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Digitalisierung zwischen Hype und Realität

Nicht nur auf dem Podium wurde während der „Farm & Food 4.0“ viel diskutiert. An acht Round Tables kamen die Kongressteilnehmer mit Gründern, Forschern und Unternehmern ins Gespräch. (Foto: Deutscher Bauernverlag)

Ob im Agrarbüro, beim Pflanzenschutz oder im Vertrieb – die Digitalisierung verspricht Lösungen für ­nahezu alle Agrarbereiche. Auf der "Farm & Food 4.0" wurde das große digitale Versprechen einer Bestandsaufnahme unterzogen: Wie viel davon ist handfest, wie viel ist Hype?

Fernab der hiesigen Landwirtschaft wird im Silicon Valley die digitale Agrarwelt kreiert. Nicht mehr ganz so fern finden auch in Deutschlands (Digital-)Hauptstadt beinahe täglich Veranstaltungen rund um das Dauerthema Digitalisierung statt. Doch was davon kommt auf den Betrieben an? Und was nützt diesen wirklich? „Viel zu wenig“ – so lautete eines der Diskussionsergebnisse der diesjährigen „Farm & Food 4.0“.

Unter dem Titel „Don´t Sleep – Die Digitalisierung nicht verschlafen“ fand der internationale Kongress am Montag dieser Woche in Berlin statt. Rund 400 Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, Land- und Lebensmittelwirtschaft blickten in vier Panels (zur thematischen Übersicht geht's hier) auf die digitalen Chancen vom Acker bis zum Teller – und zogen eine durchaus gemischte Bilanz.

Mehrwert sichtbar machen

Nach vier Jahren Precision Farming habe sein Nachbar den punktgenauen Pflanzenschutz wieder aufgegeben, berichtete 365FarmNet-Geschäftsführer Maximilian von Löbbecke. Es habe sich einfach nicht gerechnet. „Effizienzsteigerung und Produktivität – das sind die Themen, mit denen wir die Landwirte abholen müssen“, leitete von Löbbecke ab.

Im Panel "Digital Agriculture" diskutierten (v. l. n. r.): Georg Mayerhofer (Landwirt des Jahres 2017), Jonathan Bernwieder (Agrando), Dr. Andreas Möller (Autor und Moderator), Maximilian von Löbbecke (365FarmNet), Dr. Martin Kunisch (KTBL) und Michael Horsch (HORSCH Maschinen). (Foto: Deutscher Bauernverlag).

Zustimmung erhielt er von Mitdiskutant Jonathan Bernwieser, Gründer der Agrarhandelsplattform Agrando: „Digitalisierung kann dabei helfen, die Zeit der Landwirte besser und in die richtigen Sachen zu investieren.“ Den digitalen Alltag im Agrarbüro zu etablieren, sei daher ein Ansatzpunkt. „Die Grundlage der Digitalisierung ist Standardisierung. Im Agrarbüro wiederholen sich Arbeitsabläufe und lassen sich gut digitalisieren“, erklärte der Gründer. In vielen Bereichen sei eine Standardisierung allerdings noch nicht möglich.

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Ob im Agrarbüro, beim Pflanzenschutz oder im Vertrieb – die Digitalisierung verspricht Lösungen für ­nahezu alle Agrarbereiche. Auf der „Farm & Food 4.0“ wurde das große digitale Versprechen einer Bestandsaufnahme unterzogen: Wie viel davon ist handfest, wie viel ist Hype?

Fernab der hiesigen Landwirtschaft wird im Silicon Valley die digitale Agrarwelt kreiert. Nicht mehr ganz so fern finden auch in Deutschlands (Digital-)Hauptstadt beinahe täglich Veranstaltungen rund um das Dauerthema Digitalisierung statt. Doch was davon kommt auf den Betrieben an? Und was nützt diesen wirklich? „Viel zu wenig“ – so lautete eines der Diskussionsergebnisse der diesjährigen „Farm & Food 4.0“.

Unter dem Titel „Don´t Sleep – Die Digitalisierung nicht verschlafen“ fand der internationale Kongress am Montag dieser Woche in Berlin statt. Rund 400 Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, Land- und Lebensmittelwirtschaft blickten in vier Panels (zur thematischen Übersicht geht’s hier) auf die digitalen Chancen vom Acker bis zum Teller – und zogen eine durchaus gemischte Bilanz.

Mehrwert sichtbar machen

Nach vier Jahren Precision Farming habe sein Nachbar den punktgenauen Pflanzenschutz wieder aufgegeben, berichtete 365FarmNet-Geschäftsführer Maximilian von Löbbecke. Es habe sich einfach nicht gerechnet. „Effizienzsteigerung und Produktivität – das sind die Themen, mit denen wir die Landwirte abholen müssen“, leitete von Löbbecke ab.

