farm food Story

Die Milch im Dorf lassen

Per Knopfdruck, Mausklick und als Eis: Die Dorfmilch GmbH & Co. KG versorgt die Region Gütersloh-Bielefeld mit frischer Milch. (Foto: Düfelsiek)


Als GbR wirtschaften sie schon seit 14 Jahren. Vor zwei Jahren wagten die Familien Speckmann und Wortmann den Schritt in die Direktvermarktung und investierten in eine eigene Molkerei. Ihre Dorfmilch vermarkten sie ausschließlich regional – auch auf digitalem Wege.


Mit einem leisen „pling“ trudelt die neueste Bestellung ein. Drei Liter Dorfmilch hat ein Kunde soeben geordert. Kurz blickt Dennis Speckmann Richtung PC, dann wirft er sich seine Jacke über und verlässt das Büro. Hofführung, Automatenwartung, Barkassenabrechnung – alles muss irgendwie organisert werden. „Als Landwirt hat man an sich schon selten Langeweile“, sagt der 41-Jährige. „Als Direktvermarkter ist das noch mal eine Nummer intensiver.“

Unabhängigkeit wagen

Dennis Speckmann ist seit knapp zwei Jahren Direktvermarkter. Knapp 10% der gesamten Milchmenge vermarktet der Landwirt aus dem Steinhagener Ortsteil Brockhagen (Kreis Gütersloh) gemeinsam mit Kompagnon Reinhard Wortmann losgelöst von großen Molkereien unter der Marke "Dorfmilch" - und das auf möglichst vielen Wegen. Die Bestellungen, die nach und nach als Mail eintrudeln, sind nur ein Absatzweg. Den Weg zum Kunden findet die Milch vor allem über fünf Automaten im regionalen Einzelhandel. Zudem beziehen eine Eismanufaktur aus Harsewinkel sowie ein Hofladen und zwei Restaurants aus der Region die Dorfmilch.

Die Idee mit der Direktvermarktung brachte Dennis Speckmann 2006 aus Ostdeutschland mit. In einem Artikel las er damals von einem Betrieb, der seine Milch über Automaten im Einzelhandel vertreibt. Damals, das war zu einer Zeit, als die Milchpreise erstmalig unter 20 Cent rutschten. „Wir waren es leid, immer von den großen Molkereien abhängig zu sein“, blickt er zurück. „Zeitgleich war eine kleine Eismanufaktur auf der Suche nach regionalen Milcherzeugern“, ergänzt Kompagnon Reinhard Wortmann. 

Wir waren es leid, immer von den großen Molkereien abhängig zu sein.

Dennis Speckmann

Gemeinsam besichtigten die Familien Betriebe und begutachteten Milchautomaten. Anfang 2017 fiel die Entscheidung: Knapp 400.000 € investierten die Landwirte in die eigene Hof-Molkerei. Kein halbes Jahr später konnten sie ihre erste Dorfmilch ausliefern.

Ein gutes Team: Reinhard Wortmann und Dennis Speckmann. (Foto: Wortmann)

Die Zusammenarbeit der Familien Speckmann und Wortmann ist dabei gut erprobt – als GbR wirtschaften die Betriebe bereits seit 2004 (siehe unten).

Auf Knopfdruck Milch

Für 1,40€ je Liter können sich Kunden in zwei Marktkauf- und zwei Rewe-Filialen sowie einem Edeka-­Markt „ihre“ Dorfmilch selbst zapfen. Regionale und kurze Absatzwege werden in der Dorfmilch-Familie groß geschrieben. Maximal 30 km liegen zwischen Betrieb und Verkaufsstellen. „Wir hatten keinerlei Probleme, Standorte für unsere Automaten zu finden“, so Dennis Speckmann. „Unser regionaler Ansatz ist auch für den Einzelhandel ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Discountern.“

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Als GbR wirtschaften sie schon seit 14 Jahren. Vor zwei Jahren wagten die Familien Speckmann und Wortmann den Schritt in die Direktvermarktung und investierten in eine eigene Molkerei. Ihre Dorfmilch vermarkten sie ausschließlich regional – auch auf digitalem Wege.


