farm Gründerwerkstatt Story

Dienstleister im Sinne der Blüten

Das Start-up „BEEsharing“ bietet Produkte und Dienstleistungen für Landwirte, Imker und Bienenfreunde an. (Foto: BEEsharing)

„BEEsharing“ betreibt ein Netzwerk für Imker und Landwirte. Das Start-up erschließt damit einen neuen Markt. Den Löwenanteil seines Umsatzes bestreitet es jedoch mit der Vermarktung von Honig. Gründer Nils Gerber hat auch digitale Tools und Produkte in Peto.

Stadt-, Wald- oder Rapshonig - beim Start-up „BEEsharing“ findet der Bienenfreund Honig verschiedenster Couleur aus der Region. Mit einem modernen Design versucht Nils Gerber seine Honigmarke von Mitbewerbern abzuheben. „Honig gehört zu einem der meist gefälschten Lebensmittel in Deutschland“, sagt der 30-Jährige. Er verspricht, die Ware bis zum Imker zurückzuverfolgen. Das macht sich auch in einem höheren Preis bemerkbar.

Zu Beginn des Projektes 2014 dachte Nils nicht daran, einmal im großen Stil Honig zu handeln. Im Jahr 2019 waren es immerhin 80.000 kg. Die Anfänge liegen vielmehr in einem digitalen Netzwerk für Imker und Landwirte, auf dem das junge Unternehmen Bestäubungsangebote vermittelt. „Der Apfelbauer aus dem Alten Land findet über uns Kontakte zu Imkern aus der Region“, erklärt Nils. Ganz nach dem klassischen Plattformprinzip á la AirBnB können Landwirte mit einer Umkreissuche Bienenhalter aus der Umgebung finden. Der Politikwissenschaftler ergänzt: „In das Netzwerk und weitere digitale Services investierten wir bereits viel Zeit und Geld. Bis das Ganze richtig in Gang kommt, ist der Honighandel die Haupteinnahmequelle.“

Jens Block und Gründer Nils Gerber von BEEsharing. (Foto: Dicks)

Der Apfelbauer aus dem Alten Land findet über uns Kontakte zu Imkern aus der Region.

Nils Gerber

Summendes Honigbusiness

Der Honigmarkt ist groß: Ein deutscher Verbraucher verzehrt durchschnittlich rund 1 kg pro Jahr. Innerhalb eines Jahres von 2018 auf 2019 verdoppelte BEEsharing die Menge des gehandelten Honigs auf 80.000kg. „Wir werden das Honiggeschäft in der Zukunft leicht ausbauen“, sagt Nils. Insgesamt findet sich BEEsharing-Honig in über 1000 Märkten des Lebensmitteleinzelhandels deutschlandweit. Teilweise geht der Honig auch als sogenanntes „White Label“, also ohne eigenen Markenaufdruck an Industriekunden oder Lebensmitteleinzelhändler wie Edeka.

BEEsharing möchte den Honighandel mit eigenem Logo intensivieren - den Whitelabelhandel fährt das Start-up zurück. (Fotos: Dicks)

Vom Markt absetzen

Der Aufbau der eigenen Honigmarke kostete einen niedrigen sechsstelligen Betrag, den das Start-up von Investoren einsammelte. Was unterscheidet BEEsharing-Honig von der restlichen Ware, dass Investoren bereit sind, darauf Geld zu setzen? Transparenter Honig aus Deutschland scheint tatsächlich eine Rarität zu sein. Eine aktuelle Studie von Stiftung Warentest geht in eine ähnliche Richtung. Sowohl die Discounter-Ware als auch der Markenhonig schneiden dort größtenteils mit ausreichend oder mangelhaft ab. Grund dafür seien Wärmeschäden oder Deklarationsfehler und somit letztlich fehlende Transparenz. Nils sagt: „Häufig kommt der Honig gar nicht aus Deutschland, sondern aus dem nicht europäischen Ausland, allem voran China.“

Das Team hinter BEEsharing möchte andere Wege gehen. Wärmeschäden umgeht das Start-up, indem es den Honig auf nur max. 38 °C erwärmt anstatt auf 70 °C, wie es viele Mitbewerber handhaben. Letzteres ist zwar günstiger, führt aber zu einem Verlust von Inhaltsstoffen. Nils kennt die Imker, die an BEEsharing liefern. Sie stammen aus dem Netzwerk. Er sagt: „Es herrscht eine gewisse Vertrauensbasis. Und ich weiß, wie die Imker den Honig produzieren.“ Bislang vertreibt das Start-up 300-g-Gläser zwischen 4,99 € und 6,99 €. Imker, die Honig an BEEsharing liefern, bekommen je nach Art 4,50 € netto pro kg Honig oder mehr. „Bei anderen Abnehmern liegt der Preis bei rund 3,50 €“, meint Nils.

