Am von Annegret Grafen

Ab Hof - aber nicht alleine

Die Ab-Hof-Vermarktung kann sich von anderen Handelswegen abheben, indem sie sich ein regionales Gesicht gibt. Das funktioniert besonders gut, wenn mehrere Betriebe kooperieren. Kerstin Hintz macht das mit zwei Kollegen im Alten Land.

Der Artikel ist zuerst erschienen im bioland-Fachmagazin Ausgabe 2/2019.

„Wie viele von den kleinen Flaschen soll ich denn abfüllen?“, fragt Thorsten Büter, Betriebsleiter auf dem Obsthof Quast in Hamburg. Er steht an der Apfelsortieranlage, die gerade Elstar-Äpfel nach Größen sortiert und sanft in die Kisten rollen lässt. Kerstin Hintz, die gerade vorbeischaut, kann ihm die Frage gar nicht genau beantworten. „Das muss sich entwickeln“, meint sie. Das Geschäft mit der Pension, die ihren Gästen die Apfelsaftfläschchen in die Lunchpakete stecken will, wurde schließlich erst zum Jahreswechsel vereinbart.

„Sich entwickeln lassen“, „Schritt für Schritt“, mit diesen Begriffen beschreibt Kerstin Hintz immer wieder den Aufbau ihres Unternehmens. Die Quereinsteigerin in die Landwirtschaft führt den Biohof Ottilie in Mittelnkirchen im Alten Land schon lange. Erst vor einigen Jahren kamen ein Hofcafé und ein Hofladen dazu. Beide sind kleine Wunderwerke, die auf dem ureigenen Gewächs des Alten Lands aufbauen: dem Apfel.

Die „Ottilie“ ist ein typischer Obsthof im Alten Land. Aus heimischen Apfelsorten entstehen dort besondere Produkte, zum Beispiel ein Apfelketchup. (Bildquelle: Olaf Tamm)

Der Hofladen hat im Januar zwar geschlossen, doch in den Regalen des kleinen Lädchens sind viele der Köstlichkeiten in hübschen Gläsern zu bestaunen. Gelees, Fruchtaufstriche und Kompotte, Apfelmark, Säfte in großen und kleinen Flaschen, Chutneys und Apfelketchup. Die meisten dieser Produkte sind sortenrein und oft sind alte Apfelsorten im Glas, deren Namen kaum ein Mensch noch kennt: Gelber Richard etwa, die Biesterfelder Goldrenette oder Signe Tillisch. „Das sortenreine Fruchtmark hat mir einen Zugang zur Gastronomie eröffnet, weil die Köche es weiterarbeiten können“, erzählt die Inhaberin. Ihr Grundkonzept sei, meint sie, „eine kleine, feine Manufaktur aufzubauen“.

Obstbauer Jörg Quast sortiert Äpfel für den Naturkostfachhandel. (Bildquelle: Olaf Tamm)

Wir schließen uns zusammen und veredeln gemeinsam unsere Produkte.

Kerstin Hintz

Während der Hofladen im Winter Pause macht, ist Zeit zum Einkochen. Wenn der Laden wieder öffnet, werden die Kunden hier auch frisches Obst und Gemüse, Brot und Milchprodukte, Lammsalami und Schafskäse, Eier und eine kleine Auswahl von Trockenprodukten finden, – „das, was man so übers Wochenende braucht“. Was der Biohof Ottilie nicht selbst anbaut, stammt von Bioland-Höfen in der Nachbarschaft oder von handwerklichen Verarbeitern. Im kleinen Hofcafé, das im Frühjahr von Freitag bis Sonntag, im Sommer an zwei weiteren Tagen geöffnet ist, bietet Hintz ihren Gästen eine Vielfalt selbst gebackener Torten an, jede eine Besonderheit und häufig – wie könnte es anders sein – auf Apfelbasis. Aber auch herzhafte Snacks und ein reichhaltiges Frühstück gibt es hier. Im Sommer sitzen die Gäste dann nicht nur im kleinen Gastraum, sondern auch...