farm Story

Die Rückkehr des Trüffelanbaus

Trüffel-Pionier Heinrich Vernhold baut auf seinem Betrieb Burgundertrüffel an. Bis zur ersten Ernte braucht der Landwirt einen langen Atem. (Foto: Vernhold)

Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (41/2019) erschienen.

Trüffel gehören nicht gerade zu den Klassikern auf dem Acker. Trotzdem hat Heinrich Vernhold aus NRW den Anbau gewagt und hofft in diesem Jahr auf die erste Ernte der kostbaren Spezialität.

Dass Deutschland vor 200 Jahren als Exportland für Trüffel galt, weiß heute kaum noch jemand. Stattdessen werden Millionenwerte an Trüffel ins Land importiert. Und das, obwohl Deutschland beste Voraussetzungen für den Trüffelanbau besitzt. Darauf spekuliert Trüffelanbauer Heinrich Vernhold. Vor sieben Jahren hat er eine Trüffelplantage angelegt und sieht heute großes Potenzial in seinem Projekt.

Manchmal kommen einem die besten Ideen, wenn man nicht damit rechnet.

Heinrich Vernhold
Silke und Heinrich Vernhold mit ihrer Lagotto-Romagnolo-Hündin Cara. (Foto: Lülf)

Anbau des Edelpilz

„Manchmal kommen einem die besten Ideen, wenn man nicht damit rechnet“, erinnert sich Heinrich an jenen Abend zurück, als er zur späten Stunde den Fernseher einfach nicht ausstellen konnte. Der Grund: eine Dokumentation über zwei Landwirte aus Neuseeland, die Trüffel anbauen.

Trüffel werden europaweit angebaut – vom Mittelmeerraum bis nach Skandinavien. „Warum dann nicht auch hier, im deutschen Lippetal?“, fragte er sich und ließ den Worten Taten folgen. Verschiedene Labore untersuchten Bodenproben seiner Fläche. Fachleute begutachteten seinen Acker. Das Ergebnis: Die Fläche ist für den Trüffelanbau geeignet. Also entschloss sich Heinrich, einen Versuch zu wagen. 2011 pflanzte er schließlich seine ersten zehn Trüffelbäume an.

Voraussetzung ist ein gut durchlüfteter, lehmiger bis schluffiger Boden, mit pH-Werten um die 7,5.

Heinrich Vernhold

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Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (41/2019) erschienen.

Trüffel gehören nicht gerade zu den Klassikern auf dem Acker. Trotzdem hat Heinrich Vernhold aus NRW den Anbau gewagt und hofft in diesem Jahr auf die erste Ernte der kostbaren Spezialität.

Dass Deutschland vor 200 Jahren als Exportland für Trüffel galt, weiß heute kaum noch jemand. Stattdessen werden Millionenwerte an Trüffel ins Land importiert. Und das, obwohl Deutschland beste Voraussetzungen für den Trüffelanbau besitzt. Darauf spekuliert Trüffelanbauer Heinrich Vernhold. Vor sieben Jahren hat er eine Trüffelplantage angelegt und sieht heute großes Potenzial in seinem Projekt.

Manchmal kommen einem die besten Ideen, wenn man nicht damit rechnet.

Heinrich Vernhold
Silke und Heinrich Vernhold mit ihrer Lagotto-Romagnolo-Hündin Cara. (Foto: Lülf)

Anbau des Edelpilz

„Manchmal kommen einem die besten Ideen, wenn man nicht damit rechnet“, erinnert sich Heinrich an jenen Abend zurück, als er zur späten Stunde den Fernseher einfach nicht ausstellen konnte. Der Grund: eine Dokumentation über zwei Landwirte aus Neuseeland, die Trüffel anbauen.

Trüffel werden europaweit angebaut – vom Mittelmeerraum bis nach Skandinavien. „Warum dann nicht auch hier, im deutschen Lippetal?“, fragte er sich und ließ den Worten Taten folgen. Verschiedene Labore untersuchten Bodenproben seiner Fläche. Fachleute begutachteten seinen Acker. Das Ergebnis: Die Fläche ist für den Trüffelanbau geeignet. Also entschloss sich Heinrich, einen Versuch zu wagen. 2011 pflanzte er schließlich seine ersten zehn Trüffelbäume an.

Voraussetzung ist ein gut durchlüfteter, lehmiger bis schluffiger Boden, mit pH-Werten um die 7,5.

Heinrich Vernhold

„Trüffel leben in einer Symbiose mit Baumwurzeln. Der Pilz erhöht die Wasser- und Nährstoffaufnahme des Baumes und erhält im Gegenzug Kohlenhydrate, die er für sein Wachstum benötigt. Damit sich der Edelpilz ansiedelt, pflanzt man also geeignete, mit Trüffelsporen beimpfte Jungbäume“, erläutert der Anbauer das Vorgehen. Der Testdurchlauf erwies sich als erfolgreich, sodass der Trüffel-Pionier, gemeinsam mit seiner Frau Silke, 2012 auf einer Fläche von 2  ha 1000 Trüffelbäume pflanzte.

Stimmt der pH-Wert?

„Für den erfolgreichen Anbau des hier heimischen Burgundertrüffels müssen einige entscheidende Punkte beachtet werden“, erklärt Heinrich. „Voraussetzung ist ein gut durchlüfteter, lehmiger bis schluffiger Boden, mit pH-Werten um die 7,5.“ Zusätzlich werden geeignete Jungbäume benötigt. In Deutschland gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Baumschulen, die diese vermarkten. Silke und Heinrich Vernhold haben sich nach umfangreicher Recherche für Eichen, Buchen und Haselnussbäume entschieden.

Eine Mischung sei aus zwei Gründen sinnvoll. Erstens: Die verschiedenen Bäume haben unterschiedliche Anfälligkeiten gegenüber Umwelteinflüssen wie Trockenheit oder Schädlinge. Zweitens: Die Erntedauer sowie der Erntebeginn variieren. „Haselnussbäume beispielsweise bewirken durch ihr schnell wachsendes Wurzelwerk ein frühzeitiges Ansiedeln der kostbaren Pilze. Bei einer Eiche hingegen kann man eine längere Ernte von bis zu 40 Jahren erwarten“, begründet Heinrich.

Sieben Jahre zwischen Anbau und Ernte

Heinrich Vernhold hält das Gras unter den Bäumen mit einem Mulcher kurz. Im hohen Gras fühlen sich die Mäuse wohl. (Foto: Lülf)

Nach der Pflanzung braucht die Plantage erst einmal Zeit zum Wachsen. Nach drei bis vier Jahren sollten um die Bäume braune Stellen, ein sogenanntes Brûlé, auftauchen. „Daran erkennt man die Aktivität der Pilze. Sie entziehen dem umliegenden Boden und Gras die Nährstoffe“, erklärt er. Einmal im Jahr beschneidet er die Bäume. So bleiben die Fahrgassen frei und die Lichtzufuhr wird für das Pilzwachstum positiv beeinflusst. Zusätzlich reguliert er den Bewuchs der Fahrgassen mithilfe eines Mulchers. Das sei zwingend erforderlich, um den Mäusebefall möglichst gering zu halten. „Vor allem dieses Jahr haben wir eine regelrechte Mäuseplage. Gerade die jungen Pflanzen sind dann gefährdet“, so der Trüffelanbauer.

Vierbeinige Erntehelfer

Der Trüffelanbau ist eine langfristige Investition – denn zwischen Anbau und erster Ernte vergehen durchschnittlich sieben Jahre. In diesem Jahr sollte die Plantage nun Früchte tragen. Idealer Erntezeitraum ist von Oktober bis Februar. „Die kostbaren Pilze liegen nur etwa 20cm unter der Erde“, erklärt Heinrich. Um sie zu finden, braucht es jedoch Spezialisten: Die Helfer haben vier Beine und eine empfindliche Fellnase – drei speziell für die Trüffelsuche ausgebildete Hunde. Erst wenn die Trüffel reif sind und ihr volles Aroma entwickelt haben, können die Hunde die Pilze finden.

Die Rasse Lagotto-Romagnola ist jedoch der typische Trüffelhund und eignet sich besonders gut.

Silke Vernhold

Cara, die sechs Monate alte Lagotto-Romagnolo-Hündin macht vor Freude einen Luftsprung, als ihr Herrchen sie zur Trüffelsuche losschickt. Die Hündin braucht nicht lange, bis sie die versteckten Trüffel aufspürt und voller Stolz ihrem Herrchen die exakte Stelle präsentiert. „Eigentlich kann jede Hunderasse zum Trüffelhund ausgebildet werden. Die Rasse Lagotto-Romagnola ist jedoch der typische Trüffelhund und eignet sich besonders gut“, erzählt Silke und fügt lachend hinzu, während ihr Mann Cara ein Leckerli zuwirft. „Natürlich bekommen die Hunde auch eine Belohnung für ihren Fund.“

Ernten, und was dann?

Große Erträge erwarten die Vernholds noch nicht: Etwa 1 bis 2 kg/ ha erhoffen sie sich aber schon. Der Ertrag steigert sich dann von Jahr zu Jahr. Die Familie möchte die Trüffel direkt vermarkten. Vor allem Feinkostläden und Restaurants haben bereits großes Interesse an der kulinarischen Spezialität aus der Region bekundet.

„Die Tatsache, dass geerntete Trüffel jeden Tag 10 % ihres Geschmacks verlieren, gibt dem regionalen Anbau einen weiteren wichtigen Stellenwert“, freut sich Silke. Der Burgundertrüffel steht in der Rangliste der kulinarisch wertvollen Trüffel auf Platz drei. Der Kilopreis bewegt sich zwischen 250 und 1000 €. Auf Dauer soll sich die Investition von rund 25.000 €/ ha dann rentieren.

Keine Förderung

Obwohl die Eheleute rundum mit ihrer Geschäftsidee zufrieden sind, fühlen sie sich in einer Sache ungerecht behandelt. Und zwar in puncto Förderungen. Zwar gelten Trüffel deutschlandweit als landwirtschaftlich anerkannte Dauerkultur, jedoch sind Förderungen seitens NRW nicht geplant. Die Vernholds wissen aber: „In anderen Bundesländern erhalten Trüffelanbauer Prämien.“ In NRW wissen sie bisher von keinem anderen Trüffelanbauer. Eines ist ihnen klar: Sie werden sich auch weiterhin für Änderungen an der aktuellen Regelung einsetzen. Dass die Plantagen einen ökologischen Mehrwert haben, steht für sie außer Frage.