Es herrscht eine gewisse Vertrauensbasis. Und ich weiß, wie die Imker den Honig produzieren.

Nils Gerber

Im Team gründen

Das Thema Vermarktung von Honig war vor der Gründung für Nils Neuland. 2014 schloss er sich mit dem Politikwissenschaftler Otmar Tenk und dem Bankkaufmann Wolfgang Reuter zusammen, der bereits aus dem Start-up ausgestiegen ist. „Wir hatten alle eine externe Brille auf. Niemand von uns kommt aus der grünen Branche“, erinnert sich Nils. Die drei belegten Imkerkurse, holten sich Bienenvölker und suchten den Kontakt zu Verbänden. Der Startschuss für das Netzwerk wurde gelegt - über das Imker ihre Bienenvölker an Landwirte vermieten sollen. BEEsharing verdient nichts mit den Honigbienen. Mittelfristig ist eine kleine Service-Gebühr im einstelligen Prozentbereich geplant. Aber warum bleibt Nils bei der Idee, wo der Honighandel doch brummt? Bei seinen Worten schwingt durchaus eine Portion Idealismus mit.

Bereits einige Landwirte nutzen das Netzwerk, um Bienenstöcke auf ihre Felder zu ordern. (Fotos: BEEsharing)

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„BEEsharing“ betreibt ein Netzwerk für Imker und Landwirte. Das Start-up erschließt damit einen neuen Markt. Den Löwenanteil seines Umsatzes bestreitet es jedoch mit der Vermarktung von Honig. Gründer Nils Gerber hat auch digitale Tools und Produkte in Peto.

Stadt-, Wald- oder Rapshonig – beim Start-up „BEEsharing“ findet der Bienenfreund Honig verschiedenster Couleur aus der Region. Mit einem modernen Design versucht Nils Gerber seine Honigmarke von Mitbewerbern abzuheben. „Honig gehört zu einem der meist gefälschten Lebensmittel in Deutschland“, sagt der 30-Jährige. Er verspricht, die Ware bis zum Imker zurückzuverfolgen. Das macht sich auch in einem höheren Preis bemerkbar.

Zu Beginn des Projektes 2014 dachte Nils nicht daran, einmal im großen Stil Honig zu handeln. Im Jahr 2019 waren es immerhin 80.000 kg. Die Anfänge liegen vielmehr in einem digitalen Netzwerk für Imker und Landwirte, auf dem das junge Unternehmen Bestäubungsangebote vermittelt. „Der Apfelbauer aus dem Alten Land findet über uns Kontakte zu Imkern aus der Region“, erklärt Nils. Ganz nach dem klassischen Plattformprinzip á la AirBnB können Landwirte mit einer Umkreissuche Bienenhalter aus der Umgebung finden. Der Politikwissenschaftler ergänzt: „In das Netzwerk und weitere digitale Services investierten wir bereits viel Zeit und Geld. Bis das Ganze richtig in Gang kommt, ist der Honighandel die Haupteinnahmequelle.“

Jens Block und Gründer Nils Gerber von BEEsharing. (Foto: Dicks)

Der Apfelbauer aus dem Alten Land findet über uns Kontakte zu Imkern aus der Region.

Nils Gerber

Summendes Honigbusiness

Der Honigmarkt ist groß: Ein deutscher Verbraucher verzehrt durchschnittlich rund 1 kg pro Jahr. Innerhalb eines Jahres von 2018 auf 2019 verdoppelte BEEsharing die Menge des gehandelten Honigs auf 80.000kg. „Wir werden das Honiggeschäft in der Zukunft leicht ausbauen“, sagt Nils. Insgesamt findet sich BEEsharing-Honig in über 1000 Märkten des Lebensmitteleinzelhandels deutschlandweit. Teilweise geht der Honig auch als sogenanntes „White Label“, also ohne eigenen Markenaufdruck an Industriekunden oder Lebensmitteleinzelhändler wie Edeka.

