digital Interview Perspektivwechsel

Die Leerstelle in der Lehre: digitales Know-how

Deckt die duale Ausbildung digitale Inhalte zur Genüge ab? Digitalexpertin Julia Kasper sagt: nein! (Foto: Drießen)

Wird der landwirtschaftliche Nachwuchs ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet? Wie schulen andere alteingesessene Branchen wie das Handwerk die Azubis im "Digitalen Lernen"? Digitalexpertin Julia Kasper teilt ihre Einschätzungen wieder mit f3.f3 - farm. food. future: Welche Anforderungen muss die duale Ausbildung noch erfüllen, um den Nachwuchs adäquat auf die digitale Zukunft vorzubereiten? Was fehlt in Sachen "Digitales Lernen" in den Ausbildungsplänen?

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Wird der landwirtschaftliche Nachwuchs ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet? Wie schulen andere alteingesessene Branchen wie das Handwerk die Azubis im „Digitalen Lernen“? Digitalexpertin Julia Kasper teilt ihre Einschätzungen wieder mit f3.

f3 – farm. food. future: Welche Anforderungen muss die duale Ausbildung noch erfüllen, um den Nachwuchs adäquat auf die digitale Zukunft vorzubereiten? Was fehlt in Sachen „Digitales Lernen“ in den Ausbildungsplänen?

Digitalexpertin und regelmäßige f3-Interviewpartnerin Julia Kasper

Julia Kasper: Leider lässt sich aktuell beobachten, dass das digitale Lernen zunehmend an allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen stattfindet. Dabei bleibt das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft, die duale Ausbildung, einfach hinten an. Es dauert aus meiner Sicht zu lange, bis sich Ausbildungsrahmenpläne anpassen und ändern. Zudem sind die LehrerInnen oftmals inhaltlich nicht geschult. Das reine Anwenderwissen eines IT-Programms bedeutet ja noch lange nicht, dass ich „digital“ ausbilde. 

Wie kann das Wissensdefizit der AusbilderInnen und LehrerInnen in Sachen „digitales“ Lernen überwunden werden?

Mein Vorschlag wäre, neue Ausbildungsberufe fürs Digitale zu definieren. Am Beispiel der Tischler und Schreiner würde dies bedeuten, dass der Rahmenlehrplan für die Tischler- und Schreinerlehre sehr auf handwerkliche Fertigkeiten fokussiert bleiben und es ergänzend eine Spezialisierung für den Digital-Tischler geben kann. Der kann dann programmieren und kennt digitale Denkmuster. Somit werden Räume für die Zukunft im Handwerk geschaffen, statt „nur“ Anwender von CNC-Fräsen auszubilden. Für den Digital-Tischler muss es „neue“ Lehrer geben, die aus der IT-Welt kommen.

Wir dressieren unsere Azubis „nur“ aufs Klicken. Aber nicht auf das elementare Wissen: das Coden.

Julia Kasper 

Eine fiese Zwickmühle: Woher soll das Know-how kommen? Die Lehrpläne werden ja nicht von „Digital Natives“ erstellt. 

Allein das Generationenmerkmal „Digital Natives“ macht uns nicht zu Digitaldenkern. Da dürfen ältere Generationen nicht in Demut verfallen, denn Digitalität darf nicht eine Frage des eigenen Alters werden. Bei uns im Tischler-Betrieb haben wir beispielsweise Lehrgänge für unsere Auszubildenden aufgesetzt, bei denen sie das Erstellen von 3D-Modellen für unseren Online-Möbel-Konfigurator erlernt haben.

Andere Branche, gleiche Hindernisse.

Ihr habt den Lehrgang selbst konzipiert? Wer hat den Lehrgang gehalten und das Know-how transportiert? Ihr müsst dann ja bereits auf einen „Digital-Tischler“ zugegriffen haben.

Der Lehrgang ist aus unserer eigenen Initiative gestaltet worden. „Konzipiert“ hört sich nach mehr an als das, was wir als „einfach machen“ bezeichnen. Gerade im Digitalen ist das vielleicht auch manchmal ergebnisoffene Ausprobieren wichtig. Den Lehrgang selbst habe ich gemeinsam mit einem Digital-Tischler durchgeführt, der bereits bei der Entwicklung der holzgespür-Website mit an Board war.

Wie zeitaufwendig war der Lehrgang? Die Lehrlinge verbringen ja je nach Lehrjahr ohnehin schon mehrere Tage die Woche in der Berufsschule? 

Wir haben das an einem Wochenende und mehreren Abenden durchgeführt. Der Lehrgang am Wochenende war für unsere Azubis natürlich freiwillig, aber die haben sich wirklich darauf gefreut.


Perspektivwechsel mit Julia Kasper

Julia Kasper stammt nicht aus der Landwirtschaft, hat aber Erfahrungen mit der Digitalisierung von Geschäftsmodellen in einer ähnlich traditionellen Branche: dem Handwerk. Mit holzgespür hat sie einen Online-Möbelkonfigurator entwickelt. Sie ist Mitglied im Beirat Junge Digitale Wirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium.