food Gründerwerkstatt Interview

Ein Jahr „KitchenTown“ in Berlin: Die Food-Community wächst free

Food-Gründer und Gründerinnen können die Produktionsstätte von "KitchenTown" für kleine Mengen oder zur Entwicklung nutzen. (Foto: Nina Keinrath)

Der Food-Inkubator feiert Geburtstag. Im vergangenen Jahr eröffnete „KitchenTown“ in Berlin den zweiten Standort in Europa. Co-Gründer Lukas Neuß zieht ein Resümee.

Seit 2014 betreibt „KitchenTown“ eine Plattform für Food- und Tech-Start-ups im Silicon Valley. Vor einem Jahr öffnete der deutsche Ableger seine Türen in Berlin. Er ist ein Joint Venture des Kekskonzerns Bahlsen mit Kitchentown San Francisco. Der Inkubator unterstützt Start-ups von der ersten Idee eines Produkts bis in die Skalierungsphase. In der Produktionsstätte können Gründer ihre Produktidee entwickeln, testen und auf den Markt bringen.

Wir schauen zufrieden auf das erste Jahr zurück. Dennoch hat uns die Coronakrise herausgefordert.

Lukas Neuß

Ein weiterer Bestandteil ist das Accelerator-Programm, das sich an Start-ups mit innovativen Ideen aus dem Food-Bereich richtet und eine Finanzierung von 30.000 € für 6% der Unternehmensanteile zur Verfügung stellt. f3 sprach mit Kitchentown-Chef Lukas Neuß über die Start-ups und Beteiligungen im ersten Jahr.

f3: Wie viele Start-ups sind bei euch dabei? Aus welchen Bereichen des Food-Sektors kommen sie?

Lukas Neuß: Seit der Eröffnung im Oktober 2019 haben wir mit mehr als 140 Mitgliedern von ca. 50 Firmen gearbeitet. Eine Momentaufnahme ist ziemlich schwierig, da Kitchentown auf einem sehr modularen Mitmach-Prinzip basiert. Die Start-ups nutzen und buchen die unterschiedlichen Angebote (Co-Working, Produktentwicklung, Produktion für Kleinmengen) immer genau dann, wenn sie diese brauchen.

Die Start-ups kommen im Wesentlichen aus den Bereichen „Alternative Proteine“, „personalisierte Ernährung“, „neue oder wiederentdeckte Zutaten“, „nachhaltige und zirkuläre Konzepte“ sowie „Tech-Innovationen“.

Lukas ist einer von zwei Geschäftsführern von Kitchentown in Berlin. (Foto: Nina Keinrath)

f3: Welche Produkte wurden bislang entwickelt und hergestellt?

Lukas Neuß: Von Bio-Getränkepulver, das Leitungswasser pimpt und so zur Reduktion von Plastikflaschen beiträgt, bis hin zu veganem Käse, sind ganz unterschiedliche Produkte dabei. Beispiele sind das Start-up „vly„, das bei uns an verschiedenen Milchproduktalternativen auf Basis pflanzlicher Proteine arbeitet oder „Nordic Oceanfruit“, die u.a. veganen Thunfisch aus Algen entwickeln. Ebenso ist „VAAY“ dabei, ein Start-up das sich mit dem Inhaltsstoff CBD beschäftigt.

Außerdem hat zum Beispiel die Firma „Aitme“ das Finetuning ihres Food-Robotics-Ansatzes bei uns abgeschlossen sowie erste Rezepturen entwickelt. In der Produktion reicht die Bandbreite von veganer Schokolade über Peanutbutter bis hin zu kaltgepressten Säften, alkoholfreien Destillaten oder zuckerfreien Desserts.

Wir sind kreativ geworden und haben neue Wege gefunden, miteinander in Kontakt zu kommen und zu bleiben.

Lukas Neuß

f3: Wie sieht es mit Beteiligungen an Start-ups aus?

Lukas Neuß: Wir haben uns bisher an vier Unternehmen beteiligt: „Zveetz„, „Oat Concept„, „Easip„, „Heydrate„. Wir beteiligen uns immer mit einem Standarddeal und geben 30.000 € sowie unser sechsmonatiges Entwicklungsprogramm.

f3: Wenn du auf das vergangene Jahr zurückblickst: Was lief gut? Was lief weniger gut? 

Lukas Neuß: Wir schauen zufrieden auf das erste Jahr zurück. Dennoch hat uns die Coronakrise herausgefordert. Gerade die vielen Events und mit ihnen die Möglichkeit zu netzwerken und sich auszutauschen, vermissen wir schon. Das ist vis-a-vis einfach was anderes als mit einem Bildschirm dazwischen. Wir sind kreativ geworden und haben neue Wege gefunden, miteinander in Kontakt zu kommen und zu bleiben. So haben wir es dieser Zeit zu verdanken, dass wir zwei neue Remote-Mitgliedschafen entwickelt haben, die eine physische Anwesenheit in Berlin nicht länger notwendig machen.

Auf jeden Fall freuen wir uns über das Erreichte: die Entstehung der Food-Community, die verschiedenen Partnerschaften sowie die konstante Nachfrage der Angebote in den verschiedenen Bereichen. In einigen Bereichen haben wir sogar schon Wartelisten.

f3: Was ist für das kommende Jahr geplant? Wie soll es in der Zukunft weitergehen?

Lukas Neuß: Wir wollen auf unsere stabile Basis, die wir im ersten Jahr geschaffen haben, aufbauen. Wir wollen dazu beitragen, dass Food-Konzepte schnell entwickelt aber auch validiert werden. Außerdem wollen wir uns noch mehr in der europäischen Szene zu vernetzen.

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