BEEsharing möchte den Honighandel mit eigenem Logo intensivieren – den Whitelabelhandel fährt das Start-up zurück. (Fotos: Dicks)

Vom Markt absetzen

Der Aufbau der eigenen Honigmarke kostete einen niedrigen sechsstelligen Betrag, den das Start-up von Investoren einsammelte. Was unterscheidet BEEsharing-Honig von der restlichen Ware, dass Investoren bereit sind, darauf Geld zu setzen? Transparenter Honig aus Deutschland scheint tatsächlich eine Rarität zu sein. Eine aktuelle Studie von Stiftung Warentest geht in eine ähnliche Richtung. Sowohl die Discounter-Ware als auch der Markenhonig schneiden dort größtenteils mit ausreichend oder mangelhaft ab. Grund dafür seien Wärmeschäden oder Deklarationsfehler und somit letztlich fehlende Transparenz. Nils sagt: „Häufig kommt der Honig gar nicht aus Deutschland, sondern aus dem nicht europäischen Ausland, allem voran China.“

Das Team hinter BEEsharing möchte andere Wege gehen. Wärmeschäden umgeht das Start-up, indem es den Honig auf nur max. 38 °C erwärmt anstatt auf 70 °C, wie es viele Mitbewerber handhaben. Letzteres ist zwar günstiger, führt aber zu einem Verlust von Inhaltsstoffen. Nils kennt die Imker, die an BEEsharing liefern. Sie stammen aus dem Netzwerk. Er sagt: „Es herrscht eine gewisse Vertrauensbasis. Und ich weiß, wie die Imker den Honig produzieren.“ Bislang vertreibt das Start-up 300-g-Gläser zwischen 4,99 € und 6,99 €. Imker, die Honig an BEEsharing liefern, bekommen je nach Art 4,50 € netto pro kg Honig oder mehr. „Bei anderen Abnehmern liegt der Preis bei rund 3,50 €“, meint Nils.

Es herrscht eine gewisse Vertrauensbasis. Und ich weiß, wie die Imker den Honig produzieren.

Nils Gerber

Im Team gründen

Das Thema Vermarktung von Honig war vor der Gründung für Nils Neuland. 2014 schloss er sich mit dem Politikwissenschaftler Otmar Tenk und dem Bankkaufmann Wolfgang Reuter zusammen, der bereits aus dem Start-up ausgestiegen ist. „Wir hatten alle eine externe Brille auf. Niemand von uns kommt aus der grünen Branche“, erinnert sich Nils. Die drei belegten Imkerkurse, holten sich Bienenvölker und suchten den Kontakt zu Verbänden. Der Startschuss für das Netzwerk wurde gelegt – über das Imker ihre Bienenvölker an Landwirte vermieten können. BEEsharing verdient nichts mit den Honigbienen. Mittelfristig ist eine kleine Service-Gebühr im einstelligen Prozentbereich geplant. Aber warum bleibt Nils bei der Idee, wo der Honighandel doch brummt? Bei seinen Worten schwingt durchaus eine Portion Idealismus mit.

Bereits einige Landwirte nutzen das Netzwerk, um Bienenstöcke auf ihre Felder zu ordern. (Fotos: BEEsharing)

Geschäftsmodell Plattform

„Zwar verspricht die zielgerichtete Bestäubung durch Bienen höhere und sichere Erträge – Landwirte und Imker finden sich nur schwer“, sagt Nils. 150 Landwirte und 1150 Imker sind im Netzwerk registriert. Die Teilnahme ist für alle Beteiligten kostenlos. Ein Mitglied des Netzwerkes ist Berufsimker Konrad Geiger. Er sagt: „Vor einiger Zeit fragte ich mich, wie man Imkerei digitalisieren könnte. Da lief mir BEEsharing über den Weg. Besonders Landwirte, die zur Blüte ihres Apfel- oder Rapsbestandes Bienenstöcke an den Feldrand stellen lassen und dabei von Mehrerträgen profitieren, sind gute Multiplikatoren für BEEsharing.“ Ähnliches sagt Obstbauer Manfred Winkler: „Besonders beim Anbau von Apfel, Birne und Co. macht die Bestäubung wirtschaftlich Sinn. Ich glaube das Bewusstsein kommt so langsam bei den Landwirten an.“

Genau hier liegt die größte Schwierigkeit, sagt hingegen der Start-up-Gründer: „Viele Landwirte sehen die Bestäubungsleistung eben nicht als eine richtige Leistung an.“ Ist die Vermittlung jedoch geglückt, empfiehlt BEEsharing Kosten für die Bestäubungsleistungen. Den tatsächlichen Preis bestimmen der Landwirt und der Imker letztlich selbst. Nils sieht das Netzwerk als wichtiges Tool rund um die Bestäubung an.

Die Mauerbiene wird unterschätzt.

Nils Gerber

Von Honig-, Mauerbienen und Hummeln

Eine Bestäubung ermöglicht BEEsharing auch durch den Handel von Mauerbienen und Hummeln. Genauer gesagt mit Sets von 300 Mauerbienenpuppen oder Hummelvölkern mit 150 Arbeiterinnen. „Neben der Honigbiene kennt man in Deutschland vor allem die Hummel für die Bestäubung“, schildert Nils. „Aber die Mauerbiene wird unterschätzt. Sie bewegt sich in einem Radius von nur 150 m und ist preisgünstiger als die Hummel.“ Das Start-up empfiehlt einen Mix aus Hummeln, Mauer- und Honigbienen. „Die Mischung machts“, sagt Nils. Die Hummel- und Mauerbienensets bezieht BEEsharing von Züchtern aus Süd- und Osteuropa. Das Start-up brüstet sich daher noch nicht mit dem Schutz bedrohter Bienenarten. „Tatsächlich, wenn man vom Bienensterben spricht, spricht man vom Wildbienensterben“, meint Nils. „Ob etwa die Honigbiene die 560 Wildbienenarten in Deutschland gar schädigt, ist umstritten. Es gibt verschiedene Studien dazu.“ Ab Februar 2020 bietet BEEsharing einen e-Learning Bereich mit vielfältigem Wissen und Anleitungen zum Schutz von Wildbienenarten an.

Die Sets mit Mauerbienen werden in der Fläche integriert. (Foto: BEEsharing)

Bestäubung neu gedacht

Um BEEsharing weiterzuentwickeln und mehr Landwirte anzusprechen, schaltete das Team im November vergangenen Jahres auf bestäubung-neu-gedacht.de einen Bestäubungsrechner online. „Der Landwirt gibt das Anbauerzeugnis, den Flächenstandort und die Bewirtschaftungsweise ein“, erklärt Nils. „Das Ergebnis sagt ihm, wie viele Mauer- und Honigbienen sowie Hummeln er bräuchte.“ Mit einem Klick landen die Produkte dann im Warenkorb.

Break Even steht noch an

Aktuell erwirtschaftet BEEsharing 70% des Umsatzes mit dem Handel von Honig. 30 % fallen auf die restlichen Geschäfte. „Ich erhoffe mir durch Anpassung in unserem Konzept, dass sich das bereits in diesem Jahr je zur Hälfte aufteilt und in Waage hält.“ Konkret heißt das: BEEsharing kooperiert mit Pflanzenbauberatern der BayWa oder der RZG Raiffeisen. „Sie können mit dem Bestäubungsrechner losziehen und die Argumente für die Bestäubung fachlich anführen“, so die Idee. „Sie sind eh schon bei den Landwirten unterwegs. Wir haben gemerkt, dass das Auftreten eines Hamburger Start-ups im Vertrieb nicht bei allen Landwirten zieht.“

Ein stetiges Wachstum ist auch nötig. Das 15 Mitarbeiter starke Unternehmen BEEsharing hat den Break Even noch nicht erreicht. Nils meint: „Ich denke, dass wir 2021 schwarze Zahlen schreiben.“ Daher möchte das junge Unternehmen das Geschäftsmodell sukzessiv auf andere europäische Länder ausweiten. Nils startet sogar demnächst die ersten Aktivitäten auf dem nordamerikanischen Markt. Der Gründer meint: „Die Probleme sind die Gleichen.“