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„F&A Next“-Konferenz: Innovationen voranbringen. Nur wie? free

Die „F&A Next“ in Wageningen versteht sich als internationale Plattform zum Austausch über moderne Themen in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung. (Foto: Jonne Seijdel)

Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Tierwohl: Es müssen Lösungen her. Auf der „F&A Next“ in Wageningen wurde über Innovationen im Agribusiness debattiert. Eines ist jedoch klar: Den Königsweg gibt es nicht.

Die Landwirtschaft steht vor vielen Aufgaben. Innovationen sind gefordert, müssen aber erstmal entwickelt werden, so der Tenor auf der F&A Next vergangene Woche in Wageningen. Auf der zweitägigen Konferenz tummelte sich ein bunter Strauß aus mehr als 500 Gründern, Wissenschaftlern und Investoren der weltweiten Agrar- und Food-Szene. Unter dem Motto „Boosting Innovation in Food & Agriculture“ wurde der Blick nach vorne gerichtet und Trends eingeordnet.

Rob Kelly von der Rabobank erläuterte in seiner Keynote mögliche Trends für die Landwirtschaft. (Foto: Dicks)

Zwei Megatrends verändern die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft sei früher vor allem auf das Steigern von Erträgen ausgerichtet gewesen. Dieser langjährige Trend verliere an Bedeutung, machte Dirk Jan Kennes von der „Rabobank in seiner Keynote deutlich: „Eine schnelle Reaktionsfähigkeit auf neue Geschäftsmodelle und eine vorrauschauende Sichtweise bekommen einen mindestens genauso hohen Stellenwert für den Landwirt.“ Nach Ansicht von Kennes gibt es zwei Megatrends, die die Landwirtschaft grundlegend verändern werden. Das seien der Klimawandel aber auch ein neuer Typ Verbraucher mit anderen Kaufentscheidungen.

Der Landwirt muss in vielen Situationen schneller handeln.

Dirk Jan Kennes

Zum Klimawandel erläuterte Kennes: „Wetterextreme werden global zunehmen. Erträge sind nicht mehr so einfach vorhersehbar. Der Landwirt muss in vielen Situationen schneller handeln. Besonders hart wird es die Südhalbkugel treffen. In Europa und der USA werden sich auf langer Sicht die Produktionssysteme ebenfalls komplett verändern.“

Der Schrei nach mehr Tierwohl und einer nachhaltigen Produktion zeuge von einem neuen Verbraucherverhalten. Kennes führte weiter aus: „Der ganze Sektor muss sich darauf einstellen, dass schrittweise andere Produkte nachgefragt werden. Das Angebot muss sich daran anpassen.“

Neben Impressionen von verschiedenen Speakern kam das Netzwerken und der gegenseitige Austausch in Wageningen nicht zu kurz. (Fotos: Jonne Seijdel)

Der Einsatz neuer digitaler Technologien könne den Landwirt aber unterstützen. Machine Learning, Sensoren und die Blockchain seien aktuell im Kommen. Kennes sieht großes Potential in letzterer: „Bei der Blockchain werden Produzent und Verbraucher wieder näher zusammenrücken. Durch sie können Lieferketten besser zurückverfolgt werden und der Landwirt kann genau nachweisen, was im Stall oder auf dem Acker passiert.“

Das einzelne Tier im Blick

Wie Probleme bei Schwein, Kuh und Co. gelöst werden können, darüber wurde im Panel „Innovation in livestock farming“ gesprochen. „Roboter, Sensoren und das einzelne Tier werden mehr in den Vordergrund rücken“, verdeutlicht Martin Scholten von der Universität Wageningen. „Die Tierbeobachtung 24/7 wird dadurch möglich. Was wir schon lange im Milchviehbereich beobachten können, findet nun auch in der restlichen Nutztierhaltung statt.“

Was wir schon lange im Milchviehbereich beobachten können, findet nun auch in der restlichen Nutztierhaltung statt.

Martin Scholten

Dazu entgegnete Timonthy Wallace vom dänischen Biotechnologieunternehmen „Novozymes: „Im Mastbereich sind wir aber noch weit davon entfernt, einzelne Tiere technisch zu beobachten. Das Masthähnchen oder -schwein hat einfach nicht den Wert und auch nicht die Lebensdauer, damit sich die Techniken lohnen. Bei Sauen sieht es schon wieder anders aus.“

Im Panel „Innovation in livestock farming“ diskutierten Martin Scholten, Timothy Wallace, SriRaj Kantamneni, Aidan Connaly und Rob Kelly (von links nach rechts). (Foto: Dicks)

Im Milchviehbereich werden die Technologien dagegen nun massentauglich – und das nicht nur bei technikaffinen Landwirten. Die Teilnehmer des Panels erwarten, dass Sensoren und Roboter zum Standard auf nahezu allen Milchviehbetrieben werden. „Die großen Fortschritte, etwa durch das Machine Learning, werden aber erst noch kommen“, warf Martin Scholten ein.

Ohne die klassische Fleischproduktion wird es nicht gehen.

SriRaj Kantamneni

Das Panel sprach auch über Fleisch-Alternativen. „Das ganze Portfolio werde in Zukunft nötig sein, In-vitro-Fleisch könnte Schweinehack in Teilen ersetzen“, unterstrich SriRaj Kantamneni von „Cargill. „Ohne die klassische Fleischproduktion wird es nicht gehen. Mit dem In-vitro-Fleisch oder Proteinen aus Insekten könnten Probleme reduziert werden. Die Technik ist aber noch längst nicht marktreif.“ Dazu warf Martin Scholten ein: „Auch der Verbraucher muss erst einmal dazu bereit sein. Vielleicht wird es in Zukunft der Standard sein, Insekten mit Pflanzen und Speiseabfällen zu versorgen und dann im Anschluss unsere bekannten Nutztiere mit dem Insektenprotein zu füttern.“

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