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Duftstoffe gegen Schadinsekten? free

Die Kohlschabe zählt zu einem der häufigsten Schädlinge im Kohlanbau. Der Einsatz von Pheromonen könnte ein alternativer Bekämpfungsansatz sein. (Foto: stock.adobe/ Xiangli)

Pheromone sind Duftstoffe, die viele Tiere zur Kommunikation mit Artgenossen nutzen. In der Schädlingsbekämpfung könnten sie effektiv sein – es gibt allerdings noch Probleme.

Insektizide sind ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Schädlinge wie dem Maiszünsler oder dem Rapsglanzkäfer. Nun arbeitet ein Team aus europäischen Forschern unter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP Stuttgart und dem 2016 gegründeten Start-up „Biophero“ aus Dänemark an einer Alternative. Sie setzen auf sogenannte Pheromone, also Duftstoffe, die Tiere zur Kommunikation mit Artgenossen setzen.

Wir setzen auf eine biotechnologische Herstellung von Pheromonen, anstatt sie chemisch zu synthetisieren.

Irina Borodina vom Start-up Biophero

Der Einsatz von Pheromonen auf dem Acker könnte dazu führen, dass Männchen die Insektenweibchen zur Paarung nicht finden. Die Männchen sind vor lauter Botenstoffe verwirrt. Der Einsatz der Pheromone verhindere demnach die Befruchtung und das Ablegen der Eier und sei ein alternativer Schädlingsbekämpfungsansatz. Nach Einschätzung des Projektes „Olefine“ seien die Pheromone in der Herstellung jedoch noch zu teuer und die Herstellung umweltschädlich.

EU-Projekt Olefine

Das EU-finanzierte Projekt möchte diese beiden Probleme lösen. Dazu entwickelt das Projektteam ein Verfahren zur Herstellung von Pheromonen, das kostengünstiger als bisherige Verfahren sein soll. „Wir setzen auf eine biotechnologische Herstellung von Pheromonen, anstatt sie chemisch zu synthetisieren. Die Pheromone basieren auf Hefezellen“, erläutert Irina Borodina, Gründerin von Biophero, auf Nachfrage von f3. Die Hefezellen produzieren Pheromone unter bestimmten Bedingungen über ihren Stoffwechsel. Dadurch soll die Gewinnung im Gegensatz zu der synthetischen Herstellung umweltfreundlicher sein.

Pheremone sind artspezifisch. Anders als Insektizide wirken sie meistens nur bei einer Spezies.

Irina Borodina

Die Fraunhofer-Forscher werden im Verlauf des Projektes prüfen, inwiefern Herstellung und Verwendung der biotechnologisch hergestellten Pheromone tatsächlich nachhaltig sind. Zudem erstellen sie eine Ökobilanz. Die Erkenntnisse der Stuttgarter Forscher setzt Biophero bei der Prozessentwicklung um. „Die Wirksamkeit unserer patentierten Technologie wurde jetzt sowohl im Labor als auch in Feldversuchen nachgewiesen“, sagt Irina, „2020 wollen wir weitere Erfahrungen sammeln.“

Erste Ergebnisse

In dem Projekt hat das Start-up nach eigenen Angaben bereits gute Ergebnisse in der Bekämpfung der Kohlschabe und des Gelben Rüsselbohrers erzielt. Irina sagt: „Pheremone sind artspezifisch. Anders als Insektizide wirken sie meistens nur bei einer Spezies. Die Nützlinge können sich weiter fortpflanzen.“

Die Kostenanalyse liegt beim Fraunhofer-Institut. Es geht davon aus, dass die biotechnologische Herstellung der Pheromone deutlich kostengünstiger ist als die chemische Synthese. Mit fortschreitender Entwicklung könnte die Methode von Biophero mit herkömmlichen Insektiziden mithalten, so die Hoffnung.

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