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Digital vom Acker bis zum Teller free

Auf der Digital Farming Conference am 9. Mai diskutierten Experten und Entscheider aus Agrar- und Digitalwirtschaft neueste Enwicklungen rund um die Landwirtschaft 4.0. (Foto: Rüweling)

Führt die Digitalisierung zu mehr Tierwohl, zu einer besseren Vernetzung der Landwirte und zu mehr Vertrauen beim Verbraucher? Das diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf der Digital Farming Conference in Berlin.

An innovativen Technologien und intelligenten, digitalen Anwendungen mangelt es in Deutschland nicht. Das wurde gestern auf der Digital Farming Conference des Bitkom deutlich. Große Unternehmen wie Hewlett Packard, Microsoft oder IBM nehmen mit IoT-Lösungen, Künstlicher Intelligenz und Blockchain-Technologien verstärkt auch die Agrarbranche ins Visier. Und Start-ups wie fodjan und dropnostix bieten Landwirten mithilfe von Apps Unterstützung bei der Futtermittelvergabe und beim Gesundheitsmonitoring. Es bleiben aber noch viele Fragen offen.

60 % der Landwirte halten Digitalisierung für wichtig

Ob und in welchem Umfang Sensorik, Robotik und digitale Techniken überhaupt von Landwirten genutzt und nachgefragt werden, dem ging das Marktforschungsunternehmen Kleffmann in der „Smart Farming Studie“ nach. Demnach besitzen 18 % der Befragten heute einen Melkroboter. 44 % der Landwirte nutzen eine Software zum Herdenmanagement. Landwirte investieren demzufolge eher in Melk- als in Fütterungstechnik. Je größer der Betrieb ist, desto digitaler sei er auch, so die Studie weiter. Insgesamt, so fasste Karen Gralla zusammen, sehen 60 % der Landwirte die Digitalisierung als wichtig an.

Dass es digitale Technik gibt, heißt nicht gleichzeitig, dass sie immer auch zu Verbesserungen führt.

Auszug

Dass es digitale Technik gibt, heißt jedoch nicht gleichzeitig, dass sie immer auch zu Verbesserungen führt. Zwar könne die Gesundheit eines einzelnen Tieres verbessert werden, wie die Digitalisierungsbeauftragte des BMEL, Prof. Dr. Engel Friederike Hessel, bestätigte. Allerdings bringt die Digitalisierung nur etwas, wenn der Landwirt auch einen konkreten Nutzen davon hat und die Technik vor allem auch anwenden kann. „Wir wollen keinen reinen Informatiker auf den Betrieben, sondern immer noch Landwirte mit biologischem Wissen“, so die Expertin.

Das komplexe, digitale System verdeutlichte Prof. Weltzien (links). f3-Chefredakteur Matthias Schulze-Steinmann kündigt den Start-up-Pitch an. (Fotos: Rüweling)

Ein weiterer, viel diskutierter Punkt war die mangelnde Vernetzung der einzelnen Angebote durch verschiedene Hersteller. Prof. Dr.-Ing. Cornelia Weltzien vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie verdeutlichte, auf welchen Ebenen es digitale Anwendungen gibt: „Das System ist so komplex, dass es kein Start-up alleine schafft, die Ebenen zu verbinden.“ Die Herausforderungen bestünden darin, die einzelnen Daten an verschiedenen Stellen zu sammeln und gebündelt wieder zur Verfügung stellen. „Wir kommen an einer öffentlichen Datenaustauschstelle nicht vorbei“, so Weltzien.

Vertrauen beim Verbraucher durch mehr Transparenz?

Neben der Frage nach dem Mehrwert der Digitalisierung für Tier und Landwirt und den aufgezeigten Herausforderungen beim Datenaustausch, wurde auch die Frage diskutiert, ob digitale Anwendungen zu mehr Vertrauen beim Verbraucher führen. Einen Beitrag dazu könnte die Blockchain-Technologie leisten wie Martin Stoussavljewitsch, Gründer und CEO von YOUKI, zeigte. Mithilfe der Blockchain könne der Verbraucher zum Beispiel nachvollziehen, ob für die gekauften Eier Küken getötet worden sind.

Bundesministerin Julia Klöckner blickte in ihrer Ansprache zum Konferenz-Auftakt gleich auch in Richtung Zukunft und zeigte eine Perspektive auf: „Richtig spannend wird es werden, wenn es um die digitale Dokumentation von Erfolgen im Umweltschutz geht“.

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