Im Panel „Digital Agriculture“ diskutierten (v. l. n. r.): Georg Mayerhofer (Landwirt des Jahres 2017), Jonathan Bernwieder (Agrando), Dr. Andreas Möller (Autor und Moderator), Maximilian von Löbbecke (365FarmNet), Dr. Martin Kunisch (KTBL) und Michael Horsch (HORSCH Maschinen). (Foto: Deutscher Bauernverlag).

Zustimmung erhielt er von Mitdiskutant Jonathan Bernwieser, Gründer der Agrarhandelsplattform Agrando: „Digitalisierung kann dabei helfen, die Zeit der Landwirte besser und in die richtigen Sachen zu investieren.“ Den digitalen Alltag im Agrarbüro zu etablieren, sei daher ein Ansatzpunkt. „Die Grundlage der Digitalisierung ist Standardisierung. Im Agrarbüro wiederholen sich Arbeitsabläufe und lassen sich gut digitalisieren“, erklärte der Gründer. In vielen Bereichen sei eine Standardisierung allerdings noch nicht möglich.

Digitalisierung kann dabei helfen, die Zeit der Landwirte besser und in die richtigen Sachen zu investieren.

Jonathan Bernwieder (Agrando)

Der digitale Dämpfer

Sichtbar wird dies außerhalb der Büros: In der Tierproduktion, einem Feld mit wiederkehrenden Arbeitsabläufen, gehören digitale Prozesse längst zum Betriebsalltag: Melkroboter, Brunsterkennung oder digitale Sauenplaner sind schon lange keine Fremdwörter mehr. Grenzen der Digitalisierung nimmt Michael Horsch, Geschäftsführer des gleichnamigen Landmaschinenherstellers, vor allem im Ackerbau wahr. „Je höher der Grad der Digitalisierung, desto geringer ist der Reinertrag“, führt er aus. Precision Farming sei keine Allzweckwaffe, sondern müsse immer als Ergänzung gesehen werden: „Wenn deine Flächen vom Ackerfuchsschwanz befallen sind, mit 1000 Planzen pro m² – was willst du da noch punktuell rausspritzen?“, dämpfte Horsch die Euphorie rund um das Thema Precision Farming. Wichtig sei es dagegen, die gesamte Fruchtfolge im Blick zu haben.

Wenn deine Flächen vom Ackerfuchsschwanz befallen sind, mit 1000 Planzen pro m² – was willst du da noch punktuell rausspritzen?

Michael Horsch

Trotz aller digitalen Hürden, die sich nicht zuletzt in fehlenden Schnittstellen zeigten, lohne sich die Investition in den digitalen Betrieb, bilanzierte von Löbbeke. Die Frage dürfe nicht sein, was die Digitalisierung alles koste. „Die Frage ist: Was kostet es, sie zu verschlafen?“

Informationen monetarisieren

Manchmal könne selbst sie das Schlagwort Digitalsierung kaum noch hören, gab Ministerin Julia Klöckner zu. (Foto: Deutscher Bauernverlag)

Dass die Digitalisierung enorme Potenziale birgt, zeigte sich in der Diskussionsrunde zu Agrifood. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hob in ihrem Vortrag den Aspekt der Transparenz hervor: „Wir können Rückschlüsse zu Stoffwechsel und Gesundheitszustand jedes einzelnen Tieres ziehen.“

Wie sich daraus ein Mehrwert für Landwirte und Verbraucher erzielen lässt, machte Prof. Dr. Cornelia Weltzien vom Leibniz Institut für Agrartechnik und Bioökonomie deutlich. Durch Techniken wie Blockchain werde es möglich, Produktinformationen zu vermarkten. „Die Biodiversitätsleistung von Produkten kann in Wert gesetzt werden“, erläuterte die Wissenschaftlerin. „Für die Verbraucher bedeutet das totale Rückverfolgbarkeit, für die Landwirte mehr Geld für gute Produkte.“

In-vitro-Fleisch: Wunder mit Widersprüchen free

Die Panels im Überblick

  • Panel 1 – Digital Agriculture, Hype vs. Reality: Über den Einsatz aktueller Technologien für die Ernte von heute und die gesellschaftlichen Herausforderungen von morgen
  • Panel 2 – Smart & Connected Agrifood: Über die Rolle des BMEL in der Digitalisierung , die Entwicklung von der statischen Wertschöpfungskette zum dynamischen Wertschöpfungsnetzwerk und disruptive Technologien
  • Panel 3 – Pioneering AgTech: Über AgTech und FoodTech Trends im Silicon Valley, die Zusammenarbeit von Start-ups und Unternehmen und Corporate und VC Investments in Start-ups
  • Panel 4 – Clean Meat: Über die Fragen, wann die Clean Meat Revolution stattfindet, weshalb große Fleischproduzenten jetzt investieren und welche Rolle die Konsumenten dabei spielen