digital farm Invest Story

Eins, zwo: Risiko

Alles andere als ein Spiel: Landwirt Thilo Wendt hat sich mit Eigenkapital an einem Start-up beteiligt. Bei so hohem Risiko sollte nicht nur die Rendite zählen. (Foto: B. Lütke Hockenbeck)

Ein Start-up als Geldanlage? Das geht nur mit hohem Risiko! Sogenannte Business Angels steuern trotzdem ihr Privatkapital bei und helfen Jungunternehmen auf die Beine. Auch Landwirt Thilo Wendt hat investiert. Dabei ging es ihm jedoch nicht nur um Rendite.

„Es fühlt sich fast wie eine große Wette an“, sagt Landwirt Thilo Wendt aus Brandenburg. „Man sollte nur Geld in die Hand nehmen, auf das man zur Not auch verzichten kann.“ Der 26-jährige Geschäftsführer eines Landwirtschaftsbetriebes mit 2700 ha und 400 Mutterkühen aus dem kleinen Ort Manker, rund 80 km nordwestlich von Berlin, steht trotz des beträchtlichen finanziellen Risikos voll hinter seiner getätigten Investition in ein Start-up. Denn: Sie kommt aus Überzeugung und soll ihm mehr bringen als reine Rendite.

Nach Investition auch inhaltlich mitdenken

Thilo Wendt hat sich im November 2017 mit einem fünfstelligen Betrag beim Münchner Start-up Agrando beteiligt. Das Unternehmen hat sich die Digitalisierung des Landhandels auf die Fahne geschrieben. Geplant ist eine Business-to-Business-Plattform für Bauern und Landhändler im Internet für den Handel von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Futter- und Düngemittel, Saatgut und Pflanzenschutzmittel.

Ich bin sicher, die Umwälzungen durch die Digitalisierung kommen sowieso. Dann will ich bereits Teil des Ganzen sein.

Landwirt Thilo Wendt,Gesellschafter bei einem landwirtschaftlichen Start-up

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Ein Start-up als Geldanlage? Das geht nur mit hohem Risiko! Sogenannte Business Angels steuern trotzdem ihr Privatkapital bei und helfen Jungunternehmen auf die Beine. Auch Landwirt Thilo Wendt hat investiert. Dabei ging es ihm jedoch nicht nur um Rendite.

Landwirt Thilo Wendt hat in ein Start-up investiert. 

„Es fühlt sich fast wie eine große Wette an“, sagt Landwirt Thilo Wendt aus Brandenburg. „Man sollte nur Geld in die Hand nehmen, auf das man zur Not auch verzichten kann.“ Der 26-jährige Geschäftsführer eines Landwirtschaftsbetriebes mit 2700 ha und 400 Mutterkühen aus dem kleinen Ort Manker, rund 80 km nordwestlich von Berlin, steht trotz des beträchtlichen finanziellen Risikos voll hinter seiner getätigten Investition in ein Start-up. Denn: Sie kommt aus Überzeugung und soll ihm mehr bringen als reine Rendite.

Nach Investition auch inhaltlich mitdenken

Thilo Wendt hat sich im November 2017 mit einem fünfstelligen Betrag beim Münchner Start-up Agrando beteiligt. Das Unternehmen hat sich die Digitalisierung des Landhandels auf die Fahne geschrieben. Geplant ist eine Business-to-Business-Plattform für Bauern und Landhändler im Internet für den Handel von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Futter- und Düngemittel, Saatgut und Pflanzenschutzmittel.

Ich bin sicher, die Umwälzungen durch die Digitalisierung kommen sowieso. Dann will ich bereits Teil des Ganzen sein.

Landwirt Thilo Wendt

Thilo sitzt bei Agrando nun als Gesellschafter im Beirat. Seine Aufgabe dort: Die Landwirte als zukünftige Kundengruppe vertreten. Die Perspektive der Bauern ist auch nötig: Schließlich hat sich das Start-up nichts weniger vorgenommen, als die Arbeitsprozesse eines alteingesessenen Systems zu digitalisieren, das auf persönlichen, ja zwischenmenschlichen Absprachen beruht.

Das hat das Team bereits fünf Jahre Entwicklungszeit und viel Geld gekostet. An den Start gegangen ist das Unternehmen noch nicht. Für Gesellschafter Thilo Wendt eine ungewisse Zeit. Er kann sich nie sicher sein, wann er welche Rendite erhält, und ob er sein Geld überhaupt wiedersieht. Warum also das ganze Risiko?

Eine kalkulierte Zukunftsinvestition

„Ich war nicht gezielt auf der Suche nach einer Investitionsoption“, so Thilo. Der Kontakt wurde über einen Freund aus seinem landwirtschaftlichen Netzwerk hergestellt. Dieser kennt den Betrieb und hat Thilo angesprochen, ob er nicht einsteigen möchte. „Nach vielen Diskussionen mit den Gründern habe ich das auch getan.“

Andere Branche, gleiche Hindernisse.

Wenn man ihn reden hört, könnte man meinen, das natürliche Streben eines Unternehmers nach Rendite sei in den Hintergrund getreten. Stattdessen im Vordergrund: eine Art kalkulierte Zukunftsinvestition.

Thilo erklärt: „Alle Industriebereiche werden sich weiterentwickeln. Auch in der Landwirtschaft nehme ich die extreme Dynamik der Entwicklungen wahr. Ich bin sicher, die Umwälzungen durch die Digitalisierung kommen sowieso. Und dann will ich bereits ein Teil des Ganzen sein und mich und den Betrieb zuhause fit für die Zukunft machen.“

Geschäftsmodell von allen Seiten beleuchten

Überzeut habe ihn die Weitsichtigkeit der Gründer, sagt Thilo. Nach Erhalt der Anfrage hat sich der Landwirt erst einmal selbst hingesetzt und sich Gedanken gemacht, wie der Markt des Landhandels in zehn Jahren aussehen könnte. Er sei zwar zu denselben Erkenntnissen gekommen, wie die Agrando-Gründer. Aber zu den Treffen mit ihnen hatte er eine lange Zweifelliste dabei. „Beeindruckt hat mich, dass die Gründer jede Schwierigkeit, die ich am Geschäftsmodell sah, bereits vorher durchdacht hatten. Für jedes Problem hatten die schon eine Lösung parat.“

Den Markt entwickeln, auf dem man selbst einkauft

Thilo Wendt weiß, dass er im Grunde gar nicht ins Beuteschema von klassischen Start-ups passt. „Landwirte sind ja selten risikoaffin und ehrlicherweise auch noch selten digitalaffin. Dadurch liefern sie normalen Start-ups keinen Mehrwert“, sagt er. „Aber eine Ausnahme bilden Agrar-Start-ups, die Wissen und Netzwerk an ihr Unternehmen binden wollen.“

Landwirte sind selten risikoaffin und selten digitalaffin. Aber Agrar-Start-ups wollen das Wissen und Netzwerk der Landwirte an sich binden.

Thilo Wendt über das Knowhow der Landwirte, das mit in die Planung einfließt

Aus Sicht von Agrando war es ein kluger Schachzug, sich Marktteilnehmer ins Boot zu holen. Schließlich möchten sie ihr Geschäftsmodell nicht an ihrer künftigen Zielgruppe vorbei entwickeln. Thilo hat die Chance wiederum gern ergriffen: „Ich sitze jetzt mit am Tisch und habe die Möglichkeit, das Geschäftsmodell mitzuentwickeln, das ich als Kunde selbst nutzen werde. Wir bauen uns eine eigene Lösung nach unseren Interessen, die uns unabhängig von der Industrie macht.“

Business Angels: Zielrendite von 20 bis 40%

Wenn dann nach einem späteren Verkauf seiner Anteile, einem sogenannter Exit, noch eine Rendite herausspringt: sehr gut. Wenn Agrando es schafft, sich langfristig am Markt zu behaupten und dem Gesellschafter Wendt somit regelmäßig Dividende zusteht: noch besser. So oder so besteht jedoch immer das Risiko, dass sein eingelegtes Eigenkapital komplett verloren gehen könnte. Dann bleibt ihm nur noch der erhoffte Lerneffekt.

Vom Start-up für den eigenen Betrieb lernen

Einen langen Atem brauchen alle Beteiligten. „Es ist ein unbedingtes Muss, dass man fest an das Team und das Projekt glaubt, da es immer wieder negatives Feedback gibt“, betont Thilo Wendt. Inspirierend aber sei, wie agil diese jungen, digitalen Firmen arbeiten, so der selbst noch junge Landwirt. Wie schnell die Start-ups handeln, sich entwickeln und sich dem Markt immer wieder neu anpassen, sei beeindruckend. „Die Landwirtschaft ist da statischer. Wir verändern unsere Geschäftsmodelle nicht so schnell“, sagt Thilo. „Von dieser Agilität erhoffe ich mir auch etwas in meinen Alltag auf den Betrieb mitzunehmen.“


20 % Zuschuss für Wagniskapital

Bei der Bereitstellung von Wagniskapital durch private Investoren hat Deutschland im internationalen Vergleich noch Potenzial. Deshalb unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie private Investoren und Business Angels mit dem Förderprogramm „Invest“. Dieses sieht vor, dass private Investoren 20 % der Summe vom Staat steuerfrei erstattet bekommen, mit der sie sich an einem Start-up beteiligt haben. Die Beteiligungssumme muss mindestens 10.000 € betragen. Pro Jahr und Investor können Beteiligungen bis max. 500.000 € mit einem Erwerbszuschuss gefördert werden. Verkauft der Investor nach einer Mindesthaltedauer von drei Jahren seine Anteile oder scheitert das Start-up, muss er den Zuschuss nicht zurückzahlen.
Macht der Investor beim Verkauf seiner Anteile Gewinn, bekommt er die zu zahlenden Steuern als Exitzuschuss in Höhe von 25 % des Gewinns pauschal erstattet.