farm Perspektivwechsel Story

Biosauen im Laufstall

Die Biosauen bringen pro Wurf im Schnitt 15 lebend geborene Ferkel zur Welt. Es gibt Einstreu und eine Wärmelampe, aber kein exakt beheiztes Ferkelnest. (Foto: Schulte)

Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (5/2020) erschienen.

Die Atmosphäre ist wie in einem Laufstall für Milchvieh. Doch statt Kühen trotten Sauen gemächlich durch die geräumige Halle. Ab und zu hört man ein Gitter klappern, eine Tränke rauschen oder ein kehliges Grunzen. Ansonsten herrscht im offenen Wartestall der Familie Harmsen eine beeindruckende Ruhe. Jan Harmsen hat den Betrieb im niederländischen Hengelo bereits vor knapp 20 Jahren auf „Öko“ umgestellt. 2014 stieg sein Sohn Wilco mit ein. Heute betreuen die beiden gemeinsam mit einem festen Mitarbeiter 320 Sauen.

Biosauen
Die Biosauen bringen pro Wurf im Schnitt 15 lebend geborene Ferkel zur Welt. Es gibt Einstreu und eine Wärmelampe, aber kein exakt beheiztes Ferkelnest. (Foto: Schulte)

Biosauen in Reih und Glied

Im Wartebereich sind die Sauen in drei dynamische Gruppen eingeteilt. Alle Tiere fressen gleichzeitig. Das vermeidet Stress und erleichtert die Tierkontrolle. Um die Sauen zu impfen oder anderweitig zu behandeln, kann Wilco sie in ihren Fressständen fixieren. Das tut er auch, wenn er dreimal pro Woche mit dem Radlader den Kot abschiebt. So sollen die Sauen möglichst sauber bleiben und nicht ausrutschen. In der Mitte des Laufhofes finden sich zudem Raufen mit Grassilage.

Vor allem wenn es windig ist, bleiben die Sauen auch gerne drinnen.

Wilco Harmsen

Zum Ruhen können sich die Sauen ins Stallinnere in große, dick mit Stroh eingestreute Liegekojen zurückziehen. Trotz der kalten Temperaturen ist ein Großteil der Tiere draußen. „Das ist nicht immer so. Vor allem wenn es windig ist, bleiben die Sauen auch gerne drinnen“, berichtet Wilco. Einige Jungsauen laufen auf dem angrenzenden Grünland. Im Sommer dürfen alle trächtigen Sauen gruppenweise auf die Weide.

Biosauen
Im Laufhof finden die Biosauen Futter und Wasser. Durch die Lamellen-Vorhänge gelangen sie ins Stallinnere. Dort befindet sich der eingestreute Liegebereich. (Foto: Schulte)

Wenig Fläche: Gülleabgabe

Wie viele niederländische Bio-Schweinehalter verfügen Harmsens mit 10 ha Acker und 3 ha Grünland nur über wenig Fläche. Gülle und Mist geben sie an benachbarte ökologische Acker- und Gemüsebaubetriebe ab. So können sich Jan und Wilco ganz auf die Sauen konzentrieren. Und das machen sie sehr erfolgreich, denn mit 27,5 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr erzielen sie ausgezeichnete Leistungen. Zum Vergleich: Deutsche Biobauern setzen im Schnitt nur etwa 20 Ferkel ab.

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Der Niederländer Wilco Harmsen setzt 27,5 Ferkel je Sau und Jahr ab – und das mit Biosauen. Die Pfeiler seines Erfolgs: Viel Platz, frische Luft, Eigenremontierung und ein vertrautes Verhältnis zwischen Mensch und Tier.

Dieser Artikel ist zuerst im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben (5/2020) erschienen.

Die Atmosphäre ist wie in einem Laufstall für Milchvieh. Doch statt Kühen trotten Sauen gemächlich durch die geräumige Halle. Ab und zu hört man ein Gitter klappern, eine Tränke rauschen oder ein kehliges Grunzen. Ansonsten herrscht im offenen Wartestall der Familie Harmsen eine beeindruckende Ruhe. Jan Harmsen hat den Betrieb im niederländischen Hengelo bereits vor knapp 20 Jahren auf „Öko“ umgestellt. 2014 stieg sein Sohn Wilco mit ein. Heute betreuen die beiden gemeinsam mit einem festen Mitarbeiter 320 Sauen.

