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Digitalisierung Milchvieh: Wo hakt es?

In der Milchviehhaltung läuft bereits vieles digital - aber noch lange nicht alles rund. Zwei Experten geben Einblicke. (Foto: Püning)

Was sollten Milchvieh- oder Rinderhalter vor der Investition in digitale Systeme bedenken? Zwei Experten geben dazu Denkanstöße.

Dieser Artikel erschien zuerst in top agrar, 7/2019

Digitale Systeme sollen die Arbeit der Landwirte erleichtern. „Deshalb darf die doppelte Dateneingabe aufgrund fehlender Schnittstellen kein Thema mehr sein“, sagt Uwe Mohr von der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in
Triesdorf
. Schnittstellen sind nötig, um Daten zwischen Programmen automatisch auszutauschen. Fehlen diese, muss der Landwirt z. B. Kalbe- oder Besamungsdaten sowohl im Herdenmanagmentprogramm als auch in dem Programm zur Aktivitätsüberwachung eintragen. Technisch sei die Einrichtung der Schnittstelle meist kein Problem, sagt Dr. Jan Harms von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Bayern.

Ein Hebel könnten mehr Anbieter von Datendrehscheiben sein, die eine Kostenverteilung organisieren.

Dr. Jan Harms, LfL

„Problematischer bzw. teurer ist, diese auch auf lange Sicht am Laufen zu halten. Denn nach Updates der Programme muss auch die Schnittstelle angepasst werden“, so Harms. Große Firmen scheuten sich, Schnittstellen für weniger verbreitete Programme bereitzustellen. Das liege auch an der Kostenstruktur: Wenn ein Sensoranbieter sein Programm um die Schnittstelle zu einem bestimmten Herdenmanagementprogramm erweitert, trägt die Kosten vor allem dem Anbieter des Managementprogramms. „Ein Hebel könnten mehr Anbieter von Datendrehscheiben sein, die eine Kostenverteilung organisieren“, so Harms.

Daten miteinander kombinieren

Auch die Genauigkeit der Daten ist laut Mohr zum Teil ausbaufähig. Diese könne durch die Kombination von Informationen verschiedener Programme sicherer werden. Die Aussage eines Sensors, der eine Geburtsvorhersage auf Basis von Aktivität und Körpertemperatur trifft, könne konkretisiert werden, indem weitere Informationen einfließen.
So z. B. der Geburtstermin aus dem Herdenmanagementprogramm.

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Was sollten Milchvieh- oder Rinderhalter vor der Investition in digitale Systeme bedenken? Zwei Experten geben dazu Denkanstöße.

Dieser Artikel erschien zuerst in top agrar, 7/2019

Digitale Systeme sollen die Arbeit der Landwirte erleichtern. „Deshalb darf die doppelte Dateneingabe aufgrund fehlender Schnittstellen kein Thema mehr sein“, sagt Uwe Mohr von der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Triesdorf. Schnittstellen sind nötig, um Daten zwischen Programmen automatisch auszutauschen. Fehlen diese, muss der Landwirt z. B. Kalbe- oder Besamungsdaten sowohl im Herdenmanagmentprogramm als auch in dem Programm zur Aktivitätsüberwachung eintragen. Technisch sei die Einrichtung der Schnittstelle meist kein Problem, sagt Dr. Jan Harms von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Bayern.

Ein Hebel könnten mehr Anbieter von Datendrehscheiben sein, die eine Kostenverteilung organisieren.

Dr. Jan Harms, LfL

„Problematischer bzw. teurer ist, diese auch auf lange Sicht am Laufen zu halten. Denn nach Updates der Programme muss auch die Schnittstelle angepasst werden“, so Harms. Große Firmen scheuten sich, Schnittstellen für weniger verbreitete Programme bereitzustellen. Das liege auch an der Kostenstruktur: Wenn ein Sensoranbieter sein Programm um die Schnittstelle zu einem bestimmten Herdenmanagementprogramm erweitert, trägt die Kosten vor allem dem Anbieter des Managementprogramms. „Ein Hebel könnten mehr Anbieter von Datendrehscheiben sein, die eine Kostenverteilung organisieren“, so Harms.

Werden in Zukunft auch Handlungsempfehlungen gegeben? (Foto: Gierse-Westermeier)

Daten miteinander kombinieren

Auch die Genauigkeit der Daten ist laut Mohr zum Teil ausbaufähig. Diese könne durch die Kombination von Informationen verschiedener Programme sicherer werden. Die Aussage eines Sensors, der eine Geburtsvorhersage auf Basis von Aktivität und Körpertemperatur trifft, könne konkretisiert werden, indem weitere Informationen einfließen. So z. B. der Geburtstermin aus dem Herdenmanagementprogramm.

Wenn der Tierarzt schon informiert ankommt, weil er die Wiederkauaktivität der Herde vorher sehen konnte, verbessert das seine Beratung. Dafür gebe ich gerne Daten frei.

Uwe Mohr

„Vor einer Investition sollten Landwirte sich fragen: Spare ich mit dieser Technik wirklich Arbeitszeit?“, sagt Mohr. Er halte zwar Wiederkau- und Aktivitätssensoren für sehr sinnvoll, doch auch diese Systeme müssten gut in den Betriebsablauf integriert sein. Das heißt: „Um mit Sensortechnik Arbeitszeit zu sparen oder die Tiergesundheit zu verbessern, sind immer auch weitere Schritte nötig. So reicht es bei einem Problem mit der Eutergesundheit der Herde nicht aus, einen Zellzahlsensor zu installieren“, sagt Harms. Um das Zellzahlproblem zu beheben, müssten Programme oder Personen die Zellzahldaten auswerten und daraus eine Handlungsempfehlung ableiten. Das kann die automatische Zwischendesinfektion des Melkzeugs oder die automatische Selektion des Tieres sein.

In der Außenwirtschaft übernehmen Dienstleister die Auswertung von Schlagdaten und leiten Empfehlungen für Bearbeitung oder Ernte einer Fläche ab. „Meiner Meinung nach brauchen wir zukünftig auch in der Milchviehhaltung externe Dienstleister, die Daten auswerten und solche Handlungsempfehlungen generieren“, so Harms.

Und immer wieder: Sind die Daten sicher?

Sensoren am Tier oder Melkroboter generieren viele Daten zu den Einzeltieren und dem Betrieb. Grundsätzlich ist ein kritischer Umgang mit der Freigabe dieser Daten wichtig. Unternehmen handhaben Speicherung und externen Zugriff auf die Programme jedoch unterschiedlich. Hier sollten Landwirte genau hinterfragen, was die Hersteller ihnen anbieten, wie sie die Daten schützen und welche Garantien sie bieten. „Ich rate dazu, auf separate Zugänge für Berater und andere Externe zu bestehen“, sagt Harms.

Darüber lasse sich der Zugriff auf bestimmte Daten oder Bereiche des Programms einschränken. „Welche Daten ein Betrieb an Dritte weitergibt, muss er letzlich selbst entscheiden“, sagt Mohr. Er sieht in dem Zugriff einen Vorteil: „Wenn der Tierarzt schon informiert ankommt, weil er die Wiederkauaktivität der Herde vorher sehen konnte, verbessert das seine Beratung. Dafür gebe ich gerne Daten frei.“