX“ aus München durchsetzen, das ein modulares Ladesystem für Elektroautos entwickelt. Aber ihre Teilnahme zeigt die Themenvielfalt der Veranstaltung, die das Kompetenznetzwerk Umweltwirtschaft.NRW im Auftrag des Umweltministeriums abhielt. So reichte das Spektrum von Möglichkeiten zur Verringerung von Nitrat-Einträgen in Gewässer oder Strategien zur Circular Economy über Eco-Design von Produkten und Smart-City-Ansätzen bis zur energetischen Nutzung von Biomasse und innovativen Ansätzen digitaler Technologien in der Landwirtschaft.

Algen züchten und Tierwohl verbessern

Hubertus Wasmer von clevabit (rechts) und Cathleen Cordes (Mitte) von Lüttge Alge stellten ihre Start-ups vor. Sie diskutierten gemeinsam mit f3-Redakteurin Eva Piepenbrock. (Fotos: Sehnke)

Letzteres wurde in einer von f3 organisierten Session diskutiert, in der es um nachhaltige Geschäftsmodelle in der Landwirtschaft ging. Redakteurin Eva Piepenbrock eröffnete den Workshop mit einem Vortrag, in dem sie die aktuellen Trends in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft beleuchtete. In Sachen Nachhaltigkeit fielen dort etwa Start-ups und Betriebe auf, die regenerative Landwirtschaft betreiben und besonderes Augenmerk auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit legen. Andere Jungunternehmen verwerten Agrar-Reststoffe oder gar Abfälle weiter und stellen daraus plastikfreie Verpackungen her. Die Zuhörer zeigten sich überrascht von der wachsenden Start-up-Szene in der Landwirtschaft, die durchaus auch in Deutschland entsteht.

Mittlerweile arbeiten wir mit acht Landwirten zusammen, die die Algen für uns produzieren.

Cathleen Cordes

Zahlreiche Start-ups sind auch im Themenfeld „alternative Proteine“ unterwegs. Stellvertretend für diese neuartigen Lebensmittel war Cathleen Cordes aus Niedersachsen in der f3-Session zu Gast. Sie vermarktet mit ihrem Start-up „Lüttge Alge“ die Mikroalgen, die der elterliche Familienbetrieb in Eigenregie züchtet. Die Algen gelten als Proteinlieferant und sind reich an wertvollen Aminosäuren. „Mittlerweile arbeiten wir mit acht Landwirten zusammen, die die Algen für uns produzieren. Wir liefern die Zellen an, die die Landwirte aufziehen“, so die junge Gründerin, die sich nach ihrem Vortrag noch vielen Fragen aus dem Publikum stellte.

Ebenfalls voll im Trend liegt Hubertus Wasmer mit seinem Start-up „Clevabit„. Er zeigte, dass sich mithilfe von digitaler Technologie die Effizienz und das Tierwohl in der Nutztierhaltung steigern lässt. Der gelernte Landwirt hat Sensoren und eine angeschlossene App entwickelt, mit denen er z.B. Schadgase und Temperaturen im Stall messen kann. Registriert die Hardware eine Verschlechterung der Bedingungen, gibt sie dem Landwirt frühzeitig Hinweise. Das Ziel: Den Medikamenteneinsatz verringern und Krankheiten vorbeugen, erklärte Hubertus.

Gründerwettbewerb KUER.NRW

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser mit den Gewinner-Teams des KUER-Businessplan-Wettbewerbs. (Foto: Peter Wolf)

Schon am Vorabend des Summits wurden elf innovative Gründungsteams aus den Zukunftsbranchen Klima, Umwelt, Energie und Ressourceneffizienz (KUER) aus Nordrhein-Westfalen als die Besten des KUER Businessplan Wettbewerbs 2019 geehrt. Der Blick ins Feld dieser Top-Start-ups war wohl gleichzeitig ein Blick in die Umweltwirtschaft von morgen. Dort sollen sich Ökologie und Ökonomie verbinden, um nachhaltige Lösungen für die gesellschaftlichen Herausforderungen im Markt zu positionieren.

Zur Siegerehrung kam auch NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Sie beglückwünschte die drei Sieger-Start-ups „b.fab“, „EnergyCortex“ und „Okeanos“. „Umweltorientierte Gründungen sind längst keine Nischenerscheinung mehr: Jede vierte Unternehmensgründung in Deutschland leistet einen aktiven Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz“, sagte Heinen-Esser. „Grüne Gründungen sind der effektivste Hebel, um Transformationen herbeizuführen.“

Die Technologie der erstplatzierten b.fab GmbH von Dr. Frank Kensy ahmt die natürliche Photosynthese von Pflanzen technisch nach. Durch die Kombination von Elektrochemie und Biotechnologie ist die Firma in der Lage, das Klimagas CO2 in werthaltige Produkte wie Biokunststoffe, Fischfutter oder Biosprit umzuwandeln.

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