Mit einem leisen „pling“ trudelt die neueste Bestellung ein. Drei Liter Dorfmilch hat ein Kunde soeben geordert. Kurz blickt Dennis Speckmann Richtung PC, dann wirft er sich seine Jacke über und verlässt das Büro. Hofführung, Automatenwartung, Barkassenabrechnung – alles muss irgendwie organisert werden. „Als Landwirt hat man an sich schon selten Langeweile“, sagt der 41-Jährige. „Als Direktvermarkter ist das noch mal eine Nummer intensiver.“

Unabhängigkeit wagen

Dennis Speckmann ist seit knapp zwei Jahren Direktvermarkter. Noch keine 10% der gesamten Milchmenge vermarktet der Landwirt aus dem Steinhagener Ortsteil Brockhagen (Kreis Gütersloh) gemeinsam mit Kompagnon Reinhard Wortmann losgelöst von großen Molkereien unter der Marke „Dorfmilch“ aus Brockhagen – und das auf möglichst vielen Wegen. Die Bestellungen, die nach und nach als Mail eintrudeln, sind nur ein Absatzweg. Den Weg zum Kunden findet die Milch vor allem über fünf Automaten im regionalen Einzelhandel. Zudem beliefert das Dorfmilch-Team eine Eismanufaktur aus Harsewinkel sowie Hofläden und Restaurants aus der Region.

Die Idee mit der Direktvermarktung brachte Dennis Speckmann 2016 aus Ostdeutschland mit. In einem Artikel las er damals von einem Betrieb, der seine Milch über Automaten im Einzelhandel vertreibt. Damals, das war zu einer Zeit, als die Milchpreise erstmalig unter 20 Cent rutschten. „Wir waren es leid, immer von den großen Molkereien abhängig zu sein“, blickt er zurück. „Zeitgleich war eine kleine Eismanufaktur auf der Suche nach regionalen Milcherzeugern“, ergänzt Kompagnon Reinhard Wortmann. 

Wir waren es leid, immer von den großen Molkereien abhängig zu sein.

Dennis Speckmann

Gemeinsam besichtigten die Familien Betriebe und begutachteten Milchautomaten. Anfang 2017 fiel die Entscheidung: Knapp 400.000 € investierten die Landwirte in die eigene Hof-Molkerei. Kein halbes Jahr später konnten sie ihre erste Dorfmilch ausliefern.

Ein gutes Team: Reinhard Wortmann und Dennis Speckmann. (Foto: Wortmann)

Die Zusammenarbeit der Familien Speckmann und Wortmann ist dabei gut erprobt – als GbR wirtschaften die Betriebe bereits seit 2004 (siehe unten).

Auf Knopfdruck Milch

Für 1,40€ je Liter können sich Kunden in zwei Marktkauf- und zwei Rewe-Filialen sowie einem Edeka-­Markt „ihre“ Dorfmilch selbst zapfen. Regionale und kurze Absatzwege werden in der Dorfmilch-Familie groß geschrieben. Maximal 30 km liegen zwischen Betrieb und Verkaufsstellen. „Wir hatten keinerlei Probleme, Standorte für unsere Automaten zu finden“, so Dennis Speckmann. „Unser regionaler Ansatz ist auch für den Einzelhandel ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Discountern.“

Flasche drunter, Knopf drücken, Milch rein: So einfach geht’s. (Fotos: Düfelsiek)

