Am von Caroline Schulze Stumpenhorst

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Algorithmus für den Acker

Diagnose und Behandlungsmethode per App: Die Bilderkennungs- software „Plantix“ bestimmt Pflanzenschädlinge und schlägt Gegenmaßnahmen vor. Je mehr Nutzer mitmachen, umso schlauer wird sie.

Wenn Bauern in Gambia es als Erfolg betrachten, Ameisenplagen auf ihren Salatfeldern mit Batteriesäure zu bekämpfen, wird schnell deutlich, dass dort große Wissenslücken vorherrschen. Und diese Szene ist nur eine von vielen, die die Erfinder des digitalen Pflanzendoktors auf ihre Idee gebracht hat. „Die Batteriesäure hat zwar funktioniert und die Salaternte war gerettet – was das aber langfristig für die Bauern und ihre Umwelt bedeutet, kann sich wohl jeder vorstellen“, erzählt Pierre Munzel als einer der Entwickler der App „Plantix“.

Hinter der App steckt eine Software, die Fotos von Pflanzen oder einzelnen Blättern analysiert und anschließend die Ursache für die Erkrankung benennt. Ziel ist es, weltweit für mehr ökologisches Wissen im Bereich der Pflanzenkrankheiten zu sorgen.

Weltweit gehen bis zu 30 % der jährlichen Ernten durch Pflanzenkrankheiten und Schädlinge verloren.

Pierre Munzel

Sei es Westafrika, Brasilien oder Indien, die Gründer von „Plantix“ waren viel in der Welt unterwegs, um sich für eine Verbesserung der Nahrungsmittelsituation einzusetzen. „Wer sich vor Augen führt, dass zwei Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel von Kleinbauern angebaut werden und 30  % der Ernten durch Krankheiten verloren gehen, erkennt schnell, dass wir dort ansetzen müssen“, so Pierre.

Sechsstelliger Umsatz

Hinter „Plantix“ stecken neben Pierre noch sechs weitere Freunde und Studienkollegen aus Niedersachsen, die sich vor rund drei Jahren entschieden haben, alles auf eine Karte zu setzen: Gemeinsam haben sie in Hannover das Start-up „Peat“ gegründet. Nur rund ein halbes Jahr später ging das Exist-Gründerstipendium, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, an das Team aus Geografen, Biologen und Ernährungswissenschaftlern.

Das Gründerteam (von links): Robert Strey, Bianca Kummer, Korbinian Hartberger, Pierre Munzel, Charlotte Schumann, Simone Strey und Alexander Kennepohl. (Bildquelle: Peat)

Vor dem Gewinn des Preises haben die Freunde ihre Ersparnisse oder schmalen Einkommen aus Studentenjobs in die Weiterentwicklung der App gesteckt. Mittlerweile sieht das anders aus. „Wir haben keine Nebenjobs mehr. Wir arbeiten alle Vollzeit im Unternehmen“, so...