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Ein Meilenstein auf dem Cannabis-Markt free

Bestimmte Cannabinoide sollen eine heilende Wirkung haben. Sie sind Bestandteil der Cannabis-Pflanze. (Foto: pixabay.com)

Das Pharma-Start-up Farmako hat ein Patent zur Erzeugung von Cannabinoiden durch Biosynthese angemeldet. Damit kann es zukünftig die gesamte Palette von Cannabinoiden für standardisierte Medikamente herstellen. Gründer Niklas Kouparanis ordnet die neueste Entwicklung am Markt ein.

Die Meldungen rund um das Thema Cannabis überschlagen sich. Nach der Legalisierung von medizinischem Cannabis im März 2017 treten in Deutschland immer mehr Start-ups auf den Markt. Es werden Millionenbeträge investiert. Während Cannabis als Heilmittel über Jahrzehnte tabu war, finden immer mehr Forschungsergebnisse Gehör, die eine heilende Wirkung von CBD aufzeigen. Neben CBD ist auch THC ein Cannabinoid und Bestandteil der Cannabis-Pflanze.

Meiner Einschätzung nach wird es in Deutschland innerhalb der nächsten zwei Jahre keine Ernte von Cannabis in Deutschland geben.

Niklas Kouparanis

Das Start-up Farmako mit Sitz in Frankfurt vertreibt pharmazeutisches Cannabis an Apotheken in ganz Europa und forscht zum Thema. Im Februar 2019 hat das Unternehmen beim Europäischen Patentamt ein weltweites Patent für einen neuartigen Mikroorganismus zur Erzeugung von Cannabinoiden aus Zucker durch Biosynthese angemeldet. Durch den Herstellungsprozess können die Kosten deutlich gesenkt werden.

Cannabis muss bisher aus anderen Ländern importiert werden

Da für medizinische Zwecke bisher Cannabis-Pflanzen angebaut und natürliche Blüten oder Öle verschrieben werden, sind die Cannabis-Medikamente entsprechend teuer. Nicht zuletzt auch, weil der Anbau in Deutschland bislang nicht geregelt ist und Cannabis aus anderen Ländern importiert werden muss.

Niklas Kouparanis ist Gründer von Farmako. (Foto: Farmako)

f3 sprach mit Niklas Kouparanis, Gründer und Geschäftsführer von Farmako, über die Bedeutung der biosynthetischen Herstellung, die rechtliche Lage in Deutschland und darüber, was die Entwicklungen für den Markt, für den Anbau und den Landwirt bedeuten könnten.

f3 – farm. food. future: Was bedeutet die Patentanmeldung für den Cannabis-Markt in Deutschland und weltweit?

Niklas Kouparanis: Ein x-beliebiges Cannabinoid synthetisch und unheimlich effizient herstellen zu können, ist der Durchbruch für Cannabis in der Medizin. Unser Patent wird die Pharmaindustrie in Sachen Cannabis ähnlich revolutionieren wie die erstmalige Biosynthese von Insulin. Die Cannabisindustrie steht damit vor so rasanten Umbrüchen, wie sie beispielsweise Netflix in der Entertainment-Branche hervorgerufen hat.

f3: Was hat sich in den letzten Jahren geändert? Wieso kommt es nach Jahren der Tabuisierung von Cannabis zu einer „Auflockerung“ der gesetzlichen Lage?

Niklas Kouparanis: Der medizinische Nutzen von Cannabis wurde durch unzählige Patientenberichte bestätigt und auch die globale Forschung entwickelt sich rasant. Ende 2016 klagte ein Patient in Deutschland und hat das Recht für den Eigenanbau zugesprochen bekommen. Daraufhin kam es zur Legalisierung für den pharmazeutischen Gebrauch, der davor nur mit einer Ausnahmegenehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für rund 1.000 Patienten erlaubt war.

Die Cannabisindustrie steht vor so rasanten Umbrüchen, wie sie beispielsweise Netflix in der Entertainment-Branche hervorgerufen hat.

Niklas Kouparanis

f3: Wie ist die rechtliche Lage in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern einzuschätzen?

Niklas Kouparanis: Deutschland ist hier klar Vorreiter in Europa. Da Cannabis als Rezepturarzneimittel klassifiziert ist, haben wir ein breites Spektrum an Krankheiten, die behandelt werden können. Trotzdem gilt es noch viel Aufklärung zu betreiben, um vor allem Ärzte mit dem Thema vertraut zu machen.

Der Anbau ist in Deutschland wirtschaftlich nicht sinnvoll

f3: Firmen dürfen Cannabis bisher nur nach Deutschland importieren. Große Anbaumärkte befinden sich in den Niederlanden und Kanada. Sie importieren aus Polen. Sind die Bedingungen für den Anbau rechtlich und wirtschaftlich dort günstiger?

Niklas Kouparanis: Kultiviert wird in Mazedonien, in Polen wird das Cannabis für den europäischen Markt freigegeben und exportiert. Die Preise sind niedriger und die Verfügbarkeit ist gewährleistet. Kanada hat derzeit Probleme mit der Versorgung des eigenen Marktes. Wir wollen europäisches Cannabis für europäische Patienten.

f3: Gibt es Chancen für Start-ups und Landwirte von den derzeitigen Entwicklungen zu profitieren oder sind die Hürden zu groß?

Niklas Kouparanis: Die Ausschreibungsverfahren für den Anbau in Deutschland stocken zum wiederholten Male. Meiner Einschätzung nach wird es in Deutschland innerhalb der nächsten zwei Jahre keine Ernte in Deutschland geben. Außerdem sind die Kosten für den Anbau hoch und nicht annähernd wirtschaftlich sinnvoll.

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