Um zusätzliche Wege und unnötigen Müll zu vermeiden, verzichten Dennis Speckmann und Reinhard Wortmann auf ein eigenes Pfandsystem. Neben jedem Milchautomaten steht zusätzlich ein Flaschenautomat. „Funktioniert im Grunde wie Snickers ziehen“, erklärt Speckmann. „Die Kunden kaufen für 1€ einmalig eine Flasche. Dann sind sie selbst dafür verantwortlich, die Flaschen zu spülen und beim nächsten Einkauf wieder mitzubringen.“

Automaten mit Unterschied

Zwei der Automaten stehen im Vorkassenbereich, drei weitere sind in die Verkaufsfläche integriert und bei den Molkereiprodukten angesiedelt. Der Unterschied: Bei den „Outdoor“-Automaten kann entweder bar oder per Dorfmilch-Kundenkarte gezahlt werden. Bei Zahlungen mit der Kundenkarte vergünstigt sich der Liter Milch auf 1,30 € und wird automatisch abgebucht. Aufgeladen wird die Karte ebenfalls am Milchautomaten mit Bargeld.

Alle zwei Tage tauscht eine Dorfmilch-Mitarbeiterin die Tanks der fünf Milchautomaten aus und füllt die Glasflaschen der Flachenautomaten auf. (Foto: Düfelsiek)

Dennis Speckmann ist vor allem von der Indoor-Variante überzeugt: „Sie integriert sich besser in den Gesamteinkauf und passt zum Einkaufsverhalten der Kunden.“ Auch die Abrechnung sei um einiges einfacher: Bei den Indoor-Automaten läuft sie komplett über den Einzelhandel. „Die Kunden zahlen die Dorfmilch einfach zusammen mit dem restlichen Einkauf“, so Speckmann. Die Barkasse bei den Outdoor-Automaten mache dagegen viel zusätzliche Arbeit.

Die Indoor-Automaten integrieren sich besser in den Gesamteinkauf und passen zum Einkaufsverhalten der Kunden.

Dennis Speckmann

Auch mit der Kundenkarte ist Dennis Speckmann nicht völlig zufrieden: „Anfangs war sie kein Kundenbindungsmittel, eher im Gegenteil“, erzählt er. Durch viele Störungen auf der Karte habe man sich sogar Kunden verprellt. Mittlerweile funktioniert die Karte weitestgehend fehlerfrei.

Bis zu 10 Cent des Umsatzes fließen pro Liter verkaufter Milch für Standfläche und Strom an die Einzelhändler. „Der administrative Aufwand mit den inhabergeführten Läden ist dabei um einiges einfacher und unkomplizierter als mit den überwiegend zentral gesteuerten Handelskonzernen“, so Speckmann.

Investition in die Molkerei

Egal ob In- oder Outdoor: Alle zwei Tage tauscht eine Dorfmilch-Mitarbeiterin die 200 l Tanks der fünf Automaten aus. Alle milchführenden Teile werden beim Tankwechsel auf dem Speckmann-Hof komplett gereinigt, die Milchreste an die Kälber verfüttert. Im täglichen Automatenbetrieb wird zudem nach jedem Zapfvorgang eine Wasserdampfreinigung mit destilliertem Wasser durchgeführt.

Wie viel Milch verkauft wird, unterscheidet sich je nach Markt und Wochentag: „Samstags verkaufen wir mehr als doppelt so viel wie Dienstags“ so Speckmann. „70 l pro Tag und Automat sind aber Muss, um wirtschaftlich arbeiten zu können. 100 l plus wären schön.“ Die Füllmenge der einzelnen Tanks richtet sich bedarfsgerecht nach Wochentag und Markt.

Tanks spülen, Milch pasteurisieren, Tanks wieder befüllen: Die Molkerei ist das neue Herzstück der GbR. (Fotos: Düfelsiek).

Auf eine größere Absatzmenge ist auch die Molkerei der Dorfmilch-GmbH & Co. KG ausgelegt. 1000 l können pro Stunde pasteurisiert werden. Die Menge sei aktuell noch nicht notwendig, sagt Dennis Speckmann. „Die Molkerei ist eine Investition in die Zukunft.“

70 l pro Tag und Automat sind Muss, um wirtschaftlich arbeiten zu können. 100 l plus wären schön.