Die tragenden Sauen laufen in drei Gruppen. Dank der breiten Stallgänge können rangniedere Tiere immer ausweichen. Im Sommer geht es für alle Wartesauen auf die Weide. (Foto: Schulte)

Biosauen in Reih und Glied

Im Wartebereich sind die Sauen in drei dynamische Gruppen eingeteilt. Alle Tiere fressen gleichzeitig. Das vermeidet Stress und erleichtert die Tierkontrolle. Um die Sauen zu impfen oder anderweitig zu behandeln, kann Wilco sie in ihren Fressständen fixieren. Das tut er auch, wenn er dreimal pro Woche mit dem Radlader den Kot abschiebt. So sollen die Sauen möglichst sauber bleiben und nicht ausrutschen. In der Mitte des Laufhofes finden sich zudem Raufen mit Grassilage.

Vor allem wenn es windig ist, bleiben die Sauen auch gerne drinnen.

Wilco Harmsen

Zum Ruhen können sich die Sauen ins Stallinnere in große, dick mit Stroh eingestreute Liegekojen zurückziehen. Trotz der kalten Temperaturen ist ein Großteil der Tiere draußen. „Das ist nicht immer so. Vor allem wenn es windig ist, bleiben die Sauen auch gerne drinnen“, berichtet Wilco. Einige Jungsauen laufen auf dem angrenzenden Grünland. Im Sommer dürfen alle trächtigen Sauen gruppenweise auf die Weide.

Biosauen
Im Laufhof finden die Biosauen Futter und Wasser. Durch die Lamellen-Vorhänge gelangen sie ins Stallinnere. Dort befindet sich der eingestreute Liegebereich. (Foto: Schulte)

Wenig Fläche: Gülleabgabe

Wie viele niederländische Bio-Schweinehalter verfügen Harmsens mit 10 ha Acker und 3 ha Grünland nur über wenig Fläche. Gülle und Mist geben sie an benachbarte ökologische Acker- und Gemüsebaubetriebe ab. So können sich Jan und Wilco ganz auf die Sauen konzentrieren. Und das machen sie sehr erfolgreich, denn mit 27,5 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr erzielen sie ausgezeichnete Leistungen. Zum Vergleich: Deutsche Biobauern setzen im Schnitt nur etwa 20 Ferkel ab.

Biosauen
Die Zuchtläufer erhalten besondere Fürsorge. Wilco hält sie in kleinen Gruppen in einem extra Stall. Mit 160 kg belegt er die Jungsauen erstmalig. (Foto: Schulte)

„Im kommenden Jahr wollen wir uns auf 28,5 Ferkel steigern“, berichtet Jan. Dann müsse aber auch alles passen. In der Vergangenheit gab es beispielsweise einen Krankheitseinbruch nach dem Zukauf von Jungsauen, sodass man jetzt ausnahmslos selbst remontiere. Auch die Hitze im vergangenen Sommer habe zu höheren Erdrückungsverlusten geführt. Die Buchten der ferkelführenden Sauen sind einfach gestaltet. Die kompakten Gebäude verbunden mit einer Überdrucklüftung sorgen auch im Winter für ausreichend Wärme bei gleichzeitig angenehmen Raumklima. Während in Deutschland viele Bio-Abferkelställe im Winter relativ kühl sind und daher über ein separates Ferkelnest verfügen, reicht bei Harmsen eine einfache Wärmelampe. Das Liegeverhalten der Sau wird durch einen großen Bügel und ein flach am Boden liegendes Rohr gesteuert. Zudem gibt es Abstandhalter an der Buchtenwand, die helfen, Erdrückungsverluste zu vermeiden.

Im kommenden Jahr wollen wir uns auf 28,5 Ferkel steigern.

Jan Harmsen

Nach dem Absetzen bis zum Belegen erhalten die Biosauen regelmäßig Zuckergaben. Das schafft nicht nur Vertrauen zwischen Betreuer und Tier. Die kurzfristig erhöhte Nährstoffzufuhr soll auch die Qualität der Eizellen verbessern und somit die Wurfleistung erhöhen.

Wert auf die Zucht legen

Zur Verbesserung der Ergebnisse soll auch die Kreuzung aus Topigs 70 und Nordischem Landschwein beitragen, die im Vergleich zu der jetzt verwendeten Linie etwas mehr lebend geborene Ferkel bringt. Als Endstufeneber wird die Rasse Piétrain eingesetzt. Die ersten Ergebnisse sind positiv, denn die Würfe seien noch gleichmäßiger, die einzelnen Ferkel robuster und die Zahl der Kümmerer gering. Die Ferkel verkauft der Betrieb an fünf Mäster. Geschlachtet werden alle Tiere in Schlachthöfen von „De Groene Weg“. Die Vion-Tochter verarbeitet etwa 80 % aller in den Niederlanden erzeugten Bioschweine.