digital Forst Story

Eine zündende Idee

Mit wenigen Klicks Brennholz im Internet kaufen. Das möchte das Start-up "TimberTom" anbieten. Sowohl Kunde als auch Waldbesitzer sollen profitieren. (Foto: shutterstock.com/givaga + Illustration Helmer)

Wer bislang Brennholz kaufen wollte, rief seinen Förster des Vertrauens an und bekam einen Polter im Wald zugewiesen. Wenig Auswahl, wenig Preistransparenz. Der Online-Marktplatz TimberTom will den Brennholzhandel digitalisieren - und Waldbesitzern neue Kunden bringen.

Wer einen Nachbarn hat, der samstags im Garten gerne Holz hackt, kann sich die Zielgruppe des Südbadener Start-ups „TimberTom“ bildlich vorstellen. Jeder, der sich jetzt sogar ertappt fühlt, sollte diesen Text zu Ende lesen. Er könnte sein Brennholz künftig auch im Internet kaufen.

Maximiliana und Ludwig Graf Douglas (links) betreiben TimberTom mit Alexis Freiherr von Cramm. (Foto: Piepenbrock)

Denn die beiden Gründer Ludwig Graf Douglas und Alexis Freiherr von Cramm haben sich vorgenommen, den Handel von Brennholz zu digitalisieren und den Markt transparenter zu gestalten. Unterstützt von Maximiliana Douglas, baut TimberTom in Eigeltingen in der Nähe des Bodensees einen Online-Marktplatz auf, der Verkäufer und Käufer von noch zu verarbeitenen Brennholz-Stämmen zusammenbringen soll.

Die Verkäufer sind bislang neun große und mittlere Forstbetriebe, die die Rendite ihres Forstbestands steigern möchten. Die Käufer wiederum sind Endkunden und Brennholzhändler, die überwiegend im ländlichen Raum leben und maschinentechnisch so gut ausgerüstet sind, dass sie die 4m langen Baumstämme selbst verarbeiten können. TimberTom will beide Seiten zusammenbringen und dafür den Käufer direkt an den Waldbesitzer vermitteln.

Förster entlasten, Angebot transparenter machen

„Die Strukturen im Forst haben sich gewandelt“, erklärt der Ideengeber für das Portal Ludwig Douglas. Der 32-Jährige muss es wissen, hat er doch seit 2007 die kaufmännische Verantwortung für den elterlichen 4000-ha-Forstbetrieb auf dem Hofgut Dauenberg in Baden-Württemberg. Er sagt, früher habe es viele Förster gegeben, die die Kundenbestellungen das Jahr über telefonisch annahmen und die Käufer nach dem Schlagen persönlich zu ihren Poltern führten. „Aber heute ist ein Förster für viel größere Waldstücke zuständig und hat dafür nicht mehr die Zeit.“ Die digitale Plattform soll das Forstgeschäft mit Brennholz vereinfachen und den Förster entlasten.

Die Strukturen im Forst haben sich gewandelt.

Ludwig Graf Douglas

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Wer bislang Brennholz kaufen wollte, rief seinen Förster des Vertrauens an und bekam einen Polter im Wald zugewiesen. Wenig Auswahl, wenig Preistransparenz. Der Online-Marktplatz TimberTom will den Brennholzhandel digitalisieren – und Waldbesitzern neue Kunden bringen.

Wer einen Nachbarn hat, der samstags im Garten gerne Holz hackt, kann sich die Zielgruppe des Südbadener Start-ups „TimberTom“ bildlich vorstellen. Jeder, der sich jetzt sogar ertappt fühlt, sollte diesen Text zu Ende lesen. Er könnte sein Brennholz künftig auch online kaufen.

Maximiliana und Ludwig Graf Douglas (links) betreiben TimberTom mit Alexis Freiherr von Cramm. (Foto: Piepenbrock)

Denn die beiden Gründer Ludwig Graf Douglas und Alexis Freiherr von Cramm haben sich vorgenommen, den Handel von Brennholz zu digitalisieren und den Markt transparenter zu gestalten. Unterstützt von Maximiliana Douglas, baut TimberTom in Eigeltingen in der Nähe des Bodensees einen Online-Marktplatz auf, der Verkäufer und Käufer von noch zu verarbeitenen Brennholz-Stämmen zusammenbringen soll.

Die Verkäufer sind bislang neun große und mittlere Forstbetriebe, die die Rendite ihres Forstbestands steigern möchten. Die Käufer wiederum sind Endkunden und Brennholzhändler, die überwiegend im ländlichen Raum leben und maschinentechnisch so gut ausgerüstet sind, dass sie die 4m langen Baumstämme selbst verarbeiten können. TimberTom will beide Seiten zusammenbringen und dafür den Käufer direkt an den Waldbesitzer vermitteln.

Förster entlasten, Brennholzangebot transparenter machen

„Die Strukturen im Forst haben sich gewandelt“, erklärt der Ideengeber für das Portal Ludwig Douglas. Der 32-Jährige muss es wissen, hat er doch seit 2007 die kaufmännische Verantwortung für den elterlichen 4000-ha-Forstbetrieb auf dem Hofgut Dauenberg in Baden-Württemberg. Er sagt, früher habe es viele Förster gegeben, die die Kundenbestellungen das Jahr über telefonisch annahmen und die Käufer nach dem Schlagen persönlich zu ihren Poltern führten. „Aber heute ist ein Förster für viel größere Waldstücke zuständig und hat dafür nicht mehr die Zeit.“ Die digitale Plattform soll das Forstgeschäft mit Brennholz vereinfachen und den Förster entlasten.

Die Strukturen im Forst haben sich gewandelt.

Ludwig Graf Douglas

Geht es nach den Plänen des Gründerteams, kann der Kunde künftig online die Brennholz-Angebote seiner Region durchforsten, die Preise und Qualitäten vergleichen und dann mit wenigen Klicks direkt beim Eigentümer zuschlagen. Den online verbindlich erworbenen Polter kann er im Anschluss dank GPS-Ortung bei Google Maps ganz ohne den Förster finden und abholen. Dafür erhält er einen „Holz-Voucher“, der ihm die Durchfahrt durch den Wald erlaubt und ihm den Kauf quitiert.

Die Polter sind digital erfasst. Dank GPS-Ortung und Durchfahrtsbescheinigung holen sich die Kunden das Holz selbstständig ab. (Foto: Piepenbrock)

Auch Online-Portale haben ein Saisongeschäft

Auch weil der Handel von Brennholz bislang seiner Meinung nach eher intransparent ist und auf persönlichen Beziehungen beruht, ist sich Ludwig Douglas des Bedarfs nach einer öffentlichen Plattform sicher. Er sagt im Hinblick auf die eher konservativ geprägte Zielgruppe der Anbieter sogar: „Die Bereitschaft zum Online-Handel war größer als gedacht.“

Wenn beim Waldeigentümer mit unserer Plattform nicht mehr Geld hängen bleibt, als ohne sie, dann haben wir keine Daseinsberechtigung.

Alexis Cramm

Aber ohne seinen Mitgründer würde Ludwig wohl entscheidendes Knowhow fehlen. Alexis Freiherr von Cramm hat im Unterschied zu Ludwig keinen Forsthintergrund. Der 31-Jährige bringt Erfahrung als Venture Capital Manager im digitalen Bereich mit. „Ich kannte das Problem aus dem Forstbetrieb“, so Ludwig. „Und Alexis kannte die digitalen Lösungen.“

Diese Mischung war es, die beide im Oktober 2017 zur Gründung ermutigte. Bis Februar 2018 entwickelten sie mithilfe einer Digital-Agentur die Handelsplattform. Dort kauften im Jahr 2018 rund 400 Brennholzkunden bei gerade einmal fünf aktiven Waldeigentümern ein. Heute finden sich schon neun Anbieter. Zwanzig weitere haben laut Gründerteam zugesagt, bald Angebote einzustellen.

2019 wollen Ludwig Douglas (links), Maximiliana Douglas und Alexis Cramm (rechts) durchstarten.

Satte 10 % Provision für Brennholz

Als das Portal im Februar 2018 live ging, neigte sich die Brennholz-Saison schon dem Ende entgegen. „Unsere Kunden denken langfristig und lagern das Holz lange, bevor sie es verwenden können“, erklärt Maximiliana Douglas. „Aber 2019 wollen wir durchstarten.“ Die Ehefrau von Ludwig – gleichzeitig auch die Schwester von Alexis – bringt einen finanzwirtschaftlichen Hintergrund mit ins Familien-Start-up.

Ludwig und Alexis fanden mit Bernhard Prinz von Baden schon früh einen strategischen Partner, der die Branche gut kennt. Auch finanziell beteiligte er sich. Zusammen mit weiterem Gesellschafter- und Eigenkapital flossen so zu Beginn rund 300.000 € in die Plattform. „Kürzlich konnten wir unsere zweite Finanzierungsrunde im Umfang von 800.000 € erfolgreich abschließen“, sagt Alexis. „Darin enthalten ist Kapital eines neuen strategischen Partners und eine stille Beteiligung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg (MBG).“

Die Bereitschaft zum Online-Handel war größer als gedacht.

Ludwig Douglas

Mit dem frischen Geld will das Jungunternehmen wachsen und zwei Entwickler einstellen. Laut Businessplan soll 2019 Brennholz im Wert von 1,8 Mio. € auf TimberTom gehandelt werden. Pro Verkauf gehen 10 % Provision an das Start-up. Dieses plant also mit rund 180.000 € Einnahmen. Zum Vergleich: In 2018 wurde Holz im Wert von 70.000 € gehandelt. Damit das Wachstum klappt, muss vor allem die Ausweitung des Kundenkreises vorangehen. Bislang findet der Endkunde überwiegend Angebote aus der Nähe des Bodensees auf der Plattform. Typisch Marktplatz: Den Traffic zu steigern, ist ein dickes Brett, das gebohrt werden muss.

Bislang finden sich blau markierte Angebote vor allem am Bodensee. TimberTom will wachsen. 

Adelskreise mit Wald: ein starkes Netzwerk

So haben die meisten Marktplatz-Portale dasselbe Problem: Wer Käufer und Verkäufer einer Ware zusammenbringen möchte, muss auch beide Seiten auf die Plattform lotsen. Die Waldbesitzer versucht TimberTom unter anderem mit dem Versprechen zu locken, neue Zielgruppen zu erreichen. Diese hat das Trio nach dem Livegang gezielt über Online-Werbung mit Google Adwords gefunden. Dabei wird die Google Anzeige dem Nutzer nur dann eingeblendet, wenn er eine entsprechende Suchanfrage stellt. „Es funktionierte“, erinnert sich Maximiliana. „Wir konnten gänzlich neue Kunden gewinnen, die wir sonst nicht erreicht hätten.“ Es geht um Privatpersonen, die ländlich wohnen, wahrscheinlich zwei Autos brauchen, entweder ausschließlich oder zum großen Teil mit Holz heizen – und sich die Bequemlichkeit einer Online-Bestellung nicht entgehen lassen möchten, obwohl sie vielleicht sogar einen Förster kennen.

Wir konnten gänzlich neue Kunden gewinnen, die wir sonst nicht erreicht hätten.

Maximiliana Douglas

Aber die Gründer von TimberTom stoßen zumindest auf Anbieterseite auch aus einem anderen Grund auf offene Ohren: ihr persönliches Netzwerk. „Es gibt grob geschätzt etwa 2.000 Waldbesitzer mit mindestens 200 ha Wald in Deutschland. Die kommen oft aus Adelskreisen. Und die kennen wir eben meistens“, räumt Ludwig Douglas offen ein. Auch wenn die Gründer im Gespräch mit f3 ihre Titel zu keinem Zeitpunkt in den Vordergrund stellen - dieser Aspekt gehört zur Gründungsgeschichte von TimberTom einfach dazu.

Wissen, was Waldbesitzer brauchen

Born to be Wald

Adelig oder nicht – das Team weiß, dass es die Waldbesitzer nur vom Online-Holzverkauf überzeugen kann, wenn das die Rendite steigert. Alexis sagt: „Wenn beim Waldeigentümer mit unserer Plattform nicht mehr Geld hängen bleibt, als ohne sie, dann haben wir keine Daseinsberechtigung.“

So sind die 10% Provision, die TimberTom pro Verkauf kassiert, in der Forstwelt ungewöhnlich viel. „Üblich sind sonst eher 2 bis 3 % Provision“, bestätigt Ludwig. „Aber mit uns erreichen die Waldbesitzer neue Kunden, die Akquise wird ihnen abgenommen, der Vertriebsprozess durch die Anbindung an das vorhandene Warenwirtschaftssystem vereinfacht und die angestellten Förster werden entlastet.“ Ludwig hält auch Zahlen bereit: „Wir gehen von einer Vertriebskostenreduktion von 30 % auf 10 % aus. Außerdem steigen langfristig die Durchschnittspreise, die ein Waldbesitzer für Brennholz erzielen kann. Einfach weil mehr Holz an den Endkunden geht, als an die Industrie.“

Erst Brennholz, dann Outdoor-Zubehör

Soweit die Pläne. TimberTom soll wachsen. Doch die Gründer schielen dabei nicht ausschließlich auf den Verkäufermarkt und erst recht nicht auf die bislang so wenig digitalisierte Forstwirtschaft. „Wir können uns auch einen angehängten Shop für den Endkunden vorstellen“, verrät Ludwig. Dort könnte es dann Zubehör wie Kettenschärfer, Arbeits-Handschuhe oder Schutzkleidung geben. „Die Käufer sind doch Outdoor-Menschen, die am Wochenende aus Spaß und als Ausgleich zu ihrer Büroarbeit Holz hacken.“ Und für ihr Hobby geben Menschen doch bekanntlich gern Geld aus.


Fördermöglichkeit: InnoFin 70

Die L-Bank/Staatsbank Baden-Württemberg unterstützt kleine und mittlere Unternehmen aus Ba-Wü bei der Umsetzung innovativer Vorhaben, indem sie mit einer Ausfallbürgschaft einen Großteil des Finanzrisikos (70 %) des finanzierenden Kreditinstituts übernehmen. Davon hat auch TimberTom profitiert. Die Förderung bezieht sich auf Investitionsvorhaben, die bei der Umsetzung innovativer Vorhaben aufkommen, wie z.B. Betriebsmittelbedarf, Forschungs- und Entwicklungskosten oder Investitionen in das Sachanlagevermögen. Mit der InnoFin70-Bürgschaft können sowohl Förderdarlehen als auch Hausbankdarlehen in Höhe von bis zu 7,5 Mio.€ über eine Laufzeit von max. 10 Jahren begleitet werden.

(Illustration: Christina Helmer)