Dennis Speckmann

20 Sek. lang wird die Milch genau auf 75 °C erhitzt. Ihr Fettgehalt schwankt zwischen 3,6 % und 4 %. Homogenisiert wird die Dorfmilch nicht. „So bleiben die Fettmoleküle rund und die Milch ist bekömmlicher“, erklärt der Ostwestfale. „Wir haben sogar laktoseintolerante Kunden, die unsere Milch vertragen.“ Zu pauschalisieren sei dies aber nicht.

Milch per Mausklick

Noch vermarktet die GbR weniger als 10 % der gesamten Milchmenge über die eigene Molkerei. Die übrige Milch wird von Fude-Serrahn abgenommen. Zukünftig soll der Dorfmilchanteil aber weiter wachsen. „Ein Ab-Hof-Verkauf rentiert sich durch unsere Lage nicht“, so Speckmann. „Wir sind daher immer auf der Suche nach neuen Absatzwegen.“

„Wir wollen nicht 100% austauschbar sein.“ free

Seit Anfang September 2018 kann die Dorfmilch auch per Mausklick bezogen werden. Als einer von 14 Erzeugern bestückt das Dorfmilch-Team „Wochenmarkt 24“ – einen virtuellen Wochenmarkt für die Region Gütersloh-Bielefeld. Die Erzeuger bieten auf der Plattform Fleisch, Gemüse, Brot, Milch und weitere Produkte an. Bis 18 Uhr können Kunden online ihre Bestellung aufgeben. Die jeweiligen Erzeuger werden per Mail benachrichtigt und bereiten ihre Produkte vor. Gegen 20 Uhr sammelt ein Wochenmarkt 24 Mitarbeiter die Bestellungen bei den Erzeugern ein und stellt die individuellen Warenkörbe der Kunden zusammen. Wochenmarkt 24 liefert die Produkte auch aus: Am nächsten Morgen stehen die Bestellungen bis 6 Uhr vor der Tür der Kunden. Geliefert wird in ISO-Boxen, die auf Wunsch abschließbar und je nach gewählten Produkten mit Kühlakkus versehen sind.

Eigentlich wie der Eiermann früher – nur auf die moderne Arbeitswelt zugeschnitten.

Dennis Speckmann

Wochenmarkt 24 ist als Genossenschaft organisert und auf die Region Gütersloh-Bielefeld beschränkt: Die Erzeuger müssen aus der Region stammen und auch der Vertrieb erfolgt in einem Umkreis von maximal 30 km. Projektinitiator ist Robert Tönnies, der das Projekt auch begleitet und finanziell unterstützt.

Regional und digital passen für Dennis Speckmann dabei gut zusammen: „Die Erzeuger müssen aus der Umgebung kommen und auch der Vertrieb erfolgt regional. Eigentlich wie der Eiermann früher – nur auf die moderne Arbeitswelt zugeschnitten.“


Die GbR in Zahlen

Insgesamt bewirtschaft die GbR 240 ha: 130 ha Ackerfläche mit Gerste, Triticale und Mais sowie 10 ha Brach- und Blühflächen; 110 ha Grünland inkl. 40 ha Naturschutzfläche. Die knapp 270 Milchkühe werden im 26er Melkkarussel gemolken.
Der GbR stehen sieben Arbeitskräfte zur Verfügung: Neben den beiden Betriebsleitern und dem Senior Hermann Speckmann sind drei „Externe“ in den Bereichen Landwirtschaft, Molkerei und Melken tätig. Seit 2014 ist zudem Reinhard Wortmanns Sohn Michel verantwortungsvoll mit in die GbR einbezogen. Darüber hinaus unterstützen die Frauen der Betriebsleiter in der GbR und in der Hof-Molkerei.