farm food Perspektivwechsel

Veranstaltungsauftakt: Es besteht Redebedarf free

Ein Netzwerk erleichtert den Austausch zwischen Unternehmern, Start-ups und Landwirten. (Foto: goodluz/ StockAdobe)

Bei der Veranstaltung „Alles auf Start: Up!“ trafen Gründer aus dem Food- und AgTech-Bereich aufeinander. Zusammen mit Landwirten und Verbandsvertretern diskutierten sie über Innovationen, Herausforderungen und Anforderungen.

„Als Landwirt befindet man sich auf dem Terrain der Restriktionen. Wenn man dann die Start-up-Welt betritt, denkt man: Alles ist möglich“, beschreibt ein gelernter Landwirt und Gründer seine Erfahrungen. Er bringt den Status-Quo damit auf den Punkt: Die Gefühlswelten und (Außen-) Wahrnehmungen der Akteure im Agrar- und Ernährungsbereich unterscheiden sich zum Teil deutlich. „Wir wollen Start-ups und Landwirte zusammenbringen und den Austausch fördern“, sagt Dr. Andreas Quiring von der Andreas Hermes Akademie. Zusammen mit dem Bundesverband Deutsche Startups e.V. und dem Deutschen Bauernverband (DBV) luden sie am Mittwoch zur „Alles auf Start: Up!“- Veranstaltung nach Berlin ein.

Ich wusste gar nicht, was mich erwartet. Die Veranstaltung war also wie ein Blind-Date.

Landwirt Ohlms

18 Gründerteams aus dem Food- und AgTech-Bereich präsentierten den 120 Teilnehmern, darunter Landwirte und Vertreter der Verbände sowie Investoren, ihre Ideen. Beim sogenannten Rodeo-Walk konnten die Start-ups ihr Geschäftsmodell immer wechselnden Gruppen kurz vorstellen und Fragen beantworten. „Wir wollen uns untereinander besser vernetzen im Food- und AgTech-Bereich. Wir wollen aber auch unsere Geschäftsmodelle zur Prüfung stellen“, sagt Dominik Ewald vom Start-up-Verband.

Start-ups treffen beim Rodeowalk auf Verbandsvertreter und Landwirte. Das Format soll in Zukunft wiederholt werden. (Foto: Andreas Artmann, Andreas Hermes Akademie)

Heraus- und Anforderungen

Für Landwirt Ralf Ohlms und Tochter Johanna war der Austausch mit den Gründern spannend. „Wir sind erst einmal völlig unvoreingenommen auf die Veranstaltung gekommen“, erzählt Ralf von seinen Erwartungen. Tochter Johanna war zunächst den Insekten-Start-ups gegenüber skeptisch: „Im Gespräch mit den Gründern konnte ich mehr über das jeweilige Geschäftsmodell erfahren“, sagt die Hofnachfolgerin. So stellten sich „INOVA Protein“ aus Mecklenburg -Vorpommern, die Futtermittel aus Mehlwürmern anbieten wollen, vor. Auch das Berliner Start-up „Insack“ präsentierte seinen Müsliriegel aus Insektenmehl den Teilnehmern.

Wir nehmen jede Menge Ideen, Anregungen und gute, neue Kontakte mit nach Hause.

Leonie Behrens

Neben dem Rodeo-Walk und dem gegenseitigen Kennenlernen wurde auch in großer Runde diskutiert. So kann ein besseres Verständnis und eine Vernetzung untereinander der erste Schritt für eine nachhaltige Verankerung in der Branche sein. Der Bauernverband, so der Appell der Gründer, könne mit Kontakten und einer starken politischen Vernetzung dazu beitragen. „Mit Kapital können wir aber nicht dienen, da muss ich direkt bremsen“, sagte Gerald Dohme, stellvertretender Generalsekretär beim Bauernverband. Denn auch das wurde kritisiert: Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Investitionssummen in deutsche Start-ups aus dem Food- und AgTech-Bereich zu gering.

Nicht alles konnte geklärt werden

Auch Fragen in Bezug auf Nachhaltigkeit richteten sich an den Verband: Wie und wo können Innovationen dazu beitragen und an welcher Stelle kann der Verband sich einbringen? Im Rahmen der Veranstaltung blieben viele Fragen unbeantwortet und es konnten keine abschließenden Lösungen aufgezeigt werden. Vielmehr wurde deutlich: Es besteht Rede- und Austauschbedarf in der Branche und zwischen den Akteuren. Das Format soll nach dem ersten Auftakt deswegen weitergeführt werden. „Das Event hat vielseitige Akteure zusammengebracht. Wir nehmen jede Menge Ideen, Anregungen und gute, neue Kontakte mit nach Hause“, so Leonie Behrens von Haehnlein, die ihr Start-up vertreten hat.


Das f3-Scheunengespräch in Kiel

Eine weitere Plattform zum Austausch ist das f3-Scheunengespräch. Am 18. September widmen wir uns der Pflanze und wollen uns zu diesem Schwerpunktthema austauschen. Dazu laden wir Landwirte, Gründer und alle Interessierten ein. Tickets gibt